Kirchensteuer

Corona-Krise: Kirchen droht Einbruch von Steuern und Spenden

Den Kirchen droht ein Einbruch von Steuer- und Spendeneinnahmen.

Den Kirchen droht ein Einbruch von Steuer- und Spendeneinnahmen.

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Die Vorfreude auf Pfingsten ist bei den Kirchen gedämpft. Denn Steuer- und Spendeneinnahmen drohen wegen der Corona-Krise wegzubrechen.

Berlin. Das Pfingstfest steht bevor, und im Gegensatz zu Ostern können Gläubige in den Kirchen wieder zusammenkommen. Und doch ist in diesem Jahr alles anders. In den Kirchen muss Abstand gehalten werden, gemeinsames Singen ist untersagt. Die Vorfreude auf den Feiertag ist gedämpft. Zumal sich die Corona-Krise auch auf die Kassen der Diözesen und Landeskirchen auswirkt. Mit dem allgemeinen Steueraufkommen wird auch die Kirchensteuer, die zuletzt bei rund zwölf Milliarden Euro lag, zurückgehen. Bundesweit könnte den Kirchen ein Milliardenbetrag fehlen.

Die Kirchen müssen sparen. „Im Bistum Limburg rechnen wir mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag, der wegbrechen wird“, sagte Stephan Schnelle, Sprecher des Limburger Bischofs, unserer Redaktion. Das Bistum habe eine strikte Haushaltsdisziplin eingeführt, überprüfe nun unter anderem sämtliche Ausgaben über 10.000 Euro.

Einbruch der Kirchensteuer wohl größer als nach der Finanzkrise 2008

Das Bistum Essen rechnet damit, dass der Einbruch der Kirchensteuer noch stärker ausfallen könnte als infolge der Finanzkrise 2008. Andere katholische Bistümer haben bereits Haushaltssperren eingeführt – darunter Würzburg, Mainz und Speyer. Das Bistum Würzburg teilte mit, dass nur noch Zahlungen vorgenommen würden, die zwingend notwendig seien. In Speyer will man freie Stellen in der Verwaltung in der Regel nicht mehr neu besetzen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rechnet mit Kirchensteuerrückgängen zwischen zehn und 30 Prozent. „Die Situation trifft die evangelische Kirche jedoch nicht unvorbereitet“, teilt die EKD mit. Der Haushalt sollte bis 2030 um 30 Prozent verkleinert werden.

Caritas verzeichnet geringes Spendenaufkommen

Vor Herausforderungen stehen auch die Wohlfahrtsverbände. Mit 660.000 Beschäftigten ist die katholische Caritas nach dem Staat der größte Arbeitgeber Deutschlands, gefolgt von der evangelischen Diakonie mit 600.000 Beschäftigten. Sie finanzieren ihre sozialen Dienstleistungen anteilig aus Eigenmitteln wie der Kirchensteuer, der Großteil der Kosten wird aber aus der Sozialversicherung und den Beiträgen der Leistungsempfänger gedeckt. Anders verhält es sich bei internationalen Hilfsaktionen.

So legte die Caritas einen Hilfsfonds auf, um Corona-Nothilfe in über 80 Ländern unterstützen zu können. Doch dieses Mal gehen weniger Spenden als bei großen Naturkatastrophen ein, berichtet Caritas-Präsident Peter Neher. 1,5 Millionen Euro seien bisher gespendet worden, deutlich weniger als für große Naturkatastrophen. „Die Corona-Pandemie sorgt überall für Unsicherheit, viele sorgen sich um ihre Kinder und Enkel und spenden weniger“, sagt Neher.

Arbeitsanforderungen haben sich bei der Caritas in der Krise verändert

Gestiegen seien dagegen die Sachspenden, auch von Konzernen. Beiersdorf habe Hygiene- und Pflegeprodukte, Deichmann Schutzmasken und Jack Wolfskin Jacken für die Mitarbeiter in der Altenpflege gespendet. Für den Wohlfahrtsverband sei es eine Entlastung gewesen, da zu Beginn der Krise Schutzkleidung fehlte, berichtet Neher.

Auch die Arbeitsanforderungen haben sich bei der Caritas in der Krise verändert. Die Zahl der Online-Sozialberatungen etwa ist nach oben geschnellt. Beriet die Caritas vor der Krise 300 Kunden am Tag im Netz, waren es in der Krise 1000 Kontakte. Nachbarschaftshilfe, Briefaktionen und digitale Kontaktwege in der Altenpflege seien schnell möglich geworden, sagt Neher.

Religionsbeauftragter sieht Krise als Chance für die Kirche

Umso mehr ärgert den Caritas-Präsidenten, dass das Engagement der Kirchen zuletzt infrage gestellt wurde. Die frühere thüringische Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hatte den Kirchen Versagen vorgeworfen. „Caritas und Diakonie sind Kirche“, betont Neher und fügt an: „In allen sozialen Diensten, in der Pflege, in Krankenhäusern und in der politischen Debatte waren wir in Tat und Wort hoch engagiert.“

Rückendeckung erhält er aus der Politik. Unionsfraktionsvize Hermann Gröhe (CDU) sagte unserer Redaktion, er erlebe die Kirchen als „sehr präsent und engagiert“. Der SPD-Religionsbeauftragte Lars Castellucci sieht in der Krise eine Chance für die Kirchen, durch neue Online-Angebote „neue Zielgruppen zu erreichen“. Und Konstantin von Notz, Fraktionsvize der Grünen, forderte eine „stärkere Unterstützung und Würdigung“. Die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen werde gerade in Zeiten der Krise bewusst, so der Grünen-Politiker.

Coronavirus – Mehr zum Thema