Aufsichtsrat

Konzernumbau: Deutsche Bank streicht 18.000 Stellen

Radikaler Konzerumbau bei der Deutschen Bank – 18.000 Stellen werden gestrichen.

Radikaler Konzerumbau bei der Deutschen Bank – 18.000 Stellen werden gestrichen.

Foto: RALPH ORLOWSKI / Reuters

Die Deutsche Bank hat am Sonntag einen radikalen Konzernumbau beschlossen. Deutschlands größtes Geldhaus will 18.000 Stellen streichen.

Berlin/Frankfurt/Main. Das größte deutsche Geldinstitut erhofft sich durch seine neue Strategie höhere Profite und für die Aktionäre bessere Renditen – doch für die Mitarbeiter ist es ein Schock: Die Deutsche Bank verordnet sich eine radikale Schrumpfkur und baut das Geldinstitut inklusive den Vorstand komplett um. Im Zuge der Neustrukturierung sollen rund 18.000 Stellen gestrichen werden – also jede Fünfte.

Die Zahl der Mitarbeiter wird bis 2022 auf etwa 74.000 Vollzeitstellen sinken. Wie viele der 41.500 Beschäftigten in Deutschland ihren Arbeitsplatz verlieren, ist ungewiss.

Die Rendite soll wieder auf acht Prozent zulegen und der Umbau rund 7,4 Milliarden Euro kosten. Dies kündigte der Dax-Konzern-Vorstand nach einer Aufsichtsratssitzung am Sonntag in Frankfurt am Main an.

Deutsche Bank: Vorstandschef Sewing als knallharter Sanierer

Mit dieser radikalen Umstrukturierung präsentiert sich Vorstandschef Christian Sewing nach nur gut einem Jahr an der Spitze der Deutschen Bank als knallharter Sanierer. Während seine Vorgänger auf immer stärkere Internationalität und Größe sowie das Investmentbanking setzten, schlägt der 49-Jährige einen neuen Kurs ein. Das Ziel, zum Global Player in der Bankenwelt zu werden, ist offensichtlich gescheitert.

Konsequent kündigt Sewing den Rückzug der Bank aus dem weltweiten Aktienhandelsgeschäft an. Darüber hinaus soll das Handelsgeschäft, insbesondere der Handel mit Zinsprodukten, angepasst werden. Um riskante Bilanzpositionen in Höhe von 74 Milliarden Euro abzuwickeln, werden diese in eine neue „Abbaueinheit“ ausgelagert.

Mehrere Vorstände müssen Posten räumen

Sewing, der als Lehrling bei der Deutschen Bank begann und in dem Institut den Großteil seines Berufslebens verbracht hat, stutzt vor allem das Investmentbanking-Geschäft zurück. Bereits am Freitag wurde der Rückzug des bisherigen Leiters der Unternehmens- und Investmentbank, Garth Ritchie, der zugleich stellvertretender Vorstandschef war, verkündet.

Und er ist nicht der einzige, der im Vorstand seinen Posten räumen muss. Der Privatkundenchef Frank Strauß und die für Regulierungsthemen zuständige ehemalige Bankenaufseherin Sylvie Matherat verlieren ihre Posten im Führungsgremium. Alle werden zum 31. Juli dieses Jahres das Bankhaus verlassen.

Deutsche Bank: Sewing übernimmt noch mehr Verantwortung

Vorstandschef Sewing übernimmt unterdessen noch mehr Verantwortung und setzt sich selbst an die Spitze der zuletzt kriselnden Unternehmens- und Investmentbank. Rechtsvorstand Karl von Rohr, der ebenfalls stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist, wird die Verantwortung für die Privatkundenbank und die Vermögensverwaltung mit der Marke DWS übernehmen. Risikovorstand Stuart Lewis ist künftig auch für den Bereich Compliance und die Abteilung gegen Finanzkriminalität zuständig.

Auch der Großaktionär Katar will die Neuausrichtung aktiv mitgestalten und hat mit Stefan Simon einen Vertrauensmann im Vorstand installiert. Simon, der bislang die Interessen der Scheichs im Aufsichtsrat vertrat, wird im Führungsgremium der Bank nun Chief Administrative Officer (CAO) und ist damit für die Beziehungen zu den Aufsichtsbehörden und die Rechtsabteilung verantwortlich.

Neu in den Vorstand ziehen außerdem Christiana Riley (regionale Verantwortung für das Geschäft in Nord- und Südamerika) und Bernd Leukert (Digitalisierung, Daten und Innovation) ein.

Sewing hatte „harte Einschnitte“ angekündigt

Schon bei der vergangenen Hauptversammlung hatte Sewing „harte Einschnitte“ angekündigt. Die Bank solle konsequent auf die profitablen Bereiche ausgerichtet werden.

Zum Investmentbanking gehört beispielsweise auch die Beratung bei Börsengängen oder Übernahmen sowie der Handel mit Wertpapieren und Devisen. Im sogenannten Transaction Banking, das Zahlungsverkehr, Handelsfinanzierung und Wertpapierdienstleistungen umfasst, zählt die Deutsche Bank zur Weltspitze.

Potenzial sieht das Geldhaus auch in der Vermögensverwaltung. Dagegen galt schon länger als ausgemacht, dass das US-Handelsgeschäft mit Anleihen und Aktien gestutzt wird.

Aktionäre müssen 2019 und 2020 auf Dividende verzichten

„Diese Maßnahmen sollen es der Deutschen Bank ermöglichen, sich auf die Kerngeschäfte zu konzentrieren, in denen sie eine starke Marktposition hat, und dort zu investieren“, schreibt der Vorstand in seiner Mitteilung zum Umbau. Dies gelte sowohl für das Geschäft mit Unternehmenskunden, das Finanzierungsgeschäft, das Geschäft mit Fremdwährungen, das Beratungs- und Emissionsgeschäft, das Privatkundengeschäft sowie das Asset Management.

Die Umstrukturierung soll aus den vorhandenen Ressourcen finanziert werden. Neues Kapital werde für die Transformation nicht aufgenommen, so der Vorstand. Allerdings müssen auch die Aktionäre weiter einen langen Atem mitbringen. Sie leiden bereits seit Jahren unter dem drastisch sinkenden Aktienkurs. Und auch für dieses und nächstes Jahr müssen sie den Gürtel eng schnallen. Der Vorstand will, so die Ankündigung, für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 keine Dividende vorschlagen.