Corona-Krise

Maskenverkauf an Bord: So will die Bahn Fahrgäste schützen

Maskenpflicht in Bus und Bahn

In ganz Deutschland gilt nun im Nahverkehr Maskenpflicht. Außerdem ist das Tragen einer einfachen Mund-Nase-Bedeckung in fast allen Bundesländern in Geschäften vorgeschrieben. Ziel ist es, die Ausbreitung des Coronavirus zu hemmen.

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In der Corona-Krise investiert die Bahn Millionen in Sauberkeit. Die Kunden werden mit Mundschutz und Desinfektionsmittel versorgt.

Berlin. Je mehr die Corona-Beschränkungen gelockert werden, desto stärker wächst der Wunsch nach Reisen. Das betrifft nicht nur Bürger, die Himmelfahrt oder Pfingsten gerne abseits der Heimat verbringen möchten, sondern auch Geschäftsleute, die ihre Kunden mal wieder persönlich sehen wollen. Da die Virus-Pandemie aber weiter kursiert, müssen Passagiere, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, besonders gut geschützt werden.

Corona-Krise: Bahn startet „Hygiene-Offensive“

Die Deutsche Bahn sorgt entsprechend vor: Der Staatskonzern startet Mitte der Woche eine Offensive für Hygiene und Sauberkeit. Der hohe dreistellige Millionenbetrag, der jährlich in die Reinigung von Zügen und Bahnhöfen investiert wird, soll dazu weiter erhöht werden, wie unsere Redaktion erfuhr.

Jeder Reisende wird die Maßnahmen bald selbst beobachten können: Während der Zugfahrt sollen sogenannte Unterwegsreiniger vor allem Kontaktflächen – wie Türdrücker, Griffe und Haltestangen – reinigen und desinfizieren. Dasselbe gilt für die Waschräume und Toiletten.

An Bahnhöfen werden Fahrkarten- und Snackautomaten besonders häufig geputzt. Im Fernverkehr sollen die Züge alle zwei Stunden während der Fahrt gesäubert werden, in den Regionalzügen erfolgt dies mindestens dreimal am Tag – auf Strecken mit vielen Reisenden auch häufiger.

Die Zahl der Unterwegsreiniger in den Zügen soll im Juli auf 500 verdoppelt und bis August auf 600 aufgestockt werden. Insgesamt sind bundesweit 4300 Mitarbeiter für die Reinigung von Zügen und Bahnhöfen zuständig. Die Reinigungskolonnen mit je drei bis fünf Mitarbeitern pendeln dann zwischen zwei Bahnhöfen. Zudem werden alle Fernzüge vor ihrem Einsatz in den Werken gereinigt und desinfiziert.

Kostenlose Desinfektionsmittel an 180 Bahnhöfen – Mundschutz im Bord-Bistro

Auch an den Bahnhöfen gibt es Neuerungen: An rund 180 Bahnhöfen und den 150 Service Stores der Bahn werden Desinfektionsmittel aus Spendern angeboten – und zwar kostenlos. Zudem können an den 20 großen Bahnhöfen – wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt oder Köln – die Waschräume künftig kostenlos genutzt werden, um sich die Hände zu waschen.

Neben diesen Maßnahmen setzt die Bahn jedoch auch auf die Mithilfe aller Passagiere. „Vor dem Coronavirus können wir uns nur gemeinsam schützen“, sagt der Bahnvorstand für den Personenverkehr, Berthold Huber. „Wir reinigen unsere Züge und Bahnhöfe mehr als je zuvor.“ Gleichzeitig bittet er alle Fahrgäste um ihre Mithilfe. „Wenn sich alle an Hygiene- und Maskenregeln halten, kommen alle gesund und sicher ans Ziel“, so Huber.

Schon jetzt gelten besondere Regeln beim Bahnfahren. So ist das Tragen von Mund-Nasen-Masken in allen Zügen des Konzerns Pflicht – und zwar sowohl im Fern- als auch im Regionalverkehr. Nur Kinder unter sechs Jahren sind davon ausgenommen, ebenso Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Masken tragen können. Auch während des Essens oder Trinkens kann die Maske abgenommen werden. Wer keine Maske besitzt, kann diese für 1,50 Euro im Bordbistro des Zugs erwerben. Die Bahn hat eigens dafür 19 Millionen Stück eingekauft.

Bahnfahren: Möglichst die Fensterplätze nutzen

Um genügend Abstand zu ihren Nachbarn zu wahren, werden alle Bahnreisenden schon jetzt per Lautsprecheransage aufgefordert, möglichst die Fensterplätze zu nutzen. Da die Fernzüge aktuell nur zu 20 bis 30 Prozent ausgelastet sind, ist dies in der Regel kein Problem. Im Gegenteil: Meistens reist man derzeit sehr bequem ohne Sitznachbarn oder sogar auch mal alleine im Sechser-Abteil.

Die Fahrkarten werden nicht mehr von Hand zu Hand gereicht, sondern auf Sicht oder per Scanner aus der Ferne kontrolliert. Kostenlose Zeitungen in der 1. Klasse fehlen, ebenso kleine „Aufmerksamkeiten“ wie Schokoladen-Geschenke. Auch der persönliche Service am Platz ist ausgesetzt. Die DB Lounges an den Bahnhöfen bleiben geschlossen.

Aktuell fahren gut 75 Prozent aller Fernzüge, Sprinter sind noch eingestellt, ebenso die meisten Verbindungen ins Ausland. Zu Pfingsten werden Strecken zu wichtigen touristischen Zielen in die Alpen und ans Meer wieder aufgenommen und bedient. „Wir weiten die Kapazitäten ab sofort Schritt für Schritt aus“, sagte Bahnvorstand Huber. „Wir folgen dabei der Nachfrage und haben die jeweiligen Reisebeschränkungen im Blick.“

Fahrgastverband Pro Bahn fordert funktionierende Toiletten

Der Fahrgastverband Pro Bahn hält es für absolut erforderlich, „dass alle Bahnunternehmen jetzt dafür sorgen, dass die Toiletten in Zügen und an Bahnhöfen funktionieren, Handtücher und Seife vorhanden sind“, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. „Wichtig ist aber auch, dass sich die Kunden an die Regeln halten.“ Alle Reisenden sollten sich und andere durch das Tragen von Masken schützen. „Wer sich dagegen wehrt, dem sollte im Notfall die ,rote Karte‘ gezeigt werden“, so Naumann, „und zum Schutz der anderen aus dem Zug verwiesen werden“.

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