Luftfahrt

Coronavirus: Wird die Lufthansa jetzt verstaatlicht?

Stopp Coronavirus - 6 simple und effiziente Maßnahmen im Alltag

Panik, Mundschutz-Bunkern, Desinfektions-Bäder und Klopapier-Horten sind nicht die Alltagsretter im Kampf gegen Coronaviren. Diese 6 Maßnahmen sind viel effizienter.

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Die Lufthansa ist massiv von der Pandemie getroffen. Entlassungen soll es aber vorerst nicht geben. Muss am Ende der Staat einspringen?

Berlin. In normalen Zeiten hätte Lufthansa-Chef Carsten Spohr sich über das Ergebnis des vergangenen Jahres freuen können: Trotz eines Gewinnrückgangs stand unter dem Strich immer noch ein Nettogewinn von 1,2 Milliarden Euro zu Buche – das drittbeste Ergebnis der Firmengeschichte.

Doch es sind keine normalen Zeiten. Im Gegenteil. „Unser Unternehmen ist im Ausnahmezustand“, sagte Spohr am Donnerstag in Frankfurt am Main.

Coronavirus: Lufthansa-Flugplan auf dem Stand von 1955

Das Coronavirus hat den weltweiten Passagier-Flugverkehr nahezu zum Erliegen gebracht, 700 der 763 Lufthansa-Flugzeuge stehen am Boden. In den kommenden Wochen wird die Lufthansa nach aktuellem Stand nur noch fünf Prozent ihres geplanten Programms aufrechterhalten können. Die Maschinen, die fliegen, würden vor allem dazu genutzt, um gestrandete Touristen zurückzuholen.

„Der Flugplan von 1955 sah genauso aus wie der, den wir in der kommenden Woche fliegen“, sagte Spohr. Der 53-Jährige erwartet massive Veränderungen in der Branche – und auch im Konzern. Die Lufthansa-Gruppe werde „kleiner“ werden.

Lufthansa steht mit Regierungen in Kontakt

Wie diese Verkleinerung konkret aussehen wird, ließ Spohr offen. Fest stehe, dass man dank neuer Kredite aktuell 5,1 Milliarden Euro zur Verfügung habe. Mit der bundeseigenen Förderbank KfW sei bereits über mögliche staatliche Kredite gesprochen worden, sagte Spohr.

Auch mit den Regierungen in Österreich, Belgien und der Schweiz habe er über Unterstützungen für die dortigen Lufthansa-Tochterfirmen gesprochen.

Ziel sei, alle 140.000 Beschäftigten weltweit an Bord behalten zu können. 31.000 Kabinen-Mitglieder der Lufthansa AG wolle man in Kurzarbeit schicken.

Auch wenn der Passagier-Flugverkehr nahezu zum Erliegen gekommen ist, so hat die Lufthansa in anderen Unternehmensbereichen derzeit noch gut zu tun. Die Frachttochter Lufthansa Cargo sei derzeit voll ausgelastet und auch die Lufthansa Technik habe noch genug Arbeit, sagte Finanzchef Ulrik Svensson.

Linken-Fraktionschefin fordert staatliche Beteiligung

Dennoch ist ungewiss, wie lange das finanzielle Polster reichen wird. Aus der Politik werden daher Forderungen nach einer Teilverstaatlichung laut. Die Fraktionschefin der Linken, Amira Mohamed Ali, sagte unserer Redaktion: „Eine höhere staatliche Beteiligung an der Lufthansa Group ist eine sinnvolle Maßnahme, denn so können Arbeitsplätze und ein wichtiges Unternehmen erhalten werden.“

Eine größere staatliche Beteiligung sei aber nicht nur bei der Lufthansa sinnvoll, sagte sie. „Um die Insolvenz von Unternehmen in der Corona-Krise zu vermeiden, sollte die Bundesregierung einen Rettungsfonds schaffen, aus dem Unternehmen Finanzhilfen in Form einer staatlichen Beteiligung erhalten können“, sagte die Linken-Fraktionschefin. Eine solche staatliche Beteiligung müsse aber damit verbunden sein, dass Arbeitsplätze erhalten und „Lohndrückerei“ verhindert werden.

Linken-Parteichef Bernd Riexinger hatte bereits vor einem Jahr eine Verstaatlichung von Fluggesellschaften gefordert.

Auch die SPD schließt Staatshilfe nicht aus

Die tourismuspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Gabriele Hiller-Ohm, schloss eine staatliche Beteiligung nicht aus: „In diesen außergewöhnlichen Zeiten müssen wir auch Teilverstaatlichung einzelner Unternehmen als letzte Maßnahme in die Diskussionen miteinbeziehen.“

Zunächst solle die Lufthansa aber die Maßnahmen in Anspruch nehmen, die derzeit zur Verfügung stehen, wie Kurzarbeitergeld oder Liquiditätshilfen, sagte Hiller-Ohm unserer Redaktion.

Ökonom Felbermayrr: Staats-Beteiligung ist für den Steuerzahler besser

Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW Kiel), hält eine staatliche Beteiligung für sinnvoller als Subventionen. „Sofern die Unternehmen die Krise dank der staatlichen Unterstützung überstehen, ist dann der Steuerzahler auch am Erfolg beteiligt, andernfalls federt er nur die Verluste ab“, sagte der Ökonom.

Die Bundesregierung hält sich dagegen noch zurück. Thomas Jarzombek (CDU), Luftfahrtkoordinator der Regierung, hatte am Montag erklärt, dass die „Verstaatlichung von Unternehmen definitiv nicht das Ziel“ sei.

Alitalia wurde bereits verstaatlicht

In Italien ist man schon weiter. Am Dienstag entschied die Regierung, Alitalia verstaatlichen zu wollen. Und auch in Deutschland rechnet Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg mit Unterstützung: „Es kann nicht im allgemeinen Interesse sein, dass ausländische Investoren in die Lufthansa einsteigen und für eine hohe Wertschöpfung Arbeitsplätze streichen“, sagte Schellenberg unserer Redaktion.

Zumal es sich bei der Lufthansa um ein deutlich gesünderes Unternehmen als bei Alitalia handele: „Alitalia war bereits mausetot und wurde vom Staat hochgehalten und könnte jetzt sogar verstaatlicht werden. Bei der Lufthansa verhält es sich anders“, sagte Schellenberg.

Luftfahrtexperte Schellenberg: Markt wird sich nicht grundlegend verändern

„Die Lufthansa hat in sehr guten Zeiten sehr gut gewirtschaftet und ihre Hausaufgaben gemacht. Jetzt kommen die schlechten Zeiten. Aber ein Unternehmen, das ordentlich seine Steuern bezahlt und Arbeitsplätze geschaffen hat, sollte jede Unterstützung bekommen, um diese Zeiten durchzustehen“, so der Luftfahrtexperte.

Sollte in anderen Ländern der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden, hält es Schellenberg auch für möglich, dass die Lufthansa Personal verleiht. „Das hat sie zu Krisenzeiten bereits öfter getan, wenn sie einen Personalübergang hatte und beispielsweise in Asien Kapitäne fehlten“, sagte Schellenberg.

Dass sich der Markt grundsätzlich verändert, glaubt Schellenberg nicht. „Die Unterschiede zwischen den klassischen und günstigen Airlines wird es nach wie vor geben, denn beide sind in ihren Sparten erfolgreich“, sagte der 51-Jährige. Die Lufthansa sei dafür im klassischen Bereich ein gutes Beispiel, doch auch Billig-Airlines wie Ryanair, easyjet und die US-Airline Southwest hätten „sehr erfolgreiche“ Geschäftsmodelle.

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