E-Mobilität

Wollen Tesla und Co. im Osten nur Subventionen abgreifen?

Vier Fakten über den Cybertruck von Tesla

Er beschleunigt schneller als ein Porsche und kann trotzdem Schwerstarbeit leisten: Mit dem Cybertruck mischt Tesla jetzt die Branche der Pickups auf.

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Batterie- und Elektroauto-Hersteller zieht es nach Ostdeutschland. Geben hohe Subventionen den Ausschlag bei der Standortwahl?

Berlin. Der alte und neue Wirtschaftsminister Brandenburgs Jörg Steinbach kann die Kette guter Nachrichten noch nicht recht fassen. „Das sind Brandenburger Festwochen“, stellt er fest, als nur wenige Tage nach Tesla nun auch der Batteriehersteller Microvast den Bau einer Fabrik ankündigte. Kleinklein ist des Ministers Sache nicht. „Wir sind am Beginn einer ganz großen Entwicklung“, glaubt der Sozialdemokrat. Rund um erneuerbare Energien will sich das Land die Nummer eins in Deutschland werden.

Zumindest Sascha Kelterborn, der deutsche Chef von Microvast, hält das für möglich. Das Unternehmen werde seine Europazentrale hier ansiedeln, verspricht er. Der aus Houston im US-Bundesstaat Texas stammende Hersteller will Produktionsanlagen aus China und Forschungsarbeitsplätze aus anderen Ländern nach Ludwigsfelde im Süden Berlins verlagern.

Microvast stellt höherwertige Stromspeicher für E-Mobile, etwa Lkw oder Busse her, die in weniger als 15 Minuten aufgeladen werden können und angeblich so lange halten wie das Fahrzeug selbst.

Neuer Industriezweig entwickelt sich in Ostdeutschland

Deutschland, und hier nicht die traditionellen Autostandorte im Süden des Landes, sondern die Region rund um die Hauptstadt ist Kelterborn zufolge der beste Platz für die Weiterentwicklung der E-Mobilität. Im Vergleich zu Tesla ist der Batteriefabrikant klein. 43 Millionen Euro investiert Microvast in eine erste Produktionslinie, die 150 Jobs bringen soll. Wenn es gut läuft, kommen weitere hinzu. Bei Tesla ist von vier Milliarden Euro und bis zu 8000 Stellen die Rede, wenngleich diese Zahlen nicht bestätigt sind.

VDA zu Tesla- Wettbewerb belebt das Geschäft

Beide Investitionen passen zu der These, dass sich im Osten Deutschlands allmählich ein neuer Industriezweig entwickelt, der bisher vor allem in China oder Amerika unterwegs war. Darauf lassen einige Nachrichten schließen.

Lithium-Abbau an deutsch-tschechischer Grenze

Im sächsischen Freiberg bereitet die Deutsche Lithium den Abbau des für die Speicherproduktion wichtigen Rohstoffs Lithium vor. 125.000 Tonnen sollen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet im Boden liegen. 2021 soll der Abbau spätestens starten. Lithium ist ein Leichtmetall, das für die Produktion von Akkus, zum Beispiel für Smartphones, Laptops oder eben E-Mobilen benötigt wird und bislang hauptsächlich in Südamerika abgebaut wird.

Ein potenzieller Abnehmer wird sich dann wohl nicht weit weg in Zeitz in Sachsen-Anhalt finden. Dort bereitet der der niederländische Metall-Konzern AMD den Bau einer Raffinerie für das Lithium vor.

Der nächste Halt des Rohstoffs könnte das Erfurter Kreuz oder eben Ludwigsfelde sei. In Thüringen errichtet der chinesische Batteriehersteller und weltgrößte Produzent von Batteriezellen CATL für 1,6 Milliarden Euro ein neues Werk für den Massenmarkt.

Europa wird zum Massenmarkt für E-Mobilität

Ob all diese Ansiedlungen Beginn der ganz großen Entwicklung sind, die Steinbach erwartet, muss sich erst einmal zeigen. Kelterborn glaubt daran. Bisher spiele die Musik vor allem in China, nun entwickele sich Europa zum Massenmarkt für E-Mobilität, ist sich der Manager sicher. Angesichts des hohen Automatisierungsgrades der Fabriken sei der Lohnkostenvorteil Chinas kein Argument mehr gegen eine Fertigung in Deutschland.

An dieser Theorie gibt es jedoch auch Zweifel. Diese äußert zum Beispiel Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Er vermutet als Grund für die Standorte in der Nähe der Hauptstadt eher die hohen Subventionen, mit denen die Firmen rechnen können. „Wenn die Lohnkosten keine Rolle mehr spielen und hoch subventioniert wird, ist die Rechnung für die Unternehmen klar“, sagt Brenke. Bei Tesla könnte demnach jeder jeder fünfte Euro der vier Milliarden aus Fördertöpfen stammen.

Gleichzeitig verschwinden Zehntausende Jobs

Dazu kämen noch verdeckte Hilfen, etwa beim Grundstückserwerb oder der Erschließung. Angesichts des bisher noch nicht entwickelten Massenmarktes für Elektromobile bleibt Brenke erst einmal skeptisch. Erst wenn Subventionen auslaufen und die Unternehmen sich selbst tragen, könnte von einem wirtschaftspolitischen Erfolg gesprochen werden.

Während durch die E-Mobilität im Osten viele neue Jobs entstehen, dürfte der Abschied vom Verbrennungsmotor, die gesamtdeutsche Autobranche Zehntausende Jobs kosten . Verbrennungsmotoren sind wesentlich komplexer als Elektroantriebe.

„Wir gehen davon aus, dass etwa 70.000 Stellen wegfallen“, sagte der Autolobbyist Bernhard Mattes, scheidender Präsident des Verbands der Automobilhersteller (VDA) dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Bereits jetzt müssten die Mitarbeiter der Branche für den Bau der neuen E-Autos qualifiziert werden, „nicht erst, wenn die E-Mobilität einen hohen Anteil erreicht“.

Unterdessen musste Tesla bei der Vorstellung des neuen Pick-ups „Cybertruck“ einen Rückschlag einstecken – bei einer öffentlichen Präsentation des neuen Modells splitterte eine Glasscheibe, die eigentlich besonders robust sein sollte.