Nachrüstungen

Autobauer wollen bis zu 3000 Euro für alte Diesel zahlen

Ein Kfz-Meister bei der Arbeit an einem VW-Dieselmotor.

Ein Kfz-Meister bei der Arbeit an einem VW-Dieselmotor.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Die deutschen Autobauer sind nach Gesprächen mit Verkehrsminister Scheuer bereit, ältere Diesel-Autos auf eigene Kosten nachzurüsten.

Berlin.  Die deutschen Autobauer haben sich mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer offenbar darauf verständigt, bis zu 3000 Euro pro Fahrzeug für Abgas-Verbesserungen an älteren Dieselautos zu zahlen.

Nach einem langem Ringen mit der Bundesregierung über zusätzliche Maßnahmen sagten VW, Daimler und BMW zu, ihre Angebote an betroffene Kunden aufzustocken, wie der Branchenverband VDA mitteilte. Scheuer sagte, die Hersteller hätten sich „sehr stark bewegt“. Verbraucherschützer und die Opposition übten dagegen Kritik.

Umtauschaktionen sollen weiter im Vordergrund stehen

Erzielt wurde ein komplexer Kompromiss: Die Hersteller hatten bereits höhere Preisnachlässe auf den Weg gebracht, wenn Kunden ihre alten Diesel in Zahlung geben und einen saubereren Wagen kaufen. Diese Regelung gilt für 15 „Intensivstädte“ in Deutschland, in denen Schadstoff-Grenzwerte vor allem durch Dieselabgase besonders stark überschritten werden. Die „Umtauschprämien“ laufen je nach Hersteller bis in die Jahre 2019 und 2020.

Diese Umtauschaktionen sollen weiter im Vordergrund stehen, so Scheuer. Nutzen aber betroffene Dieselbesitzer diese Aktionen nicht, sind weitere Maßnahmen geplant. Demnach sind Volkswagen und Daimler bereit, die dann verbliebenen älteren Dieselautos in den „Intensivstädten“ für bis zu 3000 Euro pro Wagen mit Katalysatoren nachrüsten zu lassen – das sind die Hardware-Nachrüstungen. Bisher hatten VW und Daimler angeboten, 2400 Euro pro Fahrzeug zu zahlen. Die Bundesregierung hatte auf eine höhere Beteiligung gepocht. Experten schätzen die Kosten inklusive Einbau auf etwa 3000 Euro.

Bei Daimler hieß es, die Nachrüstung müsse vom Kraftfahrt-Bundesamt zertifiziert und zugelassen werden und nachweislich dazu berechtigen, in bestimmten Städten auch in Straßen mit Fahrverboten einzufahren. „Vor diesem Hintergrund ist Daimler dazu bereit, Mercedes-Benz Kunden in den Schwerpunktregionen mit einem Maximalbetrag von bis 3 000 Euro beim Kauf einer Hardware-Nachrüstung eines Drittanbieters zu unterstützen.“

BMW lehnt Hardware-Nachrüstungen weiter komplett ab

Volkswagen erklärte, sollten Dieselfahrzeughalter nach 2019 weiter von „Mobilitätseinschränkungen“ betroffen sein, werde der Konzern Kunden ein „Mobilitätsangebot“ von bis zu 3000 Euro machen. Weiter hieß es: „Sollten zukünftig Hardware-Nachrüstungen die notwendigen behördlichen Genehmigungen erhalten, verfügbar sein und der Einbau von unseren Kunden gewünscht werden, bieten die betreffenden Konzernmarken im Rahmen des Mobilitätsangebots gleichfalls eine entsprechende finanzielle Beteiligung an.“ VW wolle aber die Kosten nicht komplett übernehmen. Der Konzern werde Hardware-Umrüstungen ferner nicht anbieten und Fahrzeughaltern auch nicht empfehlen.

BMW lehnt Hardware-Nachrüstungen weiter komplett ab. Das Unternehmen will Dieselbesitzer aber nach Auslaufen der „Umtauschprämien“ mit der gleichen Summe von 3000 Euro unterstützen – etwa für einen Neukauf.

Bei den teuren Hardware-Nachrüstungen müssen aber noch technische und rechtliche Vorschriften entwickelt werden. „Technische Lösungen für Pkw-Hardware-Nachrüstungen werden nach der erforderlichen Entwicklungs- und Zulassungszeit nicht kurzfristig am Markt verfügbar sein“, sagte Scheuer. Und derzeit könne niemand sagen, wie teuer eine Hardware-Nachrüstung für Diesel-Pkw tatsächlich sein werde.

Hofreiter nennt den Kompromiss „Augenwischerei“

Es wird davon ausgegangen, dass Hardware-Nachrüstungen nicht vor 2020 verfügbar sind. VDA-Präsident Bernhard Mattes, die drei deutschen Hersteller würden für die Zeit nach 2020 sicherstellen, dass Kunden mit Euro-5-Diesel-Altfahrzeugen durch herstellerspezifische Angebote „mobil bleiben“ könnten. „Dazu können auch Hardwarenachrüstungen zählen.“ Oberstes Ziel sei die Vermeidung von Fahrverboten.

Kritik an der Einigung kam von der Opposition: Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte den Kompromiss „Augenwischerei“. Scheuer und die Konzernbosse wollten den betrogenen Dieselbesitzern Neuwagen andrehen und verweigerten ihnen die Nachrüstung um weitere Jahre.

In vielen Städten werden Schadstoff-Grenzwerte nicht eingehalten. In Hamburg gibt es schon Streckensperrungen. Gerichte hatten Fahrverbote ab 2019 zudem etwa für Stuttgart, Berlin oder Frankfurt angeordnet.

Für Fahrer älterer Diesel hatte sich die Situation in Deutschland am Donnerstag erneut verschlechtert, nachdem das Kölner Verwaltungsgericht nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe Diesel-Fahrverbote in Köln und Bonn anordnete.

(dpa/ba)

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