Ermittlungen

Geldwäsche-Verdacht bei Deutsche Bank: Razzia in Chefetage

Am Hauptquartier des Instituts in der Frankfurter Taunusanlage waren am Vormittag mindestens zehn Mannschaftswagen der Bundespolizei zu sehen, zudem mehrere Zivilfahrzeuge mit Blaulicht.

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Die Deutsche Bank steht unter Geldwäsche-Verdacht. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat eine Razzia in der Main-Metropole veranlasst.

Frankfurt.  Der Deutschen Bank steht offenbar eine erneute Krise ins Haus: Aktuell durchsuchen rund 170 Ermittler Räumlichkeiten der Bank im Frankfurter Finanzviertel. Der Grund, der von der Staatsanwaltschaft bekanntgegeben wurde: Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche.

Die Ermittlungen laufen nach Angaben von Oberstaatsanwältin Nadja Niesen seit August 2018 und erstrecken sich auf einen Zeitraum der Vorgänge von 2013 bis 2018. Auch die Vorstandsetage sei von den Durchsuchungen betroffen gewesen, sagte Niesen. Welche Vorstandsbüros die Fahnder unter die Lupe nahmen, war zunächst nicht zu erfahren.

Der Aktienkurs der Bank rauschte nach Bekanntwerden der Razzia in den Keller. Die Papiere sackten am Donnerstagmorgen um fast 5 Prozent Prozent auf 8,17 Euro ab. Damit näherten sie sich wieder ihrem erst am Dienstag vergangener Woche erreichten Rekordtief von 8,05 Euro.

An der Razzia sind Beamte von Staatsanwaltschaft, Bundeskriminalamt (BKA), Steuerfahndung und Bundespolizei beteiligt. Seit dem Morgen wird in sechs Objekten ermittelt – in Frankfurt, Eschborn und Groß-Umstadt.

Zwei 50- bzw. 46-jährige Mitarbeiter sowie andere bislang nicht identifizierte Verantwortliche des Unternehmens stehen laut Ermittlern im Fokus. Der Verdacht habe sich beim BKA nach einer Auswertung von enthüllten Daten ergeben – etwa der „Offshore-Leaks“ und der „Panama Papers“.

Geld aus Straftaten auf Deutsche-Bank-Konten

Demnach soll die Deutsche Bank einigen Kunden bei der Gründung von Offshore-Gesellschaften in Steuerparadiesen geholfen hat. Ebenso sollen Gelder aus Straftaten auf Konten der Deutsche Bank geflossen sein, ohne dass die Bank Anzeigen erstattete.

Über eine zum Konzern gehörende Gesellschaft mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln sollen allein 2016 über 900 Kunden mit einem Geschäftsvolumen von 311 Millionen Euro betreut worden sein.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hatte bereits Ende September härteres Durchgreifen im Kampf gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung von der Deutschen Bank gefordert. Das Geldhaus hat seit Jahren mit Problemen zu kämpfen: Warum Deutsche Bank und Commerzbank den Anschluss verlieren.

Deutsche Bank installierte neuen Anti-Geldwäschebeauftragten

Die Aufseher wollten einen Sonderbeauftragten einsetzen, der die Umsetzung der von der BaFin angeordneten Maßnahmen überwachen und an die Bafin berichten soll. „Es ist das erste Mal, dass die Bafin eine solche aufsichtliche Maßnahme bei einer Bank im Bereich der Geldwäscheprävention anordnet“, hieß es.

Zuvor hatte das Institut einen neuen Anti-Geldwäschebeauftragten präsentiert: Stephan Wilken, der seit 24 Jahren als Risikomanager für das größte deutsche Geldhaus arbeitet. Sein Vorgänger Philippe Vollot ging zu der von einem Geldwäsche-Skandal erschütterten dänischen Danske Bank und zog dort in den Vorstand ein.

Von der Deutschen Bank war zu der Razzia vom Mittwoch zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. (rtr/ba)