Datteln 4-Probebetrieb

Datteln 4 speist bereits riesige Mengen Kohlestrom ins Netz

Das umstrittene Uniper-Steinkohlekraftwerk Datteln 4 läuft im Probebetrieb und speist zunächst bis Mitte Februar große Mengen Strom ins Netz.

Das umstrittene Uniper-Steinkohlekraftwerk Datteln 4 läuft im Probebetrieb und speist zunächst bis Mitte Februar große Mengen Strom ins Netz.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Im Probebetrieb speist das umstrittene Uniper-Kraftwerk Datteln 4 so viel Kohlestrom ins Netz ein wie kaum ein anderes: 600 MW bis Mitte Februar.

Datteln/Essen. Die Aussicht, dass trotz der Energiewende das gigantische Steinkohlekraftwerk Datteln 4 im Sommer doch noch in Betrieb geht, bringt Klimaschützer in Rage. Doch während das Kohleausstiegsgesetz weiter auf sich warten lässt, ist Datteln 4 faktisch längst am Netz: Aktuell speist es rund 500 Megawatt (MW) ein, ab diesem Mittwoch wird die Leistung auf bis zu 600 MW hochgefahren, wie ein Konzernsprecher unserer Redaktion sagte. Damit ist es selbst im Probebetrieb auf Anhieb einer der größten Stromproduzenten in Nordrhein-Westfalen.

Datteln 4 ist das größte Steinkohlekraftwerk Deutschlands und wird aller Voraussicht nach ab Sommer große Mengen schwarzen Stroms produzieren, obwohl die Bundesregierung die Kohleverstromung beenden will. Sowohl im Wirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) als auch im Umweltministerium von Svenja Schulze (SPD) wird dagegen inzwischen betont, dass Datteln 4 das , von denen nun im Gegenzug mehr stillgelegt werden sollen.

Auf Anhieb einer der größten Stromerzeuger

Zunächst werden mit dem umstrittenen Großprojekt des Düsseldorfer Stromerzeugers Uniper allerdings größere Mengen an Kohlestrom ins Netz gespeist. Selbst unter der im Probebetrieb derzeit gefahrenen Halblast von 500 bis 600 MW produziert Datteln 4 mehr Strom als die allermeisten anderen Steinkohleblöcke im regulären Betrieb. Ab dem Sommer könnte das gigantische Kraftwerk bis zu 1100 MW erzeugen, wenn es mit neunjähriger Verspätung doch noch in Betrieb geht.

Der Widerstand der Anwohner, Prozesse und Pannen haben das immer wieder verzögert. Beim letzten Versuch vor zwei Jahren, es in Betrieb zu nehmen, traten Risse an den Schweißnähten in der Kesselanlage auf. Diesmal laufen die Vorbereitungen laut Uniper bisher reibungslos. Der Kessel hat im Spätsommer 2019 die Drucktests bestanden. Seit Dezember synchronisiert der Betreiber sein Kraftwerk mit dem allgemeinen Stromnetz, damit liegt er sogar leicht vor seinem Zeitplan.

Ab Sommer Kohlestrom für die Bahn

Nach kurzen Inbetriebnahmen mit kleinerer Leistung läuft das Kraftwerk inzwischen im Dauer-Probebetrieb, der eingespeiste Strom werde auch marktgerecht vergütet, so der Konzernsprecher. Die Probeläufe gehörten zum normalen Prozedere auf dem Weg zur endgültigen Inbetriebnahme. Der kommerzielle Betrieb soll im Sommer beginnen, dann will Uniper vertragsgemäß den in Datteln erzeugten Strom an seine vertraglich gebundenen Großabnehmer verkaufen, vor allem an die Deutsche Bahn und RWE. Anschließend soll das Kraftwerk auch ans örtliche Fernwärmenetz angeschlossen werden. Nachdem Uniper und sein Vorgängerkonzern Eon bereits 1,5 Milliarden Euro in das Kraftwerk investiert haben, soll es dann endlich verlässliche Einnahmen bringen.

Die Betriebsgenehmigung für Datteln 4 hat Uniper seit 2017. Allerdings hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission empfohlen, den Steinkohle-Riesen nicht ans Netz zu lassen, sondern Uniper mit Schadenersatz davon abzuhalten. Das lehnen Wirtschafts- und Umweltministerium inzwischen aber ab. Im Entwurf für das Kohleausstiegsgesetz sind Ausnahmen für die Inbetriebnahme neuer Kohleblöcke formuliert, die Datteln den Weg ans Netz ebnen.

Selbst der in den Stromkonzernen eigentlich gefürchtete Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth hatte auf der Weltklimakonferenz in Madrid die Inbetriebnahme von Datteln 4 vertretbar genannt. Dagegen laufen die Grünen und Klimaschützer Sturm. Denn Flasbarth versprach zwar, für Datteln umso mehr ältere Blöcke abzuschalten, allerdings ohne zu sagen, welche. In der kommenden Woche soll das Kohlegesetz auf der Tagesordnung des Kabinetts stehen, heißt es einmal mehr aus Berlin. Der Beschluss wurde im November und Dezember bereits mehrfach verschoben.