Kohleausstieg

Kohlekraftwerke: Uniper macht Regierung Angebot für Datteln

Das Uniper-Kraftwerk Datteln soll im Sommer ans Netz gehen.

Das Uniper-Kraftwerk Datteln soll im Sommer ans Netz gehen.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Bericht: Uniper will alle anderen Kohlekraftwerke aufgeben, wenn Datteln 4 ans Netz gehen darf. Minister Pinkwart hielte das für klug, BUND tobt.

Düsseldorf. Am kommenden Mittwoch könnte das Bundeskabinett mit mehrmonatiger Verspätung das Gesetz beschließen, das den Ausstieg Deutschlands aus der Kohleverstromung regelt. Es steht ganz oben auf der Tagesordnung, allerdings stand es dort schon mehrfach und wurde immer wieder verschoben. Offenbar hat der Düsseldorfer Uniper-Konzern dazu nun ein weitreichendes Angebot gemacht: Er erwäge, alle bestehenden Kohlekraftwerke abzuschalten oder auf Gas umzurüsten, wenn dafür das Großkraftwerk Datteln 4 im Sommer ans Netz gehen kann. Das berichtet die Rheinische Post unter Berufung auf Berliner Kreise.

Das Unternehmen äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung dazu wie folgt: „Uniper hat immer klargemacht, dass wir einen konstruktiven Beitrag beim Kohleausstieg in Deutschland leisten wollen. Wir treiben die Dekarbonisierung aktiv mit konkreten Maßnahmen und Investitionen voran.“ Ins Details gehen wollte der Düsseldorfer Kraftwerksbetreiber nicht, zu „den Planungen für unsere Kraftwerke“ werde sich Uniper „erst dann äußern können, wenn die Sachlage, insbesondere in Form eines Gesetzes geklärt ist“.

Energiebranche wartet seit einem Jahr auf das Kohlegesetz

Die Energiebranche wartet nun bereits ein Jahr darauf, Da bei der Braunkohle die Gespräche mit Betreibern und dem Vernehmen nach vor allem mit den betroffenen ostdeutschen Ländern weiter haken, gilt in Berlin auch ein Kabinettsbeschluss als denkbar, der zunächst den Braunkohle-Ausstieg ausklammert und nur die Abschaltung der Steinkohlekraftwerke regelt.

Auch die wird langsam ungeduldig. Ein Jahr nach der Einigung in der Kommission sei es „höchste Zeit, dass die Bundesregierung diese Beschlüsse auch umsetzt“, sagte NRW-Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) am Mittwoch. Er sei „zuversichtlich, dass es dabei zu einer fairen Lastenverteilung zwischen den Kraftwerksstandorten in Ost und West kommen wird“.

Datteln 4 als größtes und modernstes Kohlekraftwerk spielt dabei eine zentrale Rolle. Ginge es im Sommer ans Netz, würden 1100 Megawatt zusätzlicher Steinkohlestrom den deutschen Strommix zunächst dunkler färben. Die Regierung hielte das trotzdem für einen Beitrag zum Klimaschutz, wenn entsprechend mehr alte Kohlekraftwerke abgeschaltet würden.

In diese Logik würde der Vorstoß von Uniper passen, seine noch fünf bestehenden Kohlekraftwerke in Deutschland abzuschalten, auf Gas umzurüsten oder in die Sicherungsreserve zu stellen. Manche Pläne sind freilich schon bekannt: Das Steinkohlekraftwerk Scholven in Gelsenkirchen soll bis 2022 auf Gas umgerüstet werden, das Braunkohlekraftwerk Schkopau in Sachsen-Anhalt bis 2026. Hier muss sich Mehrheitseigner Uniper mit der tschechischen EPH des Milliardärs Daniel Kretinsky abstimmen, die 42 Prozent hält. Hinzu kommen die Kraftwerke Heyden in NRW, Staudinger in Hessen und Wilhelmshaven.

Lob von Pinkwart, Kritik vom BUND

Minister Pinkwart hätte wohl nichts dagegen. Er betont: „Datteln ist das modernste Kohlekraftwerk Europas, es kann einen ganz erheblichen Beitrag zur CO2-Minderung und damit zur Erreichung der Klimaziele leisten. Wenn im Gegenzug ältere Anlagen früher vom Netz gehen oder auf Gas umgestellt werden, ist das vielleicht für manche ideologisch nicht der richtige Weg. Klimapolitisch aber wäre es klug.“

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht das anders: „Diese durchsichtige Trickserei zu Lasten des Klimaschutzes wäre eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem Kohle-Konsens“, sagte der NRW-Vizechef des BUND, Thomas Krämerkämper. So hätten besagte Kraftwerke, die Uniper zur Stilllegung oder Umrüstung anbiete, 2019 bei einer Auslastung von nur 25 Prozent zusammen weniger Strom eingespeist als Datteln 4 künftig erzeugen könne.

Für Uniper ist Datteln auch deshalb so wichtig, weil für den dort produzierten Strom bereits langfristige Verträge mit Unternehmen wie RWE und der Bahn bestehen, die sichere Einnahmen versprechen. Andere Kraftwerke sind weit weniger rentabel, und zwar vor allem, wenn sie große Mengen zum aktuellen Marktpreis abgeben müssen, der auch mal negativ sein kann. Aktuell sei die Stromproduktion seines europäischen Kraftwerksparks aus Kohle, Gas und Wasser zu rund 40 Prozent vertragsgebunden, sagte ein Konzernsprecher. Ziel sei es, diesen Anteil zu steigern.