Internetkonzern

Facebook-Chef – Die zwei Gesichter des Mark Zuckerberg

Facebook-Chef Mark Zuckerberg gewährt einen selten Einblick ins Private. Ein Blick auf einen Menschen, der in seiner eigenen Welt lebt.

Berlin.  Er hat eine Rot-Grün-Sehschwäche, verehrt die alten Römer – und lebt in einer abgeschirmten, beinahe künstlichen Welt. Mark Zuckerberg, mit heute 34 Jahren Chef des Mega-Konzerns Facebook mit 2,2 Milliarden Nutzern, gewährte einem Journalisten des US-Magazins „The New Yorker“ erstmals einen tieferen Einblick in seine private Umgebung und – ein bisschen – in sein Seelenleben.

„Kann Mark Zuckerberg Facebook reparieren, bevor es die Demokratie zerstört?“, lautet die provokante Überschrift des ausführlichen Zuckerberg-Porträts, für der Reporter Evan Osnos mehrfach Gespräche mit Zuckerberg führte– beim ihm zuhause, im Büro, per Telefon. Außerdem sprach er mit Dutzenden Personen aus Zuckerbergs Umgebung.

Ausgedruckt ergibt das überaus lesenswerte Stück satte 35 DIN-A4-Seiten. Ein facettenreiches Sittengemälde des Zuckerberg’schen Kosmos.

Zuckerbergs Zuhör-Tour wurde PR-Desaster

Osnos beschreibt darin eine zwiegespaltene Persönlichkeit. Da ist der öffentliche Zuckerberg, der bei Auftritten hölzern, abweisend und wenig empathisch wirkt. Als der Konzern-Boss im vorigen Jahr auf eine „Zuhör-Tour“ durch 30 US-Staaten ging, bei einem Bauern in Wisconsin das Vieh fütterte und in Michigan bei Ford am Fließband arbeitete, war ein Profi-Fotograf immer dabei.

Allerdings: Auf den Bildern, so Autor Osnos, habe Zuckerberg ausgesehen „wie ein Außerirdischer, der zum ersten Mal menschliche Wesen entdeckte“. Ein PR-Desaster.

Im persönlichen Gespräch dagegen, so Osnos, sei Zuckerberg „warmherzige und einnehmender“ gewesen als die öffentliche Figur. Aber sein „Appetit auf persönliche Offenheit“ sei begrenzt. Zuckerberg habe ihn an Hillary Clinton erinnert, schreibt Osnos. Auch die unterlegene US-Präsidentschaftsanwärterin gilt als unzugänglich und gekünstelt. „Beide haben keinen Weg gefunden, in der Öffentlichkeit als authentische Person wahrgenommen zu werden“, schreibt der Autor.

Hier einige der Kernaussagen des Osnos-Artikels über Zuckerberg.

• Die Sache mit Augustus

Mark Elliot Zuckerberg verehrt die alten Römer, sie übten „eine lebenslange Faszination“ (Osnos) auf den High-Tech-Freak aus Palo Alto in Kalifornien aus. „Eine der faszinierendsten Figuren ist Augustus“, sagt Zuckerberg selbst, „er sorgte für eine zweihundertjährige Periode von Weltfrieden.“ Der römischer Herrscher machte aus Rom ein Imperium des Friedens – so sieht es jedenfalls Zuckerberg, der in dem Imperator sein Vorbild gefunden hat. Die Zuckerbergs gaben ihrer zweiten Tochter den Namen August.

Als Zuckerberg und seine Frau Chan 2012 ihre Flitterwochen in Rom verbrachten, habe seine Frau gescherzt, man habe die Hochzeitsreise zu dritt gemacht: „Ich, sie und Augustus.“ So viel Zeit habe Zuckerberg auf den Spuren des Römers gewandelt.

• Weshalb Blau die Facebook-Farbe ist

Mark Zuckerberg hat eine Rot-Grün-Sehschwäche. Die Betroffenen können dabei die beiden Farben schlechter als Normalsichtige unterscheiden. Was lag da also näher, als Blau zur Erkennungsmarke von Facebook zu machen – das könne Zuckerberg wenigstens problemlos erkennen, so Reporter Osnos.

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• Zuckerberg hasst es zu verlieren

Der Autor macht mehrfach deutlich, dass Mark Zuckerberg um jeden Preis gewinnen möchte. Als Konzern-Boss, der andere Firmen schluckt, ebenso wie als Privatmann. Osnos berichtet, dass Zuckerberg Meetings mit Mitarbeitern mit einem Ausruf beendete: „Domination!“ Dominanz. Das sei heute zwar nicht mehr so, „aber sein Unbehagen gegenüber Niederlagen ist ungeschmälert“.

• Und was wird nun mit Facebook?

Facebook sorgte zuletzt für Skandale und Negativ-Schlagzeilen. Daten von zig Millionen Nutzern wurden abgezapft, russische Bots nutzen das Netzwerk für politische Einflussnahme , Populisten und Verschwörungstheoretiker jeglicher Couleur schicken via Facebook ihre Propaganda in die Welt, der Aktienkurs des Konzerns brach ein . Dem gegenüber steht ein abgehobener Konzern-Chef, der vom Papst empfangen wird und davon träumt, mit seinem Konzern als Heilsbringer die Welt zu beglücken.

Erinnern wir uns an die Überschrifts des „The New Yorker“-Artikels: „Kann Mark Zuckerberg Facebook reparieren, bevor es die Demokratie zerstört?“.

Es gehe nicht um die Frage, ob Zuckerberg die Kraft und die Macht dazu habe, resümiert Evan Osnos. Die Frage sei, „ob er den Willen dazu hat“. Ob er lieber Leute aus seinem Büro wirft, „wenn sie ihm keine Vorschläge bringen, wie man die Gewalt in Myanmar stoppen kann“; oder ob er sein Augenmerk darauf lege, in seinem Facebook-Netzwerk die Privatsphäre der Nutzer zu schützen und die schleichende Vergiftungsgefahr von Social Media zu bekämpfen.

Autor Asnos über Mark Zuckerberg: „Er hat es, vor langer Zeit, geschafft, Facebook groß zu machen. Nun ist er herausgefordert, Facebook gut zu machen.“ (W.B.)

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