Familie

Was tun, wenn das Kind den Partner mit nach Hause bringt?

Roller oder Spülmaschine – das kaufen Eltern vom Kinderbonus

300 Euro zahlt der Staat Familien für jedes kindergeldpflichtige Kind. Doch der Bonus muss versteuert werden. Eltern erzählen, was sie davon halten und wie sie das Geld einsetzen.

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Erste Liebe? Toll! Aber wenn der Sohn sie mit nach Hause bringt? Was Mütter tun sollten, wenn sie sich fremd im eigenen Haus fühlen.

Berlin.  Nettes Mädchen, das der Sohn da mitgebracht hat. Aber warum stapft es direkt mit ihm ins Zimmer? Husch, weg sind sie. Nur nachts, da trifft man sich auf dem Gang zum Klo. Das f remde Mädchen sagt nichts. Die Mutter sagt „Hallo“ und fühlt sich schlecht. War das jetzt richtig? Oder hätte sie auch nichts sagen sollen?

Auf einmal ist man fremd im eigenen Haus. Fühlt sich wie ein Eindringling in den eigenen vier Wänden. Was ist nur passiert? Ganz einfach: Der Sohn, der gefühlt noch eben mit der Carrerabahn gespielt hat, ist auf einmal erwachsen geworden. Und hat seine Freundin mitgebracht. Zum Übernachten. Er ist 18. Ganz einfach?

Kinder werden erwachsen – und Eltern erleben „notwendige Ablösung“

So oder ähnlich erleben Mütter das, was Psychologen als „notwendige Ablösung“ beschreiben. Vor allem Mütter, weil die Bindung zum Kind auch immer bedeutet hat: Kontrolle. Es lebe die Helicopter-Mum, die ihre Sensoren überall hat. Und natürlich im Kinderzimmer.

Da wurden alte Joghurtbecher, stinkende Socken und leere Chipsbeutel weggehamstert. Selbst, als der Junge schon den Rasierapparat benutzen musste – kein Thema: Mütter gehen heimlich rein und retten verbeulte Hemden vor dem Knittertod und lüften erstmal ordentlich durch. Und auf einmal soll diese Zone eine No-Go-Area sein?

Mütter – aber natürlich auch Väter – sind einfallsreich: Sie klopfen brav an, servieren Tee. Klopfen wieder an, servieren Limo – „oder wollt Ihr mal ein Sektchen, ihr Zwei?“. Psychologen kennen das, verdrehen aber innerlich die Augen. Komplett falsch ist das. Eltern müssen lernen, die Privatsphäre zu achten, sagt Joachim Armbrust, Diplom-Sozialpädagoge.

Söhne bleiben länger als Töchter im Hotel Mama

Eltern sollten das also akzeptieren, auch dass sie fremd sind in der eigenen Wohnung, weil jetzt ein anderes Pärchen auf ihren Küchenstühlen sitzt? Komisches Gefühl, wenn Jasmin (18), gerade Abi in der Tasche und krass relaxt, sich auf Mamas Lieblingsstuhl breitmacht und ihr Biobrot wegnascht. Wäre ja okay, wenn sie mal freundlich hochgucken würde. Und mal sagen würde: „Hm, das schmeckt aber gut.“ Doch: Fehlanzeige.

Während sich Mütter fühlen, als hätten Aliens die Herrschaft über ihre Dreieinhalbzimmer-Wohnung übernommen, können Väter lockerer damit umgehen, heißt es. Es sei denn, es ist die Tochter, die ihren Freund zum Übernachten mitbringt. Aber Töchter sind statistisch gesehen schneller weg von Zuhause, während Söhne lange bleiben. Noch mit 25 Jahren ist nahezu die Hälfte der Jungs im Hotel Mama eingecheckt.

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Mütter fühlen sich wie ein nerviges Insekt

Irgendwann – wenn es gut läuft – brechen die Kinder aus, so Psychologe Joachim Braun, der sich in vielen Büchern mit der Seelenlage heranwachsender Jungs beschäftigt hat. Dann ändern sich die Rollen. Und das tut einfach weh, sagt der Jugendtherapeut. Dann ist nämlich die Jugend der Bestimmer. Und die Mutter fühlt sich entthront.

Klingt einleuchtend in der Sprache der Psychologe. Aber so ist es doch gar nicht. Enttrohnt! Man hat nur keine Lust, sich wie ein nerviges Insekt zu fühlen – aber auf der anderen Seite, den Laden am Laufen zu halten. Denn literweise Cola zu trinken, heißt nicht, auch literweise Cola einzukaufen. Pizza backen heißt nicht, den Backofen putzen. Und wenn die junge Dame ihre Hygieneartikel in den Papierkorb wirft? Was soll man da tun? Mütter sind pragmatisch. Sie ziehen sich Gummihandschuhe an und entsorgen sowas.

„Ist man zu nett, ist es falsch. Ist man zu streng, ist man ein Spießer“

Über solche Dinge, schreiben Frauen im Netz und geben sich manchen Ratschlag, wie man mit „der Person“ umgeht. Sagt man „du“, sagt man „Sie“? Soll man das Paar bitten, mal ins Wohnzimmer zu kommen? So nach dem Motto, hey, setzt Euch mal. Wie war Euer Tag? Oder einfach so tun, als sei gar kein knutschendes Paar anwesend? Oder professionelle Höflichkeit zelebrieren, so, als wenn der Schornsteiger klingelt?

