Online-Geschäfte

Wie Google mit Bezahldienst den deutschen Markt erobern will

Der Bezahldienst Google Pay ist am Dienstag auch in Deutschland gestartet.

Der Bezahldienst Google Pay ist am Dienstag auch in Deutschland gestartet.

Foto: Jens Büttner / dpa

Google ersetzt die Kreditkarte durch das Smartphone und verspricht einfachere Online-Geschäfte. Firmen wie Apple werden nachziehen.

Berlin.  Die meisten Deutschen werden mit Google die Internetsuche verbinden. Doch der US-Konzern bietet mehr: Am Dienstag hat er seinen Bezahldienst Google Pay in Deutschland gestartet, als 19. Land weltweit. Er bietet kontaktloses Zahlen mit dem Smartphone und eine schnelle Bezahlmethode fürs Internet. Zum Start sind die Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard sowie die Banken Commerzbank, Comdirect, N26 und Wirecard (Boon) dabei.

Bei Google Pay werden die eigenen Kreditkartendaten auf dem Smartphone hinterlegt. Das Angebot soll den Bezahlvorgang erheblich beschleunigen, weil Zahlungsdaten sowie Liefer- und Rechnungsanschrift automatisch übertragen werden. Gerade im Internet sei das ein großer Vorteil, sagte Google-Manager Spencer Spinell bei der Vorstellung in Berlin.

Typischerweise müsse ein Nutzer für den Einkauf in einem Onlineshop, den er das erste Mal besuche, rund 120-mal den Bildschirm antippen. Ein Nutzer, der bei Google Pay angemeldet sei, müsse das zum Bezahlen dagegen nur zwei- oder dreimal. Wichtig: Google vermittelt dabei nur zwischen Bank und Händler. Und auch Geld fließt nicht über Google.

Bei 51 Prozent der Geschäfte in Deutschland bar bezahlt

Was die Bezahlung in der physischen Welt angeht, sind die Deutschen noch traditionell: Bei 51 Prozent aller Geschäfte, hat Google ermittelt, werde in Deutschland bar bezahlt, in 46,6 Prozent der Fälle zückten die Deutschen eine Karte. Doch dieser Anteil steige. Dazu beitragen könnte auch das kontaktlose Bezahlen in Geschäften. Mit entsprechend ausgestatteter Kredit- und Girokarte – oder nun auch per Smartphone. Das jedenfalls hoffen die teilnehmenden Banken.

„Schon jetzt bezahlen unsere Kunden 20 Prozent ihrer Einkäufe im stationären Handel kontaktlos“, sagte Matthias Hach, Vorstandsmitglied von Comdirect. Dass Kunden der Direktbank ihre Einkaufsrechnung auch über Google Pay mit dem Smartphone begleichen können, hält er für einen echten Mehrwert. Michael Mandel, Privatkundenvorstand der Commerzbank, hält das Bezahlverfahren für „einfach, schnell und sicher“.

Google Pay einzurichten ist, zumindest für Google-Kunden, schnell erledigt. Die App aus dem App Store laden und eine unterstützte Kreditkarte einscannen. Nur den Sicherheitscode auf der Rückseite muss man per Hand eingeben. Danach ist die Zahlung einfach, wie ein Test zeigt: Um ein Wasser an der Bar zu bezahlen, genügt es, das Telefon kurz aufzuwecken und wenige Zentimeter über das Bezahl-Terminal zu halten. Es erscheint ein blaues Häkchen und ein Symbolbild der Kreditkarte, mit der bezahlt wurde. Für Käufe bis 25 Euro wird nicht einmal das Handy entsperrt. Summen darüber müssen mit PIN-Code oder Fingerabdruck autorisiert werden.

Bank muss Google Pay unterstützen

Kunden brauchen keine Angst zu haben, dass ihre Kreditkartendaten von Dritten mitgelesen werden – diese Daten werden nicht an den Händler übermittelt. Statt dessen arbeitet Google Pay mit einer Erkennungsmarke, die bei der Zahlung an das Terminal gesandt wird. Diese Marke ist zusätzlich jedesmal anders verschlüsselt, sodass sie nur für die jeweils beabsichtigte Zahlung verwendet werden kann. Im Gegensatz zur Zahlung mit der Kreditkarte selbst ist die Kreditkarten-Nummer zudem nie sichtbar – ein kleiner Sicherheitsvorteil.

Bis jeder Deutsche nur sein Smartphone zum Einkauf mitnehmen muss, wird es noch dauern. Damit Google Pay funktioniert, muss im jeweiligen Geschäft ein entsprechendes Lesegerät zur Verfügung stehen. Auch muss die Bank des Kunden Google Pay unterstützen.

Am besten vorbereitet ist hier vermutlich der Handel, jedes Kartenterminal, das kontaktloses Bezahlen mit Visa oder Mastercard unterstützt, kann auch für Google Pay genutzt werden. Bei Mastercard sind das nach Unternehmensangaben 90 Prozent aller Terminals, Visa gibt an, bis Ende des Jahres an 80 Prozent aller kompatiblen Lesegeräte auch kontaktloses Zahlen zu ermöglichen, bis 2020 dann an allen.

Auch Apple will Bezahldienst auf Markt bringen

Anders sieht es mit den unterstützten Zahlungsmitteln aus. Hier können derzeit nur Visa- und Mastercard-Karten der teilnehmenden Banken verwendet werden, deren Girocards (früher EC-Karte) nicht. Das sei aber nur der Anfang, versichert Google-Manager Spinnell, man lade alle Banken ein, sich anzuschließen. Mit wem verhandelt wird, wollte er nicht sagen.

Eine Gebühr verlangt Google für die Nutzung seines Bezahldienstes weder von den Banken noch von den Kunden – das Unternehmen sieht den Service als Anreiz für Kunden, Geräte mit dem Betriebssystem Android von Google zu nutzen.

Auf Google Pay könnten hierzulande bald weitere Anbieter folgen: Apple hatte Apple Pay bereits 2014, ein Jahr vor Google, in den Markt gebracht und kann bereits in zwei Dutzend Ländern genutzt werden. Experten rechnen mit einem Deutschland-Start in 2018. Sogar Smartphone-Hersteller Samsung bietet eine eigene Lösung an, die bereits in 19 Ländern verfügbar ist.