Kommentar

Corona-Helden verdienen mehr Respekt – und unsere Vorsicht

RKI in "großer Sorge" wegen Corona-Lage

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen in Deutschland hat sich das Robert-Koch-Institut (RKI) alarmiert gezeigt. "Die neueste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert-Koch-Institut große Sorgen", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler in Berlin.

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Pflegekräfte, Sanitäter, Kassiererinnen und Erzieher waren die gefeierten Corona-Helden. Eine zweite Welle würde sie besonders treffen.

Berlin. Die Geschichte der Corona-Helden ist schnell erzählt. Sie hat genau zwei Kapitel. Erstes Kapitel: der Applaus. Wochenlang überschütteten die Deutschen die Helden an der vordersten Front mit Dank, Beifall, Hochachtung.

Pflegekräfte und Sanitäter, Kassiererinnen und Erzieher rieben sich die Augen: Sollte das Land doch endlich begriffen haben, wie wichtig diese schlecht bezahlten, aber unverzichtbaren Jobs sind?

Dann kam das zweite Kapitel: der Corona-Bonus. Vollkommen zu Recht beschwerten sich die neuen, alten Helden aus den systemrelevanten Berufen, dass ihnen mit Applaus nicht geholfen sei, die Löhne müssten besser, die Arbeitsbedingungen erträglicher werden. Lesen Sie auch: Corona: Studie belegt Herzschäden bei Großteil von Genesenen

Es folgte: Zustimmung von allen Seiten, Solidaritätsbekundungen bei allen Parteien, guter Wille überall. Am Ende gab es einen 1000-Euro-Bonus für die Pflegekräfte und viele Appelle an die Arbeitgeber, für mehr Anerkennung zu sorgen. Das war’s dann aber auch. Ein Happy End sieht anders aus.

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Was, wenn die Corona-Zahlen wieder steigen?

Die Geschichte der Helden ist damit aber noch nicht zu Ende erzählt. Die Fortsetzung könnte heißen: Zweite Welle. Denn was passiert, wenn die Zahlen wieder steigen, wenn die Infektionsketten unübersichtlich werden? Wenn das Virus mit dem Ende der Feriensaison, mit den kühleren Temperaturen und der nachlassenden Disziplin flächendeckend zurückkommt? Lesen Sie auch:

Die Helden der ersten Welle werden auch die Helden der zweiten Welle sein. Weil ihnen oft gar nichts anderes übrig bleibt, als weiterhin Kranke zu behandeln, alte Menschen zu pflegen, Kinder zu betreuen und im Einzelhandel tagein, tagaus den Laden zu schmeißen. Und nun? Wieder Applaus? Wieder 1000 Euro extra? Nein. Es darf erst gar nicht so weit kommen.

Alle, die im März und April, in den ersten Wochen der Pandemie, den Helden applaudiert haben, alle, die begriffen haben, dass die systemrelevanten Jobs nichts weniger als überlebenswichtig für das Land sind – sie alle haben es jetzt in der Hand: Sie können mehr tun, als nur wieder zu applaudieren. Sie können auch mehr tun, als der Kassiererin im Supermarkt Dankeskarten zu malen. Lesen Sie auch: Steigende Infektionszahlen: Das Virus darf nicht siegen

Sie müssen ihre Masken tragen, ihre Kontakte reduzieren und sich und andere nicht unnötig gefährden. Wer den Corona-Helden (und nicht nur ihnen) etwas Gutes tun will, fängt bei sich selbst an: Jeder muss dazu beitragen, dass es keine zweite Welle gibt. Schon, um den Corona-Helden einen zweiten Fronteinsatz zu ersparen.

Die neuen Möglichkeiten zu nutzen

Dazu gehört auch, die neuen Möglichkeiten zu nutzen, um Infektionen rechtzeitig zu erkennen: Jeder, der aus dem Ausland zurückkommt, darf sich künftig kostenlos auf das Virus testen lassen. 72 Stunden nach der Wiedereinreise ins Land ist der Gratis-Check möglich. Beim Arzt, beim Gesundheitsamt oder direkt bei der Ankunft am Flughafen. Lesen Sie auch: Bundeswehr testet: Hunde sollen das Coronavirus erschnüffeln

Es ist nicht zuviel verlangt: Wer in Corona-Zeiten das Risiko einer Auslandsreise in Kauf nimmt – von dem kann man erwarten, dass er sich die Zeit für den Test nimmt. Im besten Fall ist alles in Ordnung. Sollte der Rückkehrer dagegen das Virus mitschleppen, kann immerhin noch verhindert werden, dass er unwissentlich seine Kollegen, seine Mitschüler oder seine Freunde ansteckt.

Die zweite Welle kann schnell kommen

Man darf nicht vergessen: Ein einziger Test, rechtzeitig gemacht, kann verhindern, dass eine ganze Schulklasse über Wochen in Quarantäne muss.

Noch schwappt die zweite Welle nicht übers Land. Doch eins ist bereits sicher: Sie kann schneller kommen, als viele in ihrer neuen Sorglosigkeit glauben wollen. Wer das verhindern, wer den Corona-Helden Respekt zollen will, der darf dem Virus keine Chance geben.

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