Fahrverbote

VW weitet Diesel-Wechselprämie auf ganz Deutschland aus

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Volkswagen bietet Wechselrabatte für ältere Diesel-Fahrzeuge an. Bis Ende April soll das Angebot für Kunden in ganz Deutschland gelten.

Wolfsburg.  Um ältere Diesel-Fahrzeuge von den Straßen zu holen, weitet Volkswagen die Wechselrabatte zum Umtausch älterer Wagen auf ganz Deutschland aus. Die sogenannte Wechselprämie galt bislang nur für Autofahrer in besonders belasteten Städten. Nun gilt das Angebot im gesamten Bundesgebiet – allerdings nur bis Ende April 2019.

Zusätzlich zum Restwert will der Autobauer zwischen 500 und 7000 Euro bei der Inzahlungnahme eines Diesel-Fahrzeugs mit Euro-4- oder Euro-5-Abgasnorm zahlen, wie die Konzernmarke VW Pkw am Mittwoch ankündigte. Die Volkswagen-Nobeltochter Audi verspricht seinen Kunden sogar bis zu 9000 Euro.

Experten reagieren skeptisch auf Diesel-Wechselrabatte

Der Auto-Branchenfachmann Ferdinand Dudenhöffer sieht die Aktion kritisch, für ihn geht es um reine Verkaufsanreize. Im Kampf gegen drohende Diesel-Fahrverbote werde dies nicht helfen – „da kann Scheuer jetzt Luftsprünge machen“, urteilte Dudenhöffer mit Blick auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der positiv auf das VW-Tauschangebot reagiert hatte.

Vielmehr gehe es darum, VW und Audi im Markt zu stabilisieren, schließlich seien wegen der schwierigen Umstellung auf den neuen Abgas-Prüfstandard WLTP die „Marktanteile wahnsinnig in die Knie gegangen“. Auch Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sprach von einem „reinen Verkaufsprogramm“. Dies sei ein „Zeichen dafür, dass die Autoindustrie nicht wirklich etwas ändern möchte“.

Branchenexperte Stefan Bratzel schränkte ein, die Aktion könne „etwas bringen“. Er sprach von einer symbolischen Maßnahme, die eigentlich früher hätte kommen müssen. Aber: „Dass die Luftqualität messbar besser wird, das halte ich kaum für möglich. Wenn VW mehr verkauft, hilft es VW.“

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Umweltprämie bei Verschrottung gilt weiterhin

VW gab bekannt, dass die Rabatte beim Wechsel zu einem Neuwagen zwischen 500 Euro für den Kleinwagen Up und 7000 Euro für Passat oder Touareg betragen sollen – und zwar vom 24. Januar an. Marken-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann betonte, dies unterstreiche das VW-Engagement für eine bessere Luftqualität.

Die sogenannte Wechselprämie werde auch für Jahreswagen gewährt, die Prämienhöhe sei dann aber geringer. Außerdem gelte weiter der Umweltprämie genannte Rabatt bei Verschrottung eines Diesels mit der Abgasnorm Euro 1 bis Euro 4 und Umstieg auf einen VW-Neuwagen oder- Jahreswagen.

Volkswagen-Tochter Audi wiederum bietet Autofahrern für ihren Euro-4- oder Euro-5-Diesel beim Kauf eines neuen Audis zwischen 2000 und 9000 Euro Rabatt. Auch dieses Angebot gilt bis Ende April. Der Autobauer ist wie VW bei der Umstellung seiner Modelle auf den neuen Verbrauchs- und Abgasstandard WLTP im Verzug.

Dies ist ein Grund dafür, dass Audi im vergangenen Jahr in Deutschland nur 260.000 Fahrzeuge verkaufte – fast 12 Prozent weniger als im Vorjahr. Nach Angaben von Volkswagen wurden mit Hilfe der Rabattaktionen seit August 2017 mehr als 240.000 alte Diesel gegen neue Wagen getauscht.

Daimler bietet bis zu 10.000 Euro für ältere Diesel

Auch andere Autobauer gewähren für ältere Diesel Preisabschläge beim Neuwagenkauf. Daimler beispielsweise bietet für Diesel der Marke Mercedes-Benz je nach Modell bis zu 10.000 Euro in den besonders belasteten Gebieten – außerhalb sind es 2000 Euro. BMW gewährt bei der Inzahlungnahme von Dieselautos der Abgasnorm Euro 4 oder Euro 5 in besonders belasteten Regionen Rabatte von bis zu 6000 Euro.

Dagegen hatte sich die Branche gegen Hardware-Nachrüstung lange hartnäckig gewehrt. Dabei geht es um den Einbau sogenannter SCR-Katalysatoren, um den Schadstoffausstoß zu senken. VW und Daimler sagten aber zu, Dieselautos in 15 „Intensivstädten“ mit besonders hoher Schadstoffbelastung für bis zu 3000 Euro pro Wagen mit einer Hardware-Lösung nachrüsten zu lassen.

Linke: „Wir brauchen keine Dieselprämie“

Gerichte ordneten für mehrere Städte Fahrverbote für ältere Diesel an, etwa in Berlin, Köln, Essen oder Frankfurt. Hier liegen die Stickstoffdioxidwerte über dem Grenzwert. In Hamburg sind einzelne Straßen betroffen.

Die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Ingrid Remmers, sprach mit Blick auf die Preisnachlässe von blankem Hohn für die von Fahrverboten betroffenen Menschen: „Wir brauchen keine Dieselprämie, sondern bundesweite Hardware-Nachrüstungen.“ Vielen Menschen fehle schlicht das Geld, um „mal eben“ ein neues Auto zu kaufen.

Und: „Selbst neue Euro-6c-Fahrzeuge reißen die Abgas-Grenzwerte um ein Vielfaches – und sind damit fast genauso dreckig wie die, die sie ersetzen sollen.“ Fahrverbote seien so nicht zu vermeiden. (mbr/dpa)