Interview

Max Giesinger fühlte sich vor der Musik-Karriere als „Loser“

Als Kind sei er schüchtern gewesen, sagt Max Giesinger über sich, erst die Musik habe ihn selbstbewusster gemacht.

Als Kind sei er schüchtern gewesen, sagt Max Giesinger über sich, erst die Musik habe ihn selbstbewusster gemacht.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Sänger Max Giesinger hatte es als Kind schwer. Ein Gespräch über seinen steinigen Weg zum Berufsmusiker und die Kraft der Melancholie.

Essen. Mit Hits wie „80 Millionen“ oder „Legenden“ eroberte er ein großes Publikum, aber auch im Fernsehen ist Max Giesinger (31) häufig zu Gast – zuletzt in der Musikshow „Sing meinen Song“. Im Interview mit dieser Redaktion spricht er über sein Album „Die Reise“, über das Leben als Musiker und auch über seine Kindheit.

In vielen Ihrer Songs schwingt eine sanfte Melancholie mit. Sind Sie für diese Gefühlslage generell empfänglich?

Max Giesinger: Im Songwriting kommt viel der Inspiration vom eigenen Unterbewusstsein und der inneren Grundeinstellung zum Leben. Und es ist definitiv so, dass ich eine gute Portion Melancholie in mir trage. Das finde ich aber auch ganz schön. Ich genieße es total, hin und wieder melancholisch zu sein. Wenn ich denn mal Zeit habe, dann lasse ich gerne meine Gedanken schweifen. Ich kann mich auch von den kleinen Dingen, die so mancher vielleicht gar nicht registriert, verzaubern und berühren lassen.

Welche Dinge sind das zum Beispiel?

Giesinger: Während des Corona-Lockdowns war ich für längere Zeit in meiner alten Heimat bei Karlsruhe. Dort wohne ich fast ländlich in der Nähe eines großen Feldes und habe bei meiner täglichen Joggingrunde eine Bank entdeckt, mich dort hingesetzt, um einfach mal die Natur auf mich wirken zu lassen: den ganz besonders schönen alten Baum mit seinen frischen Blättern, die milde Frühlingsbrise, Geräusche wie Vogelgezwitscher oder das Summen von Bienen. So simpel, so alltäglich – und doch so wunderschön. Der Zauber des Moments, die Schönheit der Natur und des Lebens hat mich dann einmal so berührt, dass ich Tränen in den Augen hatte.

In welchen Momenten weinen Sie noch?

Giesinger: Vor allem dann, wenn mich Musik oder ein bestimmter Song packt und berührt. Aber auch bei besonders traurigen und emotionalen Filmen ist es bei mir ganz schnell vorbei. Ich erinnere mich noch genau daran, dass ich als Kind bei „Titanic“ so stark geweint habe, dass mich meine Mutter in den Arm nehmen und trösten musste. Ich weine heute aber eher meist still und verschämt vor mich hin, denn ein bisschen unangenehm ist es mir ja irgendwie schon, obwohl das natürlich totaler Quatsch ist.

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Waren Sie bereits als Teenager nachdenklicher als andere Jungs Ihres Alters?

Giesinger: Auf jeden Fall! Ich war schüchtern und still; manchmal sogar ein regelrecht verschlossener bis eigenbrötlerischer Junge. Anfangs habe ich mich selbst als Loser wahrgenommen und diesen Stempel verpassten mir dann natürlich auch die anderen Kids. Damals wäre es mir im Traum nicht eingefallen, dass ich es später richtig geil finden würde, auf der Bühne zu stehen und die Rampensau zu geben. Erst durch die Musik und das Entdecken meines Talents im Alter von 13 Jahren bin ich langsam selbstbewusster geworden. Ich konnte endlich meine eigene Stärke und Identität entwickeln.

Hatten Sie jemals einen beruflichen Plan B?

Giesinger: Die Option, etwas ganz Klassisches zu lernen, gab es für mich zweimal: Einmal direkt nach dem Abi, als ich eine Ausbildung zum Bankkaufmann hätte antreten können – und dann 2011, als ich die Banklehre tatsächlich begann. Aber was soll ich sagen: Es war eine Totalpleite! Nach zur zwei Wochen habe ich alles hingeschmissen, so furchtbar öde war das alles. Damals wurde mir endgültig klar: Ich muss Musik machen und nichts anderes!

Nun ist ein Durchbruch als Musikstar ja alles andere als garantiert – und von irgendwas muss man leben.

Giesinger: Wenn trotz meiner Anstrengungen und meines Durchhaltevermögens – mein erstes Album konnte ich ja nur durch Crowdfunding produzieren und dann war es noch nicht mal erfolgreich – am Ende alles nicht geklappt hätte, dann wäre ich zurück nach Karlsruhe gegangen, hätte wie schon kurz nach dem Abi Covermusik auf Partys gespielt und dazu noch Gitarrenunterricht gegeben. Für mich stand aber irgendwann fest, dass ich auf jeden Fall von der Musik leben kann. Auch wenn man nur gerade so über die Runden kommt.