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Teslas neues SUV – Modell Y soll im Herbst 2020 kommen

Das neue Tesla Model Y bei seiner Vorstellung in Los Angeles an.

Das neue Tesla Model Y bei seiner Vorstellung in Los Angeles an.

Foto: Jae C. Hong / dpa

Tesla hat sein neues Model Y präsentiert. Das SUV soll eine Reichweite von bis zu 480 Kilometern und Platz für sieben Personen bieten.

Berlin. Während deutsche Autobauer in Sachen Elektromobilität immer noch recht langsam vorankommen, gibt Tesla weiter Vollgas. Mit dem Model Y hat der Elektroautobauer aus Kalifornien am Donnerstagabend (Ortszeit) bereits das vierte Modell vorgestellt, das reif für die Straße ist.

Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum neuen Model Y:

Was kann das Model Y, wie sieht es aus?

Das Model Y ist ein SUV auf Basis des Model 3 – kompakter als das größere SUV Model X, aber immer noch sehr geräumig. Bei der Vorstellung des neuen Fahrzeugs am kündigte Tesla-Chef Elon Musk an, dass das Model Y mit einer Batterieladung bis zu 480 Kilometer Reichweite haben und Platz für sieben Insassen bieten werde.

Das Model Y sieht dem Model 3 ähnlich, ist aber vor allem etwas höher. Musk nannte es ein kompaktes SUV, der sich wie ein Sportwagen fahren lasse.

Die leistungsstärkste Version solle bis zu 240 Kilometer pro Stunde schnell sein und in 3,5 Sekunden von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (rund 96,5 km/h) beschleunigen können.

Wie teuer wird das Model Y sein?

Mit einem Preis ab 39.000 Dollar vor Steuern und Elektroauto-Prämien will Tesla eine breitere Käuferschicht ansprechen, als die Kalifornier es mit ihren größeren und deutlich teureren Wagen tun. Bereits das Model 3 hatte Tesla mit Umstrukturierungen und dem Verzicht auf stationären Handel zuletzt auf einen Preis von 35.000 Dollar in der Basisversion drücken können.

Zunächst sollen vom Model Y aber nur teurere Varianten zu Preisen zwischen 47.000 und 60.000 Dollar verkauft werden. Diesen Weg hatte Tesla auch beim Model 3 eingeschlagen, um die hohen Anlaufkosten der Produktion schneller einzuspielen. Ab sofort können die teureren Versionen reserviert werden.

Wann werden die ersten Model Y auf den Straßen zu sehen sein?

Das neue Model Y soll voraussichtlich im Herbst 2020 auf die Straße kommen, kündigte Elon Musk in Los Angeles an. Dementsprechend sind zunächst nur Vorbestellungen möglich. Zunächst sollen aber teurere Varianten zu Preisen zwischen 47.000 und 60.000 Dollar verkauft werden. Das Basismodell des Model Y soll erst im Frühjahr 2021 folgen.

Dass es bei diesem Termin bleibt, darf zumindest bezweifelt werden. Bei den älteren Modellen war es immer wieder zu Terminänderungen und Verzögerungen gekommen, die Tesla zwischenzeitlich sogar an den Rand der Pleite brachten.

Die Kapazitäten von Teslas Hauptwerk in Fremont in der Nähe von San Francisco sind derzeit komplett ausgeschöpft – einige Autos werden aktuell sogar in einem Zelt neben der Fabrikhalle montiert.

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Wahrscheinlich kommt die Produktionslinie für das Model Y in Teslas „Gigafactory 1“, einem riesigen Fertigungskomplex in der Wüste von Nevada. Die Fabrik stellt bisher nur Batterie-Packs her, soll aber weiter ausgebaut werden.

Wie reiht sich das Model Y in Teslas Palette ein?

Das Model Y ist das zweite SUV im Angebot von Tesla. Die große Limousine Model S diente bereits als Basis für das größere SUV – das Model X. Beide Modelle sind deutlich teurer als das Mittelklasse-Model 3 (Startpreis: 35.000 Dallar) und das Model Y – mit geringster Reichweite kostet das Model S rund 80.000 Euro, das Model X 90.000 Euro.

