Medienmacher

Woran die Fernsehpläne der „Bild“-Zeitung scheitern könnten

Die Zentrale von Axel Springer in Berlin.

Die Zentrale von Axel Springer in Berlin.

Foto: Michael Kappeler / dpa

„Bild“-Chef Julian Reichelt will die Marke ins Fernsehen bringen. 20 Millionen Euro werden für einen TV-Sender allerdings kaum reichen.

Hamburg. Mit schlechten Nachrichten wollte Julian Reichelt sich nicht länger als unbedingt nötig aufhalten. Als der „Bild“-Chefredakteur am Montag vor seine Redaktion trat, verkündete er zwar, dass seine Zeitungsgruppe im Rahmen des großen Sparprogramms des Medienhauses Axel Springer 20 Millionen Euro einsparen müsse. Welchen Umfang der Personalabbau hat, der auch „Bild“ treffen wird, konnte oder wollte er aber nicht sagen.

Umso mehr erzählte der Chefredakteur über ein Projekt, mit dem er die deutsche Medienlandschaft verändern will: Reichelt möchte die Marke „Bild“ ins Fernsehen bringen. Geht es nach dem 39-Jährigen, wird Bild-TV täglich „18 Stunden live“ senden. Für das Vorhaben steht laut Reichelt ein Etat von 20 Millionen Euro zur Verfügung.

„Bild“ versteht sich seit Jahrzehnten als gedrucktes Fernsehen

Das klingt zunächst einmal plausibel: Schon seit Jahrzehnten versteht sich „Bild“ als gedrucktes Fernsehen. Das Boulevardblatt ist mit Größen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Unterhaltung besser verbandelt als so manche bereits existierende TV-Redaktion.

Zudem produziert die Zeitung schon jetzt für das Netz audiovisuelle Formate wie „Die richtigen Fragen“, „Bild-Sport-Talk mit Thorsten Kinhöfer“ oder „Bild-Live“. Und wenn es am Amazonas brennt oder die Möglichkeit besteht, auf einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer mitzufahren, sind „Bild“-Reporter mit der Kamera zur Stelle.

Doch bei genauerem Hinsehen erweisen sich Reichelts Fernsehpläne als reichlich unausgegoren. Es fängt damit an, dass es keinem Informationsprogramm gelingt, mit einer 18-stündigen Live-Berichterstattung die Zuschauer zu fesseln. Die Zeiten, da CNN 1991 rund um die Uhr vom Ausbruch des zweiten Golfkriegs berichtete und so weltweit der Durchbruch schaffte, sind vorbei.

Zuschauer erwarten im Fernsehen auch eine TV-Ästhetik

Problem Nummer zwei: Die Formate, die „Bild“ bisher für das Internet produziert, haben keine Fernsehqualität. Nutzer, die sich audiovisuelle Inhalte auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Laptop anschauen, stört es nicht, wenn die Kamera wackelt.

Fernsehzuschauer, die vor ihrem 64-Zoll-Bildschirm sitzen, erwarten aber eine ganz andere TV-Ästhetik. Reichelt will zwar die Bewegtbild-Produktion professionalisieren. An TV-Studios oder auch nur an eine halbwegs ambitionierte Maske ist aber nicht zu denken. Wie auch? Der Etat von 20 Millionen Euro lässt keine großen Sprünge zu.

Gänzlich unklar ist zudem, wie Bild-TV positioniert werden soll. Spiegel Online prophezeit zwar, das neue Angebot werde dem „Nachrichtensender n-tv Konkurrenz machen“. Doch der hat bereits einen anderen Wettbewerber aus dem Hause Springer: den Sender Welt, das frühere N24. Und dass „Bild“ im Revier des TV-Kanals aus dem eigenen Hause wildern darf, ist kaum vorstellbar. Auf Unterstützung vom Sender Welt darf die Reichelt-Truppe bei ihren Plänen übrigens auch nicht hoffen.

Wen trifft der Personalabbau bei „Bild“?

Dass der Personalabbau im Hause Springer auch und gerade Führungskräfte treffen soll, hatte der Chef des Medienhauses Mathias Döpfner schon vor Bekanntgabe des Sparpakets erklärt. Betroffen ist auch die als aufgebläht geltende „Bild“-Chefredaktion, die laut Impressum 14 Mitglieder hat. Tatsächlich ist ihre Zahl aber noch größer, da im Arbeitsvertrag einiger Ressortleiter steht, sie gehörten ebenfalls dem Führungsgremium an.

Nun hat Springer offenbar schon vor mehreren Wochen mindestens vier stellvertretenden Chefredakteuren angekündigt, sie würden ihre Titel verlieren. Obwohl die Betroffenen ihr Gehalt und ihre Kompetenzen behalten sollen, haben zwei von ihnen wegen ihrer bevorstehenden Degradierung Anwälte eingeschaltet. Bei Springer will man sich offiziell zu dem Vorgang nicht äußern.