Viele Standorte betroffen

Daimler streicht weltweit mehr als 10.000 Stellen

Daimler-Chef Ola Källenius hatte Mitte des Monats schon angekündigt, konzernweit rund 1,4 Milliarden Euro Personalkosten einsparen zu wollen.

Daimler-Chef Ola Källenius hatte Mitte des Monats schon angekündigt, konzernweit rund 1,4 Milliarden Euro Personalkosten einsparen zu wollen.

Foto: dpa

Dass der Sparkurs von Daimler-Chef Källenius nicht ohne Stellenabbau funktioniert, war klar. Nun liegt erstmals eine Zahl auf dem Tisch. Und die ist ziemlich groß.

Stuttgart. Das Sparprogramm beim Autobauer Daimler wird in den kommenden drei Jahren weltweit mehr als 10.000 Arbeitsplätze kosten.

Um wie geplant 1,4 Milliarden Euro beim Personal einzusparen, will der Stuttgarter Konzern in der Verwaltung vor allem freiwerdende Stellen nicht nachbesetzen, die Altersteilzeit ausweiten und Mitarbeitern Abfindungen anbieten.

Entsprechende Eckpunkte zur "Verschlankung des Unternehmens", wie Daimler es selbst formulierte, haben Konzernführung und Gesamtbetriebsrat ausgehandelt. Details sind noch rar, klar ist aber zumindest: Am Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2029 wird nicht gerüttelt.

Vorstandschef Ola Källenius hatte die Sparpläne Mitte November schon einmal grob skizziert, als er Investoren in London seine Strategie für die kommenden Jahre erläuterte.

Dann war es Personalvorstand Wilfried Porth, der verkünden musste, was das 1,4-Milliarden-Ziel konkret für die Arbeitsplätze bedeutet. "Mit den jetzt gemeinsam mit dem Betriebsrat beschlossenen Eckpunkten zur Verschlankung des Unternehmens können wir dieses Ziel bis Ende 2022 erreichen", sagte Porth und versprach, so sozialverträglich wie möglich vorzugehen.

Aus Sicht des Konzerns ist das Personal - gut 178.000 Leute allein in Deutschland - schon ganz grundsätzlich zu teuer, was die Wettbewerbsfähigkeit schmälert. Zugleich muss Daimler das nötige Geld zusammenbekommen für Investitionen in Zukunftsthemen wie die Elektromobilität oder das autonome Fahren - und das zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Die weltweite Autokonjunktur lahmt, es gab Produktions- und Absatzprobleme, zudem musste der Konzern zuletzt Milliardensummen vor allem für seine Diesel-Altlasten zurücklegen.

Auch die Einhaltung der strenger werdenden Vorgaben der EU für den Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) der Neufahrzeuge kostet viel Geld. Gleich zweimal musste Källenius, der erst im Mai den Vorstandsvorsitz von Dieter Zetsche übernommen hatte, die Jahresprognose für 2019 nach unten korrigieren. Im zweiten Quartal rutschte Daimler gar in die roten Zahlen.

Um das alles aufzufangen, will Källenius nicht nur beim Personal sparen. Auch die Materialkosten sollen runter, die Investitionen gekappt, die Modellpalette gestrafft und der ganze Laden effizienter aufgestellt werden.

Was das Personal angeht, müsse man vor allem auf das schauen, was sich kurzfristig realisieren lasse, sagte Porth. "Wir wollen diese 1,4 Milliarden ja in den nächsten drei Jahren einsparen." Er selbst sprach von einer niedrigen fünfstelligen Zahl an Arbeitsplätzen, um die es gehe - und zwar ausschließlich in den sogenannten indirekten Bereichen, also alles abseits der Produktion. Wie viele Jobs in Deutschland betroffen sein werden, blieb offen. Weltweit hat Daimler rund 300 000 Beschäftigte.

Jede zehnte Management-Stelle im Konzern soll gestrichen werden. Auslaufende Verträge von Zeitarbeitern in der Verwaltung will der Konzern nun nur noch sehr restriktiv verlängern. Zudem sollen Mitarbeiter in der Regel nicht mehr die Möglichkeit bekommen, ihre Arbeitszeit von den üblichen 35 auf 40 Stunden zu erhöhen und entsprechend mehr Geld zu bekommen.

Im Gegenteil: Eher sollen Mitarbeiter dazu gebracht werden, ihre Arbeitszeit noch weiter zu reduzieren. Und schließlich werde man sich auch von einigen "liebgewordenen Dingen aus der Vergangenheit" trennen müssen, sagte Porth. Als Beispiel nannte er den Anwesenheitsbonus für Mitarbeiter ohne Fehltage.

Mögliche Tarifsteigerungen in der Metall- und Elektroindustrie im kommenden Jahr nicht bei Daimler zu übernehmen, was Källenius zwischenzeitlich angedacht haben soll, ist dagegen laut Betriebsrat vom Tisch.

Trotzdem: Die Reaktionen der Arbeitnehmervertreter fielen eher sorgenvoll aus. Der Abbau der Kapazitäten dürfe keinesfalls zu einer Leistungsverdichtung führen, hieß es. "Die Transformation zieht neue und zusätzliche Aufgaben für die Beschäftigten nach sich. Gleichzeitig verlangt die Unternehmensleitung nun, dass die Transformation mit weniger Personal gemeistert wird", sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht.

Das Management müsse nun zeigen, was in Zukunft nicht mehr gemacht werden solle und wie die Komplexität reduziert werden solle. "Die Belegschaft braucht eine klare und nachvollziehbare Vorwärtsstrategie. Ein Abbau von Kapazitäten darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden", sagte Brecht.