Corona-Pandemie

Corona-Krise lässt Medienkonsum von Kindern explodieren

Kinder in der Coronakrise: "Nichts macht mehr Spaß"

Auch wenn die Einschränkungen in der Corona-Krise langsam fallen: Für Kinder bleibt die Lage angespannt. Bis zu den Sommerferien werden viele Schüler nur stundenweise in die Schule gehen können. Wie es danach weitergeht, ist unklar. Auch dem zehnjährigen Titus aus Berlin hat der zweimonatige Corona-Lockdown schwer zugesetzt.

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Einer neuen Studie zufolge ist der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Krise stark gestiegen. Was die Folgen sind.

Berlin. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung warnt vor einer gefährlichen Zunahme des Medienkonsums bei Kindern und Jugendlichen durch die Corona-Krise: „Kinder und Jugendliche spielen und chatten satte 75 Prozent mehr als vor der Corona-Pandemie – das ist ein heftiger Anstieg, der so nicht weitergehen darf“, sagte Daniela Ludwig (CSU) unserer Redaktion.

Für eine Studie der Krankenkasse DAK zur Mediensucht hatten Forscher des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) rund 1200 Familien mit Kindern im Alter zwischen 10 und 17 Jahren befragen lassen. Verglichen wurden dabei Erhebungsdaten von September 2019 und April 2020, vier Wochen nach Beginn des deutschen Corona-Lockdowns. Auch interessant: Corona-Krise: Kinder haben laut Studie mehr psychische Probleme

Werktags stieg demnach die durchschnittliche Nutzungsdauer von Onlinespielen um 75 Prozent an, die durchschnittliche Verweilzeit in sozialen Netzwerken um rund 66 Prozent. Konkret bedeutet das: Jugendliche, die sonst im Schnitt unter der Woche pro Tag 80 Minuten mit Games verbrachten, spielten jetzt mehr als zwei Stunden lang. Mit sozialen Netzen wie Instagram oder Tiktok verbrachten die Teenager im Lockdown im Schnitt mehr als drei Stunden – vorher waren es weniger als zwei. Lesen Sie auch: Kritiker rufen zum Löschen von Tiktok auf – so gefährlich ist die App

Breitet sich Computerspielsucht durch Corona aus?

„Zum ersten Mal haben wir belastbare Zahlen zum Gamen und zur Nutzung von sozialen Medien während der Corona-Krise, und die haben es wirklich in sich“, so Ludwig. Die Zahlen seien ein Aufruf, hier noch achtsamer zu sein – an Eltern, Lehrer und Politiker. „Was wir brauchen, ist eine bessere Medienkompetenz, gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen überall in Deutschland. Sie müssen wissen, wie viel noch ‚okay‘ ist und ab wann es ‚zu viel‘ wird.“ Auch interessant: Kinder zu Hause wegen Coronavirus: Mit diesen Tipps gelingt der Alltag

Die Forscher fürchten die Folgen der ungehemmten Daddelei: Die Studienergebnisse seien erste Warnsignale, dass sich die Computerspielsucht durch Corona ausweiten könnte. An diesem Mittwoch wollen Ludwig und Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) eine neue Kampagne („Familie, Freunde, Follower“) vorstellen. Sie soll Eltern, Kindern und Lehrern helfen, einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu entwickeln.