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Facebook schafft neue Plattform für Online-Händler

Facebook will sich weiterentwickeln und zur Plattform für den Online-Handel werden. Mit seiner gewaltigen Reichweite mischt das Unternehmen die Branche auf.

Facebook will sich weiterentwickeln und zur Plattform für den Online-Handel werden. Mit seiner gewaltigen Reichweite mischt das Unternehmen die Branche auf.

Foto: Foto: Niall Carson / dpa

Shoppen bei Facebook könnte zum Alltag werden. Das Unternehmen will es Online-Händlern leichter machen, ihre Ware im Netz anzubieten.

Menlo Park. Der Social-Media-Anbieter Facebook erweitert seine Aktivitäten und drängt auf den Markt des Internethandels. Wie das kalifornische Unternehmen mitteilte, will es zu einer Plattform für Online-Händler werden.

Mit seiner enormen Reichweite von weltweit rund 2,6 Milliarden aktiven Nutzern (erstes Quartal 2020) und der Stärke seiner technischen Infrastruktur würde Facebook ein ernstzunehmender Konkurrent von etablierten Plattformen wie Amazon und Ebay werden.

Facebook-Shops: Auch über Instagram erreichbar

Schon seit 2018 können Nutzer auf dem sogenannten Facebook-Marketplace Produkte zum Verkauf anbieten. Die neue Funktion „Shops“ richtet sich nun konkret vor allem an kleine Händler. Das Projekt solle diesen Unternehmen helfen, in der Corona-Krise zu überleben, sagte Facebooks Gründer und Chef Mark Zuckerberg der Deutschen Presse-Agentur. Lesen Sie auch: Facebook: Warum der Dark Mode nicht bei allen verfügbar ist

Die Händler können nun auf Facebook Online-Shops erstellen, die über Facebook sowie auch über die zum Unternehmen gehörende Plattform Instagram erreichbar sind. Dazu kommt die Funktion „Live Shopping“: Dabei handelt es sich um die Möglichkeit, Waren in einem Video-Livestream zu verkaufen. Deutschland ist unter den ersten Ländern, in denen bereits seit Dienstagabend Facebook-Shops eingerichtet werden konnten.

Zuckerberg: Neue Funktion „wirklich kritisch und dringend“

„Es ist etwas, woran ich schon länger interessiert war, aber als Covid-19 kam, wurde es wirklich kritisch und dringend“, sagte Zuckerberg. Viele kleinere Unternehmen – deren Werbeanzeigen wichtig für das Geschäft von Facebook sind – stünden vor dem Aus und suchten den Ausweg im Online-Geschäft, so der Unternehmenschef. Deswegen sei die Entwicklung von „Facebook Shops“ stark beschleunigt worden.

Facebook finanziert sich vor allem über Werbung. Dafür sind die Daten über das Verhalten der Nutzer von entscheidender Bedeutung. Denn auf dieser Grundlage kann das Unternehmen zielgerichtet Werbung für seine Kunden ausspielen und sie an den richtigen Adressaten bringen. Lesen Sie auch: Whats-App-Bot bekämpft beliebte Coronavirus-Irrtümer

Plattform bringt weitere Daten über Nutzer und Kunden

Für Facebook wird die Shopping-Plattform ebenfalls Daten über Nutzer und Kunden bringen – ähnlich wie bei anderen Angeboten des Online-Netzwerks, wie Zuckerberg betonte. „Wir werden sehen, mit welchen Shops sie interagieren, an welchen Produkten sie interessiert sind, was sie kaufen und so weiter.“

Derzeit sei aber keine Funktion vorgesehen, um diese Informationen mit Freunden zu teilen, und niemand sonst außer dem Nutzer, dem Shop und Facebook bekomme Zugriff darauf. Mit den Daten könnte das Online-Netzwerk aber seine lukrative Fähigkeit, Werbung zielgenau auszuspielen, weiter perfektionieren.

Einnahmen vor allem über die Werbeanzeigen der Händler

Die Einrichtung der Facebook-Shops werde für Händler kostenlos sein, sagte Zuckerberg. Gebühren würden lediglich etwa für Bezahlfunktionen fällig – „aber dabei geht es größtenteils darum, unsere Kosten zu decken“.

Facebook gehe davon aus, dass Werbeanzeigen der Händler die Einnahmen des Online-Netzwerks erhöhen werden, so Zuckerberg. „Unser Werbesystem funktioniert mit Auktionen, bei denen ein Unternehmen so viel bietet, wie ihm eine Anzeige wert ist. Wenn wir eine Anzeige wertvoller machen können, weil jemand, der sie anklickt, mit größerer Wahrscheinlichkeit etwas kauft, werden wir mehr Geld mit Werbung verdienen“, sagte er.

Erweiterte Realität: Kosmetik und Kleidung ausprobieren

Punkten will Facebook auch mit der Verknüpfung seiner verschiedenen Dienste. So wird man einen Online-Shop per WhatsApp, den Facebook Messenger oder die Chatfunktion von Instagram anschreiben können. Wenn im Facebook-System eine Kreditkarte hinterlegt ist, kann man direkt damit bezahlen.

Das Aus- und Anprobieren – etwa von Kosmetik, Kleidung oder Brillen – soll mit Hilfe der sogenannten erweiterten Realität (Augmented Reality) erleichtert werden, bei der virtuelle Inhalte auf dem Display mit realen Bildern gemischt werden.

So kann man etwa Make-Up-Farben auf dem Gesicht oder Möbelstücke im Zimmer einblenden. Zudem arbeitet das Online-Netzwerk auch an einer Integration von Bonuspunkte-Programmen. Einige Kategorien wie etwa Waffen würden auf der Plattform nicht verfügbar sein – auch wenn ihr Verkauf legal wäre, sagte Zuckerberg. a