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„Berliner Zeitung“: Was das Unternehmer-Paar beabsichtigt

Die Berliner Unternehmer Silke und Holger Friedrich sind die neuen Eigentümer des Berliner Verlags – und damit auch der „Berliner Zeitung“.

Die Berliner Unternehmer Silke und Holger Friedrich sind die neuen Eigentümer des Berliner Verlags – und damit auch der „Berliner Zeitung“.

Foto: Jens Roetzsch / dpa

Die Berliner Unternehmer Silke und Holger Friedrich haben den Berliner Verlag gekauft – ihre Ideen zur Sanierung sind nicht ganz neu.

Berlin. Es ist schön und heute leider nicht mehr selbstverständlich, wenn Verleger erklären, sie wollten einen „Beitrag“ zum „gesellschaftlichen und politischen Diskurs“ leisten. Sie wollten etwas gegen „Politik- und Medienverdrossenheit“ tun, und zwar „aus einem bürgerlichen Engagement heraus“.

Diese Sätze haben Silke und Holger Friedrich in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ gesagt. Das Blatt gehört zum maroden Berliner Verlag, den das Unternehmerehepaar von der DuMont Mediengruppe übernommen hat . Der Eindruck, dass die Friedrichs grundsympathische Leute sind, wird durch das Gespräch mehr als bestätigt.

„Berliner Zeitung“: Der Vergleich mit Jeff Bezos und der „Washington Post“ hinkt

Die beiden, die sich nicht als Mäzene verstehen, sagen aber auch, dass sie mit dem Verlag Geld verdienen möchten. Es bleibt die Frage, wie sie das erreichen wollen. Den von einigen Blättern angestellten Vergleich mit dem Amazon-Gründer Jeff Bezos, der vor ein paar Jahren die „Washington Post“ übernahm, weisen sie zurück.

Bezos ist der reichste Mann der Welt. Holger Friedrich hat mit dem Verkauf einer Firma an den Software-Konzern SAP ein Vermögen gemacht. Unendlich tiefe Taschen hat er aber nicht. Die „Washington Post“ ist eine Zeitung mit Weltgeltung. Die „Berliner Zeitung“, das Flaggschiff des Berliner Verlags, wird dagegen fast nur im Ostteil der Hauptstadt gelesen. Auch knapp 30 Jahre nach dem Mauerfall ist es dem Blatt nicht gelungen, eine nennenswerte Auflage im einstigen West-Berlin zu erzielen.

Eine nicht gerade frische Idee

Sicher haben Branchenfremde einen frischen Blick auf das Zeitungsgeschäft. Womöglich können sie mit unkonventionellen Ideen, auf die altgediente Zeitungsmanager nie kommen würden, wirklich etwas reißen. Doch dort, wo es im Interview etwas konkreter wird, kommt Holger Friedrich mit einer Idee, die nicht gerade frisch ist.

Angesprochen auf die Druckerei des Verlags sagt er, das Paar werde „dafür sorgen, dass dieses Druckhaus ausgelastet wird, vielleicht nicht nur mit Produkten des Berliner Verlages“. Das ist erstaunlich, weil der Vertriebsweg der Zukunft auch für Zeitungen das Internet ist.

Auflagen gedruckter Zeitungen sinken

Schon heute steigen E-Paper-Auflagen, während die der gedruckten Zeitungen rückläufig sind. Im Markt der Zeitungsdruckereien gibt es Überkapazitäten. Auch deshalb schließt die Zeitungsgruppe Madsack ihr Druckhaus in Leipzig. Der Alteigentümer des Berliner Verlags soll ebenfalls Pläne zur Schließung seiner Druckerei gehabt haben.

Er habe „eine emotionale Bindung zur ,Berliner Zeitung‘“, sagt Holger Friedrich im Interview. Schon als Kind habe er sie gelesen.

Berliner E-Werk läuft gut

Eine emotionale Beziehung hat er auch zum Berliner E-Werk, in dessen Ruine er als Junge Fußball spielte, wie er Bekannten erzählte. Als das einstige Umspannwerk ein Techno-Club war, habe er sich dort verliebt. 2004 kaufte er das Gebäude und sanierte es. Es sollte wohl auch ein Musik-Club werden. Stattdessen wurde es ein gut laufendes Veranstaltungszen­trum.

Vielleicht wird aus der „Berliner Zeitung“ auch etwas anderes als bisher – etwas, das ebenfalls gut funktioniert.