Rettungspaket

Lufthansa-Aktionäre stimmen einem Staatseinstieg zu

Das steht bei der Lufthansa auf dem Spiel

Vor ihrer Aktionärsversammlung am Donnerstag setzt die Lufthansa alles daran, die Zustimmung zum Rettungspaket zu sichern. Eine Zustimmung zum Milliarden-Rettungspaket hängt am kritischen Großaktionär Heinz Hermann Thiele.

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Die Aktionäre der Lufthansa haben zugestimmt, dass der Staat als Anteilseigner einsteigen darf. Davon hängt das Rettungspaket ab.

Berlin/Frankfurt. Wochenlang hatten Bundesregierung und Lufthansa über das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket gestritten. Auf den letzten Metern stellte der Investor Heinz Hermann Thiele alles infrage. Jetzt ist die Zitterpartie beendet. 98 Prozent der Aktionäre stimmten am Donnerstag für die Annahme des Rettungsplans. „Wir sind dankbar, dass der Staat uns eine Zukunftsperspektive gibt“, sagte Konzernchef Carsten Spohr. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was beinhaltet der Rettungsplan?

Zum Höhepunkt der Corona-Krise stand der Flugbetrieb fast vollständig still. Die Rückkehr zum Vorkrisenniveau wird noch Jahre dauern. In der Kasse der Lufthansa klafft ein Loch von neun Milliarden Euro. Das Hilfspaket umfasst eine stille Einlage des Bundes von 5,7 Milliarden Euro und einen Hilfskredit über die Staatsbank KfW über drei Milliarden Euro. Für 300 Millionen Euro kauft sich der Staat mit 20 Prozent bei der Airline ein.

In Österreich und der Schweiz erhält Lufthansa für ihre Ableger Austrian und Swiss Staatshilfen von rund 1,8 Milliarden Euro. Um diese Summe will der Konzern den KfW-Kredit kürzen.

Am Morgen stimmte die EU-Kommission dem Rettungspaket zu. Als Auflage muss Lufthansa an ihren Drehkreuzen Frankfurt und München 24 Start- und Landerechte an Wettbewerber abgeben. Europas größter Billigflieger Ryanair will dagegen klagen. Die Genehmigung durch die EU-Kommission sei ein „Verrat“ an den Grundprinzipien des EU-Rechts, polterte Ryanair-Chef Michael O’Leary.

Ist die Lufthansa damit gerettet?

„Das Stabilisierungspaket ist der Schlüssel für unsere Zukunft“, sagte Konzernchef Spohr am Donnerstag auf der Hauptversammlung. Doch der Konzern muss die deutsche Staatshilfe mit einem schrittweise steigenden Zinssatz zurückzahlen. Selbst in guten Zeiten könne Lufthansa diese Belastung nicht stemmen. Dennoch äußerte Spohr die Hoffnung, die Staatshilfen in drei Jahren zurückgezahlt zu haben.

Gab es auch andere Möglichkeiten?

Lufthansa-Aktionäre wie auch Chefaufseher Karl-Ludwig Kley hielten sich mit Kritik am Rettungsplan nicht zurück. „Für den Staat ist es ein durchaus lukratives Geschäft. Für uns als Lufthanseaten ist es eine durchaus beträchtliche Belastung“, klagte Kley. Damit verwies er auf die Konditionen der Rettung: Der Staat zahlt für den 20-prozentigen Anteil nur den Nennwert von 2,56 Euro je Aktie – ein Viertel des aktuellen Börsenkurses.

Der Zinssatz für die stille Einlage steigt bis ins Jahr 2027 auf 9,5 Prozent. Kley: „Hätten wir uns ein anderes Sicherungskonzept gewünscht? Eindeutig ja.“ Alternativen wie eine Finanzierung über Banken habe es aber nicht gegeben. Im Raum stand auch eine Insolvenz – die Folgen wären ungleich schlimmer gewesen.

Welche Rolle spielt der Investor Heinz Hermann Thiele?

Der Selfmade-Milliardär und Hauptaktionär des Münchner Bremsen-Spezialisten Knorr-Bremse hat in der Corona-Krise mehr als 15 Prozent der Lufthansa-Aktien gekauft. Thiele ist jetzt der wichtigste Aktionär. Er äußerte massive Kritik am Staatseinstieg. Es erschien möglich, dass er den Rettungsplan blockiert und Lufthansa Insolvenz anmelden muss.

Verbesserungen am Hilfspaket konnte er nicht mehr erzielen. In letzter Minute signalisierte er doch Zustimmung. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag stellte er kritische Fragen. Angebote, Lufthansa finanziell zu unterstützen, habe Thiele nicht unterbreitet, erklärte Vorstandschef Spohr. Auch mochte er nicht über die weiteren Absichten des Investors spekulieren.

Was droht den Mitarbeitern?

Auf die 138.000 Mitarbeiter kommen harte Einschnitte zu. Laut Lufthansa sind 22.000 Beschäftigte zu viel an Bord. Durch Gehaltsverzicht könnten Entlassungen vermieden werden. Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo einigte sich in der Nacht zum Donnerstag mit dem Konzern auf Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro bis ins Jahr 2023. Das bedeutet Einbußen von 17 Prozent.

Mit den Piloten sei eine Krisenvereinbarung in ähnlicher Größenordnung auf gutem Weg, hieß es. „Ich bin tief beeindruckt, wie viel Zuversicht weiterhin besteht“, lobte Chefaufseher Kley die Bereitschaft der Mitarbeiter.

Verhandlungen für das Bodenpersonal mit der Gewerkschaft Verdi liefen enttäuschender, so Vorstandschef Spohr. Ohne Fortschritte drohten betriebsbedingte Kündigungen. Lufthansa Technik hat sich bereits von vielen Leiharbeitern getrennt. Im Management entfalle zudem jeder fünfte Posten.

Wann bekommen Kunden ihr Geld für stornierte Tickets zurück?

Lufthansa-Chef Spohr hat Kunden, die teils seit Monaten auf Erstattungen für stornierte Flüge warten, erneut um Entschuldigung gebeten. Jetzt soll die Rückzahlung schnell gehen: Die Fluggesellschaft will die Fälle innerhalb der nächsten sechs Wochen abgearbeitet haben, kündigte Spohr an. Offen seien Forderungen von insgesamt rund einer Milliarde Euro.