Benzinpreis

E10 teuer wie Super – warum Autofahrer jetzt so viel zahlen

Der Biosprit E10 ist derzeit vielerorts teurer als üblich.

Der Biosprit E10 ist derzeit vielerorts teurer als üblich.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Spielen die Benzinpreise jetzt etwas verrückt? E10 ist oft so teuer wie Super. Dafür gibt es eine Erklärung: Und zwar ein Gesetz.

Essen. 

  • Wer Super E10 tankt, zahlt inzwischen teilweise fast genauso viel wie jene, die weiter E5 nutzen
  • Eine Rolle spielt dabei das neue Bundes-Immissionsschutzgesetz, das zum Jahreswechsel in Kraft trat
  • Ein Branchenkenner sieht einen logischen Schritt: Um E10 wieder attraktiver zu machen, müsse der Preis für E5 wohl steigen

Aufmerksame Autofahrer dürften zu Jahresbeginn beim Blick auf die Preistafel an der Tankstelle gestutzt haben: Der Liter Super E10 hat preislich zum deutlich beliebteren Super E5 aufgeschlossen. Dabei hatten die beiden Treibstoffe bislang – je nach Anbieter – einige Cents Preisunterschied getrennt. Die Gründe für die auffällige Veränderung basieren vor allem auf einem Inhaltsstoff der Benzinsorten: Bioethanol.

Während die Kraftstoffbeimischung Bioethanol in Super E5 zu maximal fünf Prozent enthalten sein darf, fällt dieser erlaubte Anteil bei E10 doppelt so hoch aus. Mit dem Jahreswechsel ist eine Änderung beim Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) in Kraft getreten: Unternehmen, die gewerbsmäßig Kraftstoffe vertreiben, müssen seitdem eine höhere Biokraftstoff-Quote erfüllen.

Demnach müssen Biokraftstoffe mindestens sechs Prozent des insgesamt verkauften Sprits ausmachen. Ziel dieses Gesetzes ist die Minderung von Treibhausgasen.

Neue Abnehmer auf dem europäischen Bioethanol-Markt

Anfang 2015 lag der Prozentsatz noch bei 3,5 Prozent, 2017 wurde er leicht auf vier Prozent angehoben. Dass der Wert nun bei sechs Prozent liegt, steigere die Nachfrage an der biologisch abbaubaren Kraftstoffbeimischung, wie Stefan Walter, Geschäftsführer des Bundesverbands der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe), erklärt. Nichtsdestotrotz sei auch er von dem deutlich veränderten Preisniveau überrascht gewesen: „Ich beobachte das seit Jahresbeginn und rätsele auch.“

E-Autos- In diesen Ländern werden die meisten verkauft

Eine weitere mögliche Ursache sieht Walter jenseits der Bundesgrenze: Mit Dänemark und Ungarn seien zwei neue Staaten hinzugekommen, in denen nun auch mit Bioethanol versetzte Kraftstoffe verkauft werden. Luxemburg, die Niederlande und Frankreich sind schon länger Kunden auf dem europäischen Bioethanol-Markt. Diese Entwicklung trage zu einer höhen Nachfrage an Bioethanol bei – und das steigere den Preis.

Warum sollen Autofahrer nun noch E10 statt Super tanken?

Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands Freier Tankstellen und Unabhängiger Deutscher Mineralölhändler e.V. (bft), ist sich sicher, dass sich der Markt wieder einpendeln wird, schließlich „lässt sich in der zweiten Kalenderwoche nicht auf den Rest des Jahres schließen“. Auch er sieht im Bundes-Immissionsschutzgesetz eine der hauptsächlichen Ursachen für den angestiegenen Preis des E10.

Mit Blick auf vergangene Diskussionen rund um die Vor- und Nachteile von E10 steht nun – mehr denn je – die Frage im Raum: Wieso sollte man überhaupt noch den als umweltfreundlicher geltenden Treibstoff E10 tanken? Der preisliche Vorteil fällt aktuell als Argument weg. Hinzu kommt: Der Energiegehalt von E10 ist etwas niedriger, der Verbrauch liegt um ein bis zwei Prozent höher. Bei gleichem Preis an der Zapfsäule kommt den Autofahrer eine Fahrt mit E10 also teurer zu stehen als dieselbe Strecke mit Super-Tankfüllung.

Stephan Zieger aber findet, E10 sei nach wie vor attraktiv, um als Autofahrer Emissionen einzusparen: „Das ist der Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen, den wir bieten können.“

Branchenkenner: „Die Preise werden so nicht bleiben können“

Gerade deshalb sei ein Preisunterschied zu anderen Benzinsorten von hoher Bedeutung, wie ein Branchenkenner, der an dieser Stelle nicht namentlich genannt werden möchte, erklärt: „Die Preise werden so nicht bleiben können – das steht fest.“ Schließlich enthalte Super E5 nun mal weniger Bioethanol, das müsse sich auch preislich niederschlagen. Er findet: Um E10 wieder attraktiver zu machen, müsse der Preis für E5 wohl steigen.

Dieser Text erschien zunächst auf www.waz.de