Frauengold-Kolumne

Home-Office: Wenn die Mutter mit der Tochter total versumpft

Coronavirus: So kann ich im Homeoffice gut arbeiten

Von zu Hause aus arbeiten: Manche lieben es, andere müssen es. Wir haben fünf Tipps zusammengestellt, wie sie im Homeoffice mindestens genauso produktiv sind wie im Büro.

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Allein mit der Tochter genießt die Autorin den Rückfall ins Studentenleben. Auch wenn im Kühlschrank nur noch Lauchzwiebeln gammeln.

Berlin. Ihr wollt es persönlich, liebe Leserinnen und Leser. Das verraten mir die Analysen eurer Gewohnheiten, also diese Tabellen, die ausspucken, was wie oft und wie lange angeklickt wurde. Frauenquote, Gender-Pay-Gap, Ehegattensplitting – interessiert nur die Expertinnen unter euch. Die meisten wollen offenbar wissen, wie es so bei uns zu Hause läuft.

Also: Zur Zeit ziemlich gut, finden meine Studententochter und ich. Der Rest der Familie, die schon mal in den Urlaub vorgefahren ist, würde sagen: Total chaotisch.

Home-Office ist, wenn Uni und Job am Küchentisch zusammenlaufen

Die Tochter steckt mitten in wichtigen Klausuren. Und die Uni läuft nur online. Auf unserem Küchentisch türmen sich Chemiebücher, ein Tablet, ein Notebook, ganz viele Kabel – und dazu meine Ausrüstung für die täglichen Videokonferenzen. Platz, um am Tisch zu essen, haben wir nicht mehr.

Also essen wir nicht mehr am Tisch. Wir kochen auch nicht mehr. Wir essen draußen auf den Bürgersteigen, an Tischen, die Restaurants zu Zeit vor die parkenden Autos stellen.

Wir wechseln uns ab mit Hipster-Restaurants (Sommerrolle, Pho-Suppe, angegrillter Thunfisch), wo wir uns auf Höckerchen kauern müssen und ich Jahrzehnte über dem Altersdurchschnitt liege, und dem klassischen Italiener („Buona sera, Signora e Signorina“), wo das Studentenkind weit unter dem Altersdurchschnitt liegt. Wir holen uns Thai-Burger und Pizza Marinara auf die Hand.

Home-Office ist Unordnung – wen stört’s?

Zu Hause habe ich aufgeben, dem Studentenchaos etwas entgegenzusetzen. Und, ganz ehrlich, wen stört’s. Mich jedenfalls nicht, und irgendwoher muss das Kind ja seine Unordnung haben.

Das stimmt schon: Wir sind beide versumpft. Den Körben voller Wäsche, die darauf wartet, gebügelt zu werden, drehen wir spätabends auf dem Balkon den Rücken zu und blicken auf die untergehende Sonne im Häusermeer. Ich fahre dabei mental runter.

Wer braucht in diesen Zeiten schon gebügelte Klamotten? Ich werde auch demnächst in der Ferienwohnung nur Schlappen, Shorts und T-Shirts tragen. Es wird weder Städtetrips geben noch Konzertabende. Ich werde mich auch nicht an heißen Sommerabenden durch italienische Gassen schieben.

Home-Office ist, wenn die Mutter in das Chaos alter Zeiten zurückfällt...

Das erinnert mich an meine erste Wohnung, als ich immer nur das Wohnzimmer aufgeräumt habe und alles in die Kammer stopfte, in der mein Bett stand. Tür zu und Schluss. Es hat übrigens nur wenige Stunden gedauert, bis ich, diese wie ein Uhrwerk funktionierende Mutter, in meine Studentinnen-Marotten zurückgefallen bin.

Und jetzt liegt nur noch ein altes Stück Käse und ein Bund verschrumpelter Lauchzwiebeln im Kühlschrank.

Dafür sitzen die Tochter und ich draußen irgendwo herum und reden. Über Männer, Kinder, Kommilitoninnen und Freunde, Corona, Klima, Autos und Rassismus, Zukunftspläne, Reisewünsche, Kollegen und Klamotten.

Home-Office als emanzipatorischer Akt

Am Wochenende war ich Joggen und brauchte ein opulentes Frühstück. Mit Croissants, Rührei, Käseteller, frischem Obst. Ich schickte die Tochter endlich einkaufen und stapelte Laptops, Bücher und Kabel in einen Wäschekorb, den ich in das leere Kinderzimmer der Teenie-Tochter schob.

Ich schnitt Schnittlauch vom Balkon ins Rührei und pflückte die ersten selbstgezüchteten Tomaten. Hortensien für einen Blumenstrauß gab der Balkon auch noch her. Wir machten ein Foto vom herrlichen Frühstückstisch und schickten es per WhatsApp an den Rest der Familie.

Und wer räumt dann die Küche auf? Ist doch Sumpfwoche, sagte die Studententochter und schmiss sich in den Liegestuhl. Ich begriff das mal als emanzipatorischen Akt, schob das Geschirr auf dem Tisch beiseite und schrieb diese Kolumne.

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