Man könne das Model X als „Fabergé-Ei trifft Raumschiff“ beschreiben, scherzte Musk bei dem Event in Los Angeles.

Welche Modelle hat Tesla noch in Planung?

Ebenfalls noch in diesem Jahr soll ein Pick-up-Truck vorgestellt werden – eine gerade in den USA sehr beliebte Fahrzeugklasse. „Seit fünf Jahren habe ich die Grundzüge des Designs und der Technik in meinem Kopf“, hatte Elon Musk bereits Ende 2017 dazu getwittert. „Ich brenne darauf, ihn zu bauen.“

Im November 2017 stellte Tesla seine Idee für einen E-Lastwagen vor, der, so hieß es damals, ab 2019 gefertigt werden soll. Der Tesla Semi soll vollbeladen in etwa doppelt so schnell beschleunigen können wie ein Diesel-Lkw.

Sehr ambitioniert klingen auch die Pläne für den Tesla Roadster, die Elon Musk ebenfalls 2017 vorstellte. Das sportlichste Tesla-Modell soll laut Ankündigung mit einer Batterieladung 1000 Kilometer zurücklegen, vier Personen Platz bieten und in nur 1,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen können. Die ersten 1000 Autos, so wurde es 2017 angekündigt, sollen 250.000 Dollar kosten, danach soll der Preis auf 200.000 Dollar sinken.

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Woher haben die Tesla-Modelle ihre Namen?

Tesla-Chef Elon Musk lässt kaum eine Gelegenheit aus, das Design seiner E-Autos zu loben. Diese Liebe zur Optik wollte er auch bei den Modellnamen deutlich machen, wie er einst angekündigte: Die Buchstaben im Namen der Tesla-Modelle sollten das Wort „S-E-X-Y“ ergeben.

Beim „E“ machte ihm Ford einen Strich durch die Rechnung, weil der Autobauer die Rechte am Namen „Model E“ nicht hergab. Tesla wich deshalb auf eine 3 aus, die ursprünglich im Modellnamen mit drei waagerechten Strichen dargestellt werden sollte.

„Ford drohte, uns zu verklagen“, sagte Musk und legte mit einem Wortspiel nach: „Ford hat Sex getötet“.

Wie steht die deutsche Autoindustrie im Vergleich zu Tesla da?

Die großen deutschen Marken haben für 2019 und 2020 ihre ersten Modelle angekündigt. Audi mit dem E-Tron , Mercedes mit seinem EQC und BMW mit iX3 stoßen zum Beispiel in das Segment vor, in dem Tesla mit dem Model X bereits seit 2015 unterwegs ist.

Der Unterschied zu Tesla: Die deutschen Hersteller haben viele ihrer E-Autos auf der Basis ihrer Benziner-Flotte aufgebaut und sind daher nur zum Teil in der Lage, zum Beispiel den deutlichen Raumgewinn durch die schlankere Technologie für Käufer nutzbar zu machen. Eigene, von Beginn an mit Elektroantrieb konzipierte Modellreihen lassen bei den meisten Herstellern noch auf sich warten.

Volkswagen hat mit seiner ID-Reihe bereits eine eigene Plattform geschaffen und will mit dem ersten Teil seiner Elektro-Modellfamilie – dem ID – dem Model 3 von Tesla in der Mittelklasse Konkurrenz machen. Zumindest preislich scheint das durchaus möglich zu sein: Der ID soll mit 30.000 Euro Basispreis vergleichbar teuer sein.

Der Chef des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Bernhard Mattes, widersprach Anfang März beim Genfer Autosalon Behauptungen, deutsche Hersteller hätten „gepennt“ und Tesla das Feld überlassen: „Stimmt nicht.“

Bei elektrifizierten Fahrzeugen hätten die deutschen Hersteller in Europa 46 Prozent Marktanteil. In drei Jahren würden sie mit gut 100 E-Modellen auf dem Markt sein. Was in dieser Rechnung allerdings noch fehlt: der Einfluss des vergleichsweise günstigen Model 3 von Tesla. Das ist nämlich erst seit Februar in Deutschland erhältlich. (ba/dpa)