Miese Bilanz der Ernte 2018

Landwirte bekommen Millionen-Nothilfe für große Dürreschäden

Ein verkümmerter Maiskolben liegt auf einem von Trockenheit, Hitze und Unwettern stark geschädigtem Maisfeld in der Region Hannover.

Foto: dpa

Ein verkümmerter Maiskolben liegt auf einem von Trockenheit, Hitze und Unwettern stark geschädigtem Maisfeld in der Region Hannover.

Viel zu wenig Regen hat Tausende Höfe in akute Finanznot gebracht. Nun ist klar: Der Bund springt ihnen erstmals seit 15 Jahren wieder mit direkter Dürre-Unterstützung bei. Damit soll es schnell gehen.

Berlin. Bauern mit schweren Einbußen wegen der wochenlangen Dürre in vielen Regionen Deutschlands können auf staatliche Nothilfen von bis zu 340 Millionen Euro zählen.

Angesichts von Ernteschäden "nationalen Ausmaßes" will der Bund 150 Millionen bis 170 Millionen Euro geben, wie Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin sagte.

Die andere Hälfte des Gesamtbetrags sollen die Länder tragen. Bundesweit seien bis zu 10.000 Betriebe so stark betroffen, dass ihre Existenz bedroht ist - etwa jeder 25. Hof. Damit ist das Ausmaß größer als 2003, als der Bund zuletzt Dürrehilfen zahlte.

Klöckner sagte, eine geringere Getreideernte habe es in Deutschland zuletzt 1994 gegeben. Nach vorläufigen Ergebnissen liegen die Erträge je Hektar um 16 Prozent unter dem Schnitt der drei Vorjahre. Das stärkste Minus hatten Schleswig-Holstein (31 Prozent), Brandenburg (27 Prozent), Sachsen-Anhalt (26 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (25 Prozent).

Auswirkungen seien regional aber sehr unterschiedlich. Schäden und Interesse an Hilfsprogrammen meldeten nun 14 Länder an, nur Rheinland-Pfalz und das Saarland nicht. Insgesamt geht der Bund von Schäden von 680 Millionen Euro aus - für die Hälfte der Summe will der Staat also mit Zuschüssen für betroffene Höfe einspringen.

"Wir müssen nun schnell reagieren", sagte Klöckner. Schwelle für Hilfen ist, dass Betriebe mehr als 30 Prozent der durchschnittlichen Jahreserzeugung verloren haben. Außerdem muss eine Existenzbedrohung festgestellt werden. Die konkrete Umsetzung wollen Bund und Länder nun gemeinsam regeln. Klöckner strebt eine Vereinbarung im September an. Zuletzt hatte sich der Bund 2003 wegen einer Dürre an Hilfen beteiligt, für die zuerst die Länder zuständig sind. Damals zahlten Bund und acht betroffene Länder 80 Millionen Euro an 4400 Betriebe.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach von einem "guten Signal für alle betroffenen Landwirte". Die Länder müssten ihre Verantwortung und ihren Anteil übernehmen, um Hilfen schnell und unbürokratisch umzusetzen. Der Verband hatte eine Unterstützung von einer Milliarde Euro ins Gespräch gebracht.

In seiner eigenen Bilanz stellte er nun ebenfalls eine "miserable Getreideernte" fest. Bundesweit ergibt sich demnach eine Getreidemenge von 35,6 Millionen Tonnen und damit ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hinzu kämen Einbußen bei Kartoffeln und Zuckerrüben. In einigen Regionen lägen die Ernteverluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen .

Aktuell höhere Erzeugerpreise für Getreide an den internationalen Märkten seien dringend erforderlich, sagte der Bauernpräsident. Ackerbauern mit großen Einbußen profitierten aber nur begrenzt, wenn sie keine nennenswerten Mengen zu höheren Preisen absetzen könnten.

Akute Probleme haben auch viele Viehhalter, bei denen Futter knapp zu werden droht. Wegen der Dürre ist einmal gemähtes Gras nun vielfach nicht für den üblichen zweiten und dritten Schnitt nachgewachsen. Klöckner hat deswegen bereits Erleichterungen auf den Weg gebracht, damit mehr Flächen zur Futtergewinnung genutzt werden können.

Die Ministerin verteidigte staatliche Hilfen für die Bauern. Landwirte, die Lebensmittel produzierten, seien "nicht irgendeine Branche". Aus den Ländern kamen positive Reaktionen. So kündigten unter anderem Nordrhein-Westfalen und Bayern an, sich zu beteiligen. Niedersachsen stellte einen eigenen Betrag von fünf Millionen Euro in Aussicht. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) mahnte einen Umbau zu einer klimaschonenden Landwirtschaft an, um Bauern nicht nur kurzfristig zu helfen, sondern vor zukünftigen Schäden zu bewahren.

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