Audi, VW, Seat

Technikpanne: Drei Hersteller vor Rückruf von Neuwagen

Der neue Volkswagen Golf 8 im VW Werk Wolfsburg.

Der neue Volkswagen Golf 8 im VW Werk Wolfsburg.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

VW hat massive Probleme mit dem neuen Massenmodell Golf 8: Es droht ein Rückruf für 30.000 Neuwagen. Betroffen sind auch Audi und Seat.

Wolfsburg. Der neue Golf 8 ist das wichtigste Produkt von Volkswagen, dem größten deutschen Industriekonzern. Doch der Hoffnungsträger bereitet VW immer mehr Sorgen. Jetzt droht ein Rückruf von mindestens 30.000 gerade erst ausgelieferten Neuwagen. Grund sind technische Probleme. Betroffen sind offenbar auch Modelle der Tochterfirmen Audi und Seat.

VW hat bereits einen Auslieferungsstopp für den neuen Golf 8 verhängt. Es geht um den „E-Call-Assistent“, mit dem der Fahrer nach einem Unfall einen Notruf absetzen kann. Das Gerät funktioniere wegen einer nicht verlässlichen Datenübertragung der Software am Steuergerät der „Online-Connectivity-Unit“ teilweise nicht richtig. Der Fehler sei nach Angaben aus Konzernkreisen bei Routine-Überprüfungen in der hauseigenen Qualitätssicherung aufgefallen.

Wie es in Unternehmenskreisen heißt, ist der Fehler auch bei den Konzerntöchtern Audi und Seat aufgetreten. Es geht um die Modelle Audi A3 und Seat Leon. Sie basieren auf der gleichen technischen Basis wie der Golf 8.

Entscheidung über Rückruf steht in den kommenden Tagen an

Der Autobauer arbeite mit Hochdruck an einer Lösung des Problems. Doch ganz so schnell geht es offenbar nicht. Ein entsprechendes Software-Update soll erst Mitte Juni bereitstehen. Die Produktion läuft bis dahin weiter – die Wagen bleiben aber erst einmal im Lager des Konzerns und werden nicht an Kunden ausgeliefert, bestätigte der Konzern.

Eine Entscheidung des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) zu einem Rückruf und einer Abhilfemaßnahme per Softwareupdate stehe in den nächsten Tagen an. Mit den neuen Problemen reißt die Pannenserie beim VW Golf 8, dem wichtigsten Modell des Herstellers, nicht ab. Erst vor wenigen Tagen hatte Betriebsratschef Bernd Osterloh seinen Ärger über die andauernden Probleme bei dem neuen Modell ausgedrückt. Software- und Elektronik-Störungen nannte die Mitarbeitervertretung als Hauptgrund. Die Zahlen seien ein Trauerspiel, hieß es.

Golf 8 bereitet VW viele Probleme

Im vergangenen Jahr sollten am Konzernsitz in Wolfsburg rund 100.000 Stück vom Band laufen – tatsächlich seien nur 8400 produziert worden. Ein Erfolg mit dem Massenmodell wäre für den Hersteller gerade jetzt sehr wichtig. Lesen Sie mehr: Neue Runde im VW-Dieselskandal – Auch Motor EA 288 betroffen?

Neben den um 67 Prozent eingebrochenen Verkaufszahlen und stillstehender Produktion durch die Corona-Krise gibt es offenbar auch beim zweiten zentralen Projekt des Herstellers immer neue Verzögerungen: Dem Einstieg in die Elektromobilität. Das Modell ID.3 soll zusammen mit dem neuen Elektro-SUV ID.4 noch 2020 starten. In die rein elektrische ID-Familie fließen Milliarden-Investitionen.

VW will ID.3 im Sommer ausliefern

Beobachter berichtete aber von vielen eigentlich fertigen Autos, die zwischengelagert und erst später mit der vollständigen Software bespielt werden sollen. VW erklärte dazu, die Software solle beim ID.3 nachträglich in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden. Offiziell betont Volkswagen zudem, man sei beim ID.3 im Plan und werde im Sommer so weit sein. Im Streit mit 260.000 Besitzern von Diesel-Autos mit manipulierter Abgasreinigung hat sich VW gerade geeinigt. Die Auszahlung von bis zu 6350 Euro hat kürzlich begonnen. (aky/dpa)