Frauengold-Kolumne

Männerverkehr: Warum seid ihr uns Frauen bloß immer im Weg?

Immer ausweichen, weil er sich nicht mal umgucken kann: Unsere Kolumnistin ist es leid. (Symbolbild)

Immer ausweichen, weil er sich nicht mal umgucken kann: Unsere Kolumnistin ist es leid. (Symbolbild)

Foto: Florian Gaertner / Photothek via Getty Images

Unsere Kolumnistin klagt: Männer nehmen die Vorfahrt und dann brüsten sie sich auch noch mit den täglichen Vergehen im Straßenverkehr.

Berlin. Ich lebe in der Großstadt, und dann auch noch im Zentrum. Überall um mich herum sind Menschen unterwegs, wir wollen ja alle ständig irgendwo hin. Wir legen dabei ein gewisses Benehmen an den Tag. Kinder rennen zum Beispiel gern voraus, um mit dem Fußgängerinnen- und Fußgängerverkehr zu beginnen. Und ich weiche aus, um ihnen den Raum dafür zu geben.

Mein prominenter Nachbar versperrt mir regelmäßig den Weg, wenn ich das Haus verlasse und er kommt. Gewichtig wie er ist, baut er sich vor mir auf, blickt mich an. „Hallo“, sage ich, schließlich kenne ich sein Gesicht aus dem Fernsehen. Er starrt stumm weiter. Ich weiche aus.

Radler auf der falschen Spur: Ich weiche aus

Meist bin ich mit dem Rad unterwegs. Neuerdings besteht ein großer Teil meines Weges in die Redaktion aus einem so genannten Pop-up-Radweg, der plötzlich, quasi über Nacht, entstand, um U-Bahn-Fahrer zum Radfahren zu animieren. Viele passionierte Radler animiert er allerdings zum Fahren in der falschen Richtung, weil er so schön breit ist. Ich weiche dann aus.

Mein italienischer Kleinstwagen steht derzeit auf dem Bürgersteig vor unserer Wohnung. Die rotschmierigen Kastanien-Blüten vom Mai sind längst auf dem Autodach eingetrocknet. Ich muss eine kleine Auszeit vom Autofahren nehmen, nachdem ich in eine Radarfalle geraten bin. Ja, das ist mir peinlich. Ich habe auch ein schlechtes Gewissen.

Aber, ehrlich, es war keine Absicht. Ein Freund der Familie hatte mal viel länger den Führerschein weg. Er war auch zu schnell – und obendrein betrunken. Davon erzählt er gern bei Sommerpartys, es klingt so wie die Bundeswehrgeschichten der„Boomer“-Männer. Werde ich auf meinen Führerschein angesprochen – weiche ich aus.

Autofahrer übersieht mich beim Rechtsabbiegen: Ich weiche aus

Zurück zum Fahrrad: Ich lande oft beinahe auf der Motorhaube eines Autos, weil Fahrerin oder Fahrer mich beim Rechtsabbiegen übersehen. Ich schimpfe dann, klingel, hau’ aufs Autodach. Sitzen Frauen drin, lässt der Schreck sie viel zu stark auf die Bremse treten, es kommt beinahe zu Auffahr-Unfällen mit dem Wagen hinter ihnen. Männer pressen die Lippen aufeinander, blicken starr geradeaus und treten erst recht aufs Gas, so dass mir nur bleibt, mit dem Schreck in den Gliedern: auszuweichen.

Und dann muss ich noch die Geschichte von diesem mir gut bekannten Pärchen erzählen: Er ist krank, das Herz, die Lunge, und auch betagt. Sie sagt, er dürfe nun nicht mehr Auto fahren. Er macht es manchmal trotzdem, heimlich. Dann fährt er mit dem Mittelklasse-Wagen um den Block. Er merkt, dass er sich nicht mehr nach links drehen kann. Dass er aus der Puste kommt von der Anstrengung. Er muss sich eingestehen, dass sie recht hat.

Himmel, aber wie sie fährt. Er findet, sie ordnet sich falsch ein im Stadtverkehr. „Die andere Spur ist doch frei“, sagt er. „Fahr rüber“. Sie schweigt – und weicht einem Radfahrer aus. „Du hattest doch Vorfahrt“, schimpft er dann. Nach jeder Tour sind beide erschöpft.

Die Raser auf dem Ku’damm: Wer nicht lebensmüde ist, weicht aus

Der Verkehr lässt uns auch jetzt, zur Mittsommer-Zeit, auf der kleinen Dachterrasse nicht los. Großstadtgeräusche dringen spät abends nach oben, Kneipenheimkehrer, das Rauschen der Autobahn. Und die heulenden Motoren der Raser, die sich auf der nächtlichen Flaniermeile ihre Rennen liefern, während alle anderen Verkehrsteilnehmer ausweichen, um ihr Leben zu retten.

Als die Motoren besonders laut aufheulen, ruft unser Teenager-Kind: „Alter“. Der Vater lächelt und sagt „Wahnsinn“. Schwingt da etwa Anerkennung mit? Meine Güte, ihr Männer im Straßenverkehr, was stimmt bloß nicht mit euch?

Weitere Frauengold-Kolumnen: