Flugreisen

Flüge gestrichen und verspätet: Eurowings-Kunden stinksauer

Eurowings ist eine Tochter der Lufthansa und so genannte Low Cost Airline.

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Verspätet, verschoben, gestrichen – Eurowings-Passagiere klagen über Ärger mit Flügen. In den sozialen Medien häufen sich Beschwerden.

Berlin.  Reisende klagen bundesweit seit Monaten über die wachsende Anzahl verspäteter Eurowings-Flüge. In den sozialen Netzwerken machen Tausende ihrem Ärger über kurzfristige Flugstreichungen und Verspätungen Luft.

Die Beschwerden reichen von annullierten und verspäteten Flügen über abgestürzte Webseiten und abgebrochene Buchungsvorgänge bis zu verweigerten Entschädigungszahlungen. Viele Social-Media-Nutzer geben der Airline schlechte Noten für ihr Krisenmanagement insgesamt. „Kafka-Travel“, nennt das etwa ein Nutzer.

Die Dortmunderin Daniela Amato berichtet, dass ihr Flug von Rom nach Köln rund zwei Stunden vor Abflug zunächst zweimal verschoben, dann ganz gestrichen wurde. „Dann gab es großes Durcheinander und langes Schlangestehen“, erzählt sie. Am Abend des nächsten Tages habe sie dann einen Flug nach Köln bekommen – mit Verspätung.

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Die Berliner Journalistin Birgitta Stauber schilderte auf Facebook eine Horrorreise mit Eurowings im Februar nach Sizilien. Passagiere kippten um, Informationen gab es kaum. „Der Rückflug dauerte zwei Tage“, schrieb sie. Manche Passagiere seien aufs Taxi umgestiegen.

Auch Prominente hatten ihren Ärger mit Eurowings – etwa die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali. „Hinflug nach Ddorf verspätet. rückflug nach berlin ohne erklärung gecancelt“, schrieb sie genervt via Twitter. Und: „Neuen Rückflug aus köln besorgt. Der hatte dann auch Verspätung.“

Die Kommunikation mit dem Unternehmen ist schwierig. Kontakt ist nur über ein Formular im Netz möglich. Tagelang antwortete zunächst niemand auf die Anfrage unserer Redaktion.

In einer Stellungnahme der Fluggesellschaft heißt es später: „Im Zeitraum Januar bis Mai 2018 hat Eurowings insgesamt 113.439 Flüge durchgeführt, davon mussten 1578 gestrichen werden.“ Damit seien 98,6 Prozent der Flüge erfolgreich durchgeführt worden.

2585 Flüge im Jahr 2018 storniert

Allerdings: Allein im Monat Mai fielen deutschlandweit 784 Flüge der Lufthansa-Tochter Eurowings aus, berichtet das Fluggastrechte-Portal EUclaim auf Anfrage unserer Redaktion. Von Januar bis Mitte Juni 2018 (Stand: 17. Juni) waren es insgesamt sogar 2585. Hinzu kamen seit Anfang des Jahres deutschlandweit 620 Eurowings-Verspätungen.

Der im gleichen Zeitraum am stärksten von Eurowings-Flugausfällen betroffene Abflughafen war mit 378 gecancelten Flügen Düsseldorf, knapp gefolgt von Köln (337) und Stuttgart (226). Die am häufigsten betroffenen Strecken in diesem Zeitraum waren mit je 103 ausgefallen Flügen die Strecken Köln – Berlin-Tegel sowie Berlin-Tegel – Köln. Auf der Strecke Köln – Berlin sind somit im Schnitt mehr als fünf Flüge pro Woche annulliert worden.

Ausfälle, Verspätungen, veränderte Abflugzeiten und -tage – Woran liegt das?

Eurowings-Chef macht Gewitter und Streiks verantwortlich

Der Chef von Eurowings, Thorsten Dirks, hat Probleme bei der Lufthansa-Tochter eingeräumt. Die aktuelle Situation mit vielen Verspätungen und Flugausfällen sei nicht befriedigend, sagte er vor rund einer Woche. Doch gehe es allen Airlines so, die Ursachen lägen nicht in ihrer Verantwortung. „Wir haben in Europa im Moment ein Riesenthema mit der Flugsicherung“, sagte Dirks.

Die Fluglotsenstreiks in Frankreich oder Italien sorgten für stundenlange Unterbrechungen. Im Mai und Juni hätten zudem starke Gewitter mit ungewöhnlich vielen Blitzeinschlägen den Flugbetrieb durcheinander gebracht. „Wir haben pro Woche derzeit etwa drei Blitzeinschläge am Boden bei den Flugzeugen“, ergänzte er. Es dauere dann bis zu 16 Stunden, bis die Maschinen wieder einsatzbereit seien.

Reserve-Maschinen seien nur begrenzt vorhanden

Flugzeuge aus der Reserve zu ersetzen, fällt der Airline zunehmend schwer. „Irgendwann sind Reserven einfach aufgebraucht“, sagte Dirks. Eurowings war zuletzt in Folge der Air-Berlin-Pleite stark gewachsen und hat nach eigenen Angaben im Sommerflugplan 185 Maschinen im Einsatz.

Das hätten laut Dirks noch einige mehr sein sollen, aber ein Mietgeschäft über vier Jets samt Besatzungen von der Laudamotion wurde nicht verlängert, nachdem die irische Ryanair bei der österreichischen Airline eingestiegen war.

Weiterhin kritisch sieht Dirks die langen Wartezeiten bei den Passagierkontrollen an hochfrequentierten Flughäfen wie Frankfurt oder Düsseldorf. „Wir haben die Probleme etwas entschärft, aber sind lange noch nicht da, wo wir hinwollen.“ (dpa/rtr/aba/W.B./jkali)