Rentenversicherung

Corona-Krise wirkt sich auf Renten aus

Wegen der Corona-Krise könnten Rentenerhöhungen künftig geringer ausfallen.

Wegen der Corona-Krise könnten Rentenerhöhungen künftig geringer ausfallen.

Foto: dpa

Jahrelang lief es bestens mit der Wirtschaft, mit der Arbeit und damit auch mit den Sozialversicherungen. Die Corona-Pandemie bringt alle drei Ebenen unter Druck - und damit auch die Renten.

Berlin. Die Corona-Pandemie wird auch an den deutschen Renten nicht spurlos vorbeigehen, allerdings sind die genauen Ausmaße noch nicht abschätzbar.

"Die negativen Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt wirken sich auf die gesetzliche Rentenversicherung nur in abgeschwächter Form aus, da auch bei Kurzarbeit und Arbeitslosengeldbezug weiterhin Beiträge entrichtet werden", erläuterte der Sprecher der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Bund, Dirk von der Heide.

Die den rund 21 Millionen Rentnern für den 1. Juli in Aussicht gestellte deutliche Anhebung der Renten um 3,45 Prozent im Westen und um 4,20 Prozent im Osten sei von der Krise allerdings noch nicht betroffen.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurde bis Ende April für gut zehn Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Das Ausmaß der Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt sei aber noch nicht genau bekannt. So stünden erst in einigen Wochen Daten der BA zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeit zur Verfügung. "Vorausberechnungen im Bereich der Rentenversicherung sind daher zurzeit mit deutlichen Unsicherheiten behaftet", argumentierte von der Heide weiter.

Die von der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Vorausberechnungen "gehen offensichtlich an der Gesetzeslage vorbei. Anders als dort zitiert kann etwa der Beitragssatz in der Rentenversicherung wegen der im Gesetz festgelegten Haltelinien im Jahr 2025 nicht bei 22 Prozent liegen, sondern ist auf 20 Prozent begrenzt", erklärte der DRV-Sprecher.

Für die Zeit bis 2025 hat der Bundestag ein Rentenpaket beschlossen. Es schreibt das Rentenniveau - also das Verhältnis einer Standardrente nach 45 Beitragsjahren zu den Löhnen - bei mindestens 48 Prozent fest. Der Beitragssatz soll bis dahin die 20-Prozent-Marke nicht überschreiten. Er liegt nun bei 18,6 Prozent.

Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen sprach sich in der "Bild"-Zeitung dafür aus, die geplante Rentenerhöhung im Juli wegen der Corona-Krise zu stoppen. "Wir brauchen ein Rentenmoratorium bis Ende des Jahres", sagte er. Erst dann solle die Bundesregierungentscheiden, ob die Rentenerhöhung doch komme oder ob sie halbiert werden müsse. Andernfalls müssten nur die von Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und ausfallenden Lohnerhöhungen betroffenen Erwerbstätigen die Last der Corona-Krise tragen.

Von der Heide erläuterte: "Die Höhe der Rentenanpassung orientiert sich jeweils an der wirtschaftlichen Entwicklung des Vorjahres. Da diese sehr gut war, fällt auch die Rentenanpassung in diesem Jahr relativ hoch aus. Der wirtschaftliche Abschwung kann sich frühestens bei der Rentenanpassung im nächsten Jahr bemerkbar machen."

Wie die Rentenanpassung im nächsten Jahr allerdings aussehen werde, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös vorausgesagt werden. Nach dem Rentenversicherungsbericht wird bisher für das kommende Jahr eine Erhöhung von 2,41 Prozent im Westen und 3,14 Prozent im Osten prognostiziert.

Eine Sicherungsklausel im Gesetz garantiere jedenfalls die bisher erworbenen Rentenansprüche. Im Übrigen verfüge die Rentenversicherung "über einen ausreichend großen Puffer, um die Zahlung der Renten in jedem Fall sicherzustellen". Die Nachhaltigkeitsrücklage in der Rentenversicherung lag den Angaben zufolge Ende März 2020 bei 38,3 Milliarden Euro, was rund 1,62 Monatsausgaben entspricht.

Die "Bild"-Zeitung zitiert eine Studie des Rentenexperten Axel Börsch-Supan, wonach die Finanzkrise 2009 die Rentenerhöhungen mittelfristig um 9,4 Prozent gedrückt habe. Dieser Effekt könnte sich durch Corona sogar noch verstärken: "Die Corona-Pandemie 2020 wird ähnlich wie die Finanzkrise 2008 deutliche Spuren in der gesetzlichen Rentenversicherung hinterlassen", zitiert die Zeitung Börsch-Supan.