Coronavirus-Pandemie

Jeff Bezos und Amazon: Gewinner der globalen Corona-Krise

Amazons Logistikzentrum in Rheinberg (Nordrhein-Westfalen): Bei dem Onlinehändler brummt das Geschäft.

Amazons Logistikzentrum in Rheinberg (Nordrhein-Westfalen): Bei dem Onlinehändler brummt das Geschäft.

Foto: imago stock / imago images/Ralph Lueger

Der Onlinehändler Amazon profitiert von der Corona-Pandemie wie kein anderer. Das macht Gründer Jeff Bezos schlagartig noch reicher.

Berlin. Für die Händler um die Ecke hängt die Hoffnung an einem Datum: Kommenden Montag dürfen in der Corona-Krise zumindest kleinere Läden wieder öffnen. Für sie geht es nach Wochen ohne Umsatz um die Existenz. Der US-Handelsgigant Amazon kennt diese Sorgen nicht. Für den Konzern dürfte es gerade so gut laufen wie noch nie. Dafür sprechen täglich neue Rekorde beim Aktienkurs und eine beispiellose Einstellungswelle.

Schon vor Corona war der Onlinehändler auch in Deutschland die Nummer eins mit einem Jahresumsatz von 9,3 Milliarden Euro (2018). Damit liegt Amazon weit vor der Nummer zwei, dem Hamburger Otto-Konzern (3,2 Milliarden Euro Umsatz), oder dem Modehändler Zalando (1,4 Milliarden). Mit Ausbruch der Pandemie in westlichen Ländern verzeichnete Amazon immer mehr Bestellungen und musste sogar „lebensnotwendigen“ Produkten Vorrang einräumen.

Dabei profitieren nicht alle vom Corona-Lockdown. Bei Zalando etwa rutschten die Geschäftszahlen tief ins Minus. Erst seit Anfang April steige der Umsatz wieder, teilt das Unternehmen mit.

Von wegen Krise: Amazon-Aktie legt kräftig zu

„Die Behauptung, der E-Commerce würde pauschal als ‚Gewinner‘ aus der Corona-Pandemie hervorgehen, ist schlicht falsch“, sagt Gero Furchheim, Präsident des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel. Der Branchenumsatz brach im März um 20 Prozent ein. Das Internet sei heute ein normaler Einkaufskanal. „Deshalb wirkt sich solch eine Krise in der Konsumstimmung voll auf unsere Branche aus“, sagt Furchheim.

Wirtschaftsforscherin Vera Demary vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat den Erfolg von Amazon untersucht. Durch die Breite des Sortiments und den eigenen Streamingdienst sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Amazon in der Lage ist, viele verschiedene Bedarfe der Konsumenten zu decken, schreibt sie. Durch den eigenen Lieferdienst sei die Liefersicherheit womöglich besser als bei der Konkurrenz.

Aktuelle Umsatzzahlen gibt es nicht – aber an der Börse sind Amazon-Papiere derzeit der Verkaufsschlager. Entgegen dem allgemeinen Kurssturz legte Amazon seit Mitte März um über 50 Prozent auf zuletzt 2420 Dollar (2250 Euro) zu.

Jeff Bezos immer reicher – 175.000 neue Stellen

Das macht den reichsten Mann der Welt, Amazon-Gründer und Großaktionär Jeff Bezos, noch reicher. Durch die Kursgewinne wuchs sein Vermögen seit Jahresbeginn um 24 Milliarden auf 138,5 Milliarden Dollar, gibt der Bloomberg Billionaires Index an.

Seinen Mitarbeitern zahlt Bezos in der Krise zwei Dollar oder in Europa zwei Euro mehr Stundenlohn. Um die Nachfrage zu bewältigen, läuft zumindest in den USA eine beispiellose Einstellungswelle. Während dort innerhalb der vergangenen vier Wochen rund 22 Millionen Menschen ihren Job verloren , heuerte Amazon 100.000 neue Mitarbeiter an und schrieb weitere 75.000 Stellen aus.

In Deutschland fällt die Aktion vergleichsweise bescheiden aus. Um die steigende Nachfrage zu bewältigen, stellt der Konzern 350 neue Mitarbeiter ein.

Mitarbeiterschutz: Frankreich droht Amazon mit Millionenstrafen

Die Gewerkschaft Verdi sieht die Entwicklung mit Argwohn. Die zwei Euro Zuschlag würden nicht überall und nur als Anwesenheitsprämie gezahlt. So schleppten sich Beschäftigte krank zur Arbeit und gefährdeten damit die Kollegen, sagt Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzel- und Versandhandel. Verdi berichtet auch von unzureichendem Schutz der Beschäftigten.

„Das hat nichts mit der Realität zu tun“, entgegnet Amazon auf Nachfrage unserer Redaktion. In den vergangenen Wochen seien zur Gesundheitsprävention über 150 Prozesse angepasst worden. Schutzmasken stünden jedem zur Verfügung. Mitarbeiter, die sich krank fühlten, sollen zu Hause bleiben und einen Arzt rufen.

In Frankreich ist der Streit so weit eskaliert, dass Amazon seinen Betrieb am Donnerstag eingestellt hat. Nach Klagen von Mitarbeitern, Amazon drohe mit Verdienstausfall, würden Mitarbeiter aus Angst vor einer Corona-Infektion zu Hause bleiben, schaltete sich Wirtschaftsminister Bruno Le Maire ein: „Dieser Druck ist inakzeptabel, und wir werden es Amazon wissen lassen.“

Am Dienstag hat ein Gericht eine Überprüfung aller Lagerhallen auf Corona-Risiken angeordnet. Für jeden Verstoß droht eine Millionenstrafe. Lesen Sie auch: Corona-Krise: Neue Regeln für mehr Schutz am Arbeitsplatz

Sorge um fairen Wettbewerb mit kleineren Onlinehändlern

Unter anderem wegen der Diskussion über den Umgang mit Beschäftigten sei es kein Selbstläufer, dass Amazon in der Krise profitiere, stellt die IW-Studie fest: „Denkbar ist auch, dass Konsumenten die kleinen, stationären Händler bei sich vor Ort unterstützen möchten, die während der Pandemie schließen müssen, und bewusst bei diesen Produkte bestellen.“

Kritisch sei auch die „erhebliche Marktmacht“, die Amazon erreicht habe: Sollte diese noch weiter zunehmen, „gilt es umso mehr, die konsequente Anwendung des bestehenden Wettbewerbsrechts im Auge zu behalten, damit ein fairer Wettbewerb mit kleineren Onlinehändlern gewährleistet ist“. Dann wäre Amazon ein Fall fürs Kartellamt.

corona-krise- neue regeln für mehr schutz am arbeitsplatz