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Essbare Becher: Wie Aldi Verpackungsmüll vermeiden will

Aldi: Tüten für Obst und Gemüse wohl bald kostenpflichtig

Aldi: Tüten für Obst und Gemüse wohl bald kostenpflichtig

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Essbare Kaffeebecher und wasserlösliche Binden: Start-ups demonstrieren, wie der Discounter Aldi den Verpackungsberg abbauen kann.

Mülheim/Essen. Essbare Trinkhalme aus Apfelfasern gibt es bei Aldi bereits zu kaufen. Ob demnächst auch Kaffeebecher, die nach Keks schmecken, in den Regalen stehen werden, will der Discounter in den nächsten Wochen entscheiden. Am Freitag präsentierten Start-up-Unternehmen den beiden Schwesterunternehmen auf der Essener Zeche Zollverein erst einmal ihre Ideen und Konzepte, die dazu beitragen sollen, Plastik- und Verpackungsmüll zu vermeiden.

Es ist der zweite „Pitch“, zu dem Aldi Süd und Aldi Nord eingeladen haben. Im Frühjahr hatten bereits sieben junge Firmen in Mülheim Konzepte vorgestellt, wie die beiden Discounter ihre Verpackungsabfälle reduzieren können. Die Firma Wisefood hatte die beiden Unternehmen überzeugt. Ab Dezember soll es ihre Trinkhalme auf Basis nachwachsender Rohstoffe zunächst als Aktionsware in allen Filialen geben.

Auch die wiederbefüllbaren und optisch anschaulichen Flaschen für Körperpflegemittel des Start-ups Cyclic Design will Aldi ins Sortiment aufnehmen – allerdings erst ab Herbst 2020 und zunächst begrenzt auf Duschgel. „Wenn die Kunden das Angebot gut annehmen, wären Nachfüllpacks zum Beispiel auch auf Shampoos eine schöne Weiterführung“, sagt Kristina Bell von Aldi Süd.

Eine Zusammenarbeit, die beim ersten Pitch angebahnt worden war, ist auch mit den Gründern von Ogata angelaufen. Für Aldi hat die Firma eine strapazierfähige Einkaufstasche aus recycelten Kunststofffasern entwickelt. Die Mehrwegtasche soll ab Frühjahr 2020 in den Filialen zu kaufen sein. Nun sind auch Mehrwegrucksäcke in der Planung.

Aldi: Start-ups sollen langfristig Produkte anbieten

„Insgesamt sind wir mit den Start-ups an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert“, erklärt Bell. „Das Thema Verpackung hat einen hohen Stellenwert bei Aldi.“ Es war Mitte 2018, als die beiden Discounter eine „Verpackungsstrategie“ auf den Weg gebracht hatten. Die Ziele: 30 Prozent weniger Materialeinsatz bei Eigenmarken-Verpackungen bis zum Jahr 2025 im Vergleich zu 2015, recyclingfähige Verpackungen bei Eigenmarken bis 2022 und mehr unverpacktes Obst und Gemüse.

„Wir liegen bei der Umsetzung unserer Aldi-Verpackungsmission voll im Plan“, zieht Rayk Mende von Aldi Nord eine Zwischenbilanz. Zwei Drittel aller Verpackungen des Discounters seien bereits wiederverwertbar. „Seit 2015 haben wir bereits mehr als 40.000 Tonnen Verpackungsgewicht eingespart. Und auch die Anzahl der unverpackten Obst- und Gemüseartikel wächst stetig“, so Mende. Gleichwohl räumt der Manager ein: „Aber natürlich wissen wir, dass noch ein weiter Weg vor uns liegt.“

Dabei setzen die beiden Unternehmen weiter auf Innovationen von Start-ups. Sie können nicht nur ein Riesen-Geschäft mit dem Marktführer wittern, sie können auch an einem 20-wöchigen Förderprogramm des von Aldi unterstützten Gründer-Beschleunigers Tech Founders teilnehmen. Dafür waren 80 Bewerbungen eingegangen. Am Freitag brachten sieben weitere Start-ups auf der Zeche Zollverein in Essen ihre Geschäftsmodelle mit.

Spoontaible präsentiert essbares Besteck

Beim „Pitch“ stellten die beiden Gründerinnen von Verpackmeinnicht eine Lösung für plastikfreie Naturkosmetik zum Selbermischen vor. Die junge Firma Polipop hat eine Damenbinde entwickelt, die wasserlöslich ist und über die Toilette entsorgt werden kann. Und das Start-up Spoontainable präsentierte essbares Besteck aus nachwachsenden Rohstoffen als Alternative zu Einweggabeln und -löffeln aus Plastik. Die Zahnbürsten der Zukunft von Eco Tooth bestehen zu 100 Prozent aus recyceltem Aluminium. Lediglich ihr Kopf ist auswechselbar. Und nach dem Kaffeetrinken können die Verbraucher die Becher von Cupffee gleich aufessen. Sie sehen aus wie ein Keks und sollen auch so schmecken.

Ob die Gründer mit Aldi ins Geschäft kommen werden, wollen die Unternehmen nach der Präsentation in Essen in den nächsten Wochen entscheiden. Mit mehr als 4200 Filialen sind sie der größte Discounter in Deutschland. Das ist gerade für junge Lieferanten eine Herausforderung. „Bei jungen Gründern sprechen wir von vergleichsweise recht kleinen Unternehmen, die ihre Innovationen nun in großen Mengen bei Aldi vermarkten können“, so Kristina Bell.

Das Thema Nachhaltigkeit stellt aber auch Aldi vor Probleme: „Wir müssen jede einzelne Verpackung unserer Produkte auf den Prüfstand stellen und möglichst eine Lösung finden, die zum einen nachhaltig ist und zum anderen nicht mit Qualitätseinbußen des Produktes oder hohen Kosten einhergeht“, sagt Kristina Bell.

Gänzlich will Aldi aber auch in Zukunft nicht auf Verpackung verzichten. „Durch den Schutz können wir die Haltbarkeit und Qualität vieler Produkte verbessern, wodurch deutlich weniger Lebensmittel weggeworfen werden“, betont Rayk Mende. „Aus diesen Gründen ist der Verzicht auf Verpackungen aus unserer Sicht nicht immer sinnvoll – und wird auch in Zukunft in dieser Form nicht bei Aldi realisiert.“

Aldi befindet sich nicht nur bei der Produktauswahl im Umbruch. So wurde bekannt, dass Aldi Süd kündigt 580 Mitarbeitern von Regionalgesellschaften.