Nachhaltigkeit

Haushalte in Städten hinken bei Energiewende hinterher

Auf dem Land sorgen mehr Menschen als in der Stadt in Sachen Energiewende vor, wie etwa in der Gemeinde Wildpoldsried.

Auf dem Land sorgen mehr Menschen als in der Stadt in Sachen Energiewende vor, wie etwa in der Gemeinde Wildpoldsried.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Ländliche Gebiete liegen bei der Energiewende vorn: Dort setzen mehr Leute auf Photovoltaik, Solarthermie und Co. als in den Städten.

Frankfurt/Main.  Die Energiewende findet in Deutschland breite Zustimmung. 90 Prozent der privaten Haushalte in Deutschland unterstützen sie – allerdings die meisten bisher nur passiv. Denn erst 23 Prozent der Haushalte sind schon „Energiewender“, haben also zum Beispiel in Solarthermie, Fotovoltaik oder eine Wärmepumpe investiert, besitzen ein Elektro- oder Hybridauto.

Das zeigt eine repräsentative Umfrage der staatlichen Förderbank KfW bei fast 4000 Haushalten. Die Effekte auf die CO2-Emissionen in Deutschland sind allerdings übersichtlich: Im Vergleich zu 2000 sind sie nur um drei Prozent auf jetzt 639 Millionen Tonnen gesunken.

Was bisher unternommen wurde, reicht nicht aus, um die Klimaziele der Bundesregierung und die des Pariser Abkommens zu erreichen, wie Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW, sagt. „Die vorhandene Bereitschaft der Haushalte, sich aktiv beim Klimaschutz einzubringen, sollte durch gezielte Unterstützung besser genutzt werden“, fordert er deshalb.

Denn die privaten Haushalte sind für etwa zwei Drittel der gesamten CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich, davon ein Drittel direkt über Wärme, Warmwasser oder den Verkehr, zwei Drittel indirekt, etwa über Fernwärme oder Baustoffe, deren Herstellung zum Teil energieintensiv ist.

Mehr Flächen für Solarthermie auf dem Land

Auf dem Land kommt die Energiewende der Umfrage zufolge schneller voran als in der Stadt. Im ländlichen Raum setzen demnach etwa 15 Prozent der Haushalte auf eine Fotovoltaik-Anlage, 16 Prozent auf Solarthermie, in den Städten sind es nur vier und fünf Prozent. Dafür ist in den Städten der Anteil an Elektro- oder Hybridautos höher – allerdings mit drei Prozent immer noch vergleichsweise niedrig.

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KfW-Chefvolkswirt Zeuner erklärt die regionalen Unterschiede damit, dass in der Stadt die Ladeinfrastruktur für Elektroautos besser sei, während es auf dem Land mehr nutzbare Flächen für die Solarthermie gebe. Ein weiterer Grund aus seiner Sicht: Auf dem Land gebe es mehr Eigenheimbesitzer, die auch die Unabhängigkeit von der konventionellen Energieversorgung schätzten.

Die meisten Energiewender finden sich in Baden-Württemberg (32 Prozent), Bayern und Hessen (je 28 Prozent). Das habe wohl mit der höheren Sonneneinstrahlung in den südlichen Bundesländern zu tun, könne aber auch am Einkommen dort liegen, vermutet Zeuner. Denn auffällig ist auch, dass sowohl Solarthermie als auch Fotovoltaik-Anlagen am häufigsten von den Haushalten mit höheren Einkommen genutzt werden.

Geht es um kleinere Anschaffungen wie Wärmepumpen, Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen oder Batterien, sind die Unterschiede zwischen den Einkommen nicht mehr so groß. Berlin und Hamburg liegen mit elf und sieben Prozent Energiewendern am Ende der Bundesländerliste.

„Smart Homes“ können bei Energiewende helfen

Das Energiewendebarometer lässt zudem eine große Dynamik bei Elektroautos erwarten. Während derzeit nur etwa zwei Prozent der Haushalte ein Elektro- oder Hybridauto fahren, planen 16 Prozent, sich ein solches Auto anzuschaffen. Bisher hält die Menschen noch der eingeschränkte Aktionsradius vom Kauf eines Elektroautos ab, also die noch lückenhafte Ladeinfrastruktur und die Reichweite.

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Helfen bei der Energiewende würde auch das „Smart Home“: Der Begriff ist den meisten Befragten bekannt. Doch nur elf Prozent der Haushalte nutzen bisher eine solche Anwendung in den Bereichen Wärme, Beleuchtung oder Strom, die etwa intelligent die Heizung steuert oder Licht ausschaltet, wenn niemand im Raum ist. Gut die Hälfte der befragten Haushalte kann sich jedoch eine Smart-Home-Nutzung in der Zukunft vorstellen.