Da herrscht schnell allgemeine Verunsicherung: „Ist man zu nett, ist es falsch. Ist man zu kritisch, ist es auch falsch.“ „Ist man locker, ist es sowieso falsch. Ist man streng, ist man ein Spießer.“ Im Internet fragen Frauen, die Sabine heißen, Simone oder Christine, wie es andere gemacht haben? Und ob es bestimmte „Jugendregeln“ gibt? Eine Dolly antwortet: Sie habe es jetzt bei drei Kindern mitgemacht und würde empfehlen: „locker bleiben, natürlich sein und die Freundin nicht mit Fragen löchern, aber wohl Interesse zeigen. Genau das sagt auch Joachim Braun, Psychotherapeut: locker bleiben, Interesse zeigen, aber nicht löchern.

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Sollten Eltern Kondome für die Kinder kaufen?

Interesse zeigen, aber nicht löchern. Das klingt doch nach dem berühmten Pudding, den man an die Wand nageln soll. Warum machen sich Eltern eigentlich so einen Kopf. Eltern sollten es als Vertrauensbeweis betrachten, wenn ihre Kinder das Liebesnest zuhause aufschlagen, sagen die Experten. Das sei früher ganz anders gewesen.

Außerdem könnten sie in der Phase durchaus Wichtiges leisten. Ihren Kindern nämlich nochmals den Rücken stärken. „Angenommen es geht um den Sohn, der seine Freundin mitbringt, und die Mutter sagt dem Sohn, dass er aber eine sehr nette Freundin hat, fühlt sich der Junge bestätigt.“ Also Botschaft an die Mütter: Ihr dürft SIE nett finden. Aber Ihr müsst trotzdem draußen bleiben.

„Doch hat man nicht doch Verantwortung?“, meldet sich die innere Elternstimme. Schließlich lauert die Gefahr hinter der Zimmertür mit dem bösen Titel „Schwangerschaft“. Natürlich empfehlen Psychologen, dass man darüber mit den Kindern reden sollte. Und Eltern wissen, dass Reden nur begrenzt hilft. Das Problem der Theorie – und in der Praxis fehlt genau in dem Moment das Kondom.

Praktische Eltern kalkulieren das ein und kaufen einfach mal ein paar Großpackungen. Kann doch nicht verkehrt sein. Schließlich erinnert man sich doch noch früher. War Freundin Heike nicht nur deshalb schwanger, weil gerade, als die Stimmung überkochte, kein Kondom in Reichweite war?

Psychologe Braun findet das schon etwas ulkig, wenn Eltern Präservative für die Kinder kaufen. „Das könnte schon eine Schamgrenze überschreiten. Die Jugendlichen müssen ihren Weg schon selber finden.“ So eine Antwort halten Mütter nicht aus. Okay, sagt der Therapeut. Dann dezent in die Abstellkammer damit. Nicht abgezählt im Glas oder irgendsowas Jeckes.

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Vorsicht, Mütter – Zurückhaltung ist gefragt

Wenn alles gut läuft, gehört die Freundin bald zur Familie. Wie schön, dann kann man ja endlich mal fragen, was die junge Dame denn so vorhat mit ihrem Leben. Wie? Weiß nicht. Und was ist mal Kindern? Weiß auch nicht?

Mütter holen sich schnell blutige Nasen. Weil die Jugend nämlich gar keine Lust hat, beim getarnten Small Talk mit privaten Plänen rauszurücken. Solches Nachfragen sei „äußerst indiskret“, so Therapeut Braun. Das meinte er also mit „nicht löchern“.

Manchmal aber kommt es anders. Da verstehen sich alle super. Tolle Sache. Ach, wenn es doch so einfach wäre! Denn hinter der scheinbaren Harmonie lauert schon die nächste Gefahr: zu enge Bindung! Was, wenn sich das Pärchen trennt? Soll ja vorkommen, bei der ersten Liebe sowieso. Das reißt dann bei Eltern – und hier wieder meist bei der Mutter – oft eine Lücke.

Mal nen Kaffee mit der Ex vom Sohn? Geht gar nicht, sagt der Experte

„Bei der Beziehung zur Freundin des Sohnes oder zum Freund der Tochter ist Zurückhaltung gefragt“, sagt Psychologe Braun. Aber Leute, wie soll das gehen? Sie ist doch schließlich Teil des Lebens. Gerade deshalb sei immer auch eine gewisse Distanz gefragt. Und auch eine innere Vorbereitung auf die Zeit, wenn die Freundin nicht mehr da ist.

Aber vor allem Mütter könnten oft nicht loslassen. Nicht selten, dass sie versuchen, den Kontakt aufrechtzuerhalten, auch wenn die Beziehung des jungen Paares in die Brüche gegangen ist. Mal auf nen Kaffee in der Stadt? Wär doch nett? „Das geht gar nicht. So etwas ist oft nur ein Zeichen der eigenen Bedürftigkeit“, sagt Braun. Diese Mütter sollten sich „eigene Freundinnen suchen und sich aus dem Privatleben des Sohnes heraushalten“. Basta. Alles nicht ganz einfach, im Hotel Mama.