Interview

Comedian Bastian Pastewka: „Ich war nicht der Klassenclown“

Legt erst mal ein Sabbatical ein – vor dem Fernseher: Komiker Bastian Pastewka.

Legt erst mal ein Sabbatical ein – vor dem Fernseher: Komiker Bastian Pastewka.

Foto: Box_YAW

Schauspieler und Komiker Bastian Pastewka ist nun in einer Schulkomödie zu sehen. Im Interview blickt er auf seine Schulzeit zurück.

Berlin. Er zählt zu den beliebtesten Komikern Deutschlands, jetzt ist Bastian Pastewka (48) in einer Komödie zu sehen. In „Der Sommer nach dem Abitur“ (25.6., 20.15 Uhr, ZDF) spielt er einen von drei alten Schulfreunden, die 25 Jahre nach dem Abitur zu einem Konzert ihrer damaligen Lieblingsband reisen.

Bastian Pastewka, der in Berlin und Köln lebt, wurde durch „Die Wochenshow“ bekannt. Im Kino war Pastewka unter anderem in der Erfolgskomödie „Der Wixxer“ zu sehen. Ab 2005 war er in der beliebten Sitcom „Pastewka“ jahrelang sein komisches Alter Ego. Doch jetzt macht er erst einmal Pause. Vor wenigen Monaten startete beim Streamingdienst Amazon Prime die finale Staffel.

Herr Pastewka, Sie machen ein Sabbatical?

Bastian Pastewka: Vor dem Fernseher. Ich komme klar, aber es ist derzeit nicht abzusehen, in welche Zukunft mein Berufsstand blicken kann. Wir wissen noch nicht, welche Veränderungen Corona auf den Kulturbetrieb haben wird. Ich denke an Schauspieler, Komiker, Kabarettisten, die nicht auftreten können und an die Theaterhäuser, auf die sich der Shutdown besonders gnadenlos auswirken wird.

Ihr neuer Film heißt „Der Sommer nach dem Abitur“. Wie war das damals bei Ihnen, als Sie Anfang der 1990er-Jahre Ihr Abitur gemacht haben?

Als ich 1989 in die Oberstufe kam, endete die deutsche Teilung. Es hat mich geärgert, dass ich in dieser spannenden Wendezeit in Bonn, im tiefen Westen, mein Abitur machen musste. Statt nach Berlin zu fahren und dort die Veränderungen zu sehen, mussten wir das Thema in der Schule durchkauen.

Der Film dreht sich um verpasste Träume. Haben sich Ihre Träume, die Sie als junger Mensch hatten, alle erfüllt?

Ich weiß nicht, ob es im Leben richtig ist, sich Ziele zu setzen und Träume zu haben, denn alles ändert sich so schnell. Ich bin wie gesagt in Bonn groß geworden, das damals noch Bundeshauptstadt und sehr konservativ war, wir haben noch das Wirtschaftswundermotto „Haste was, biste was“ eingeimpft bekommen. Aber ausgerechnet am Tag meines Abiturballs ging der Hauptstadtbeschluss zugunsten Berlins aus. Mir war schlagartig klar, dass nichts sicher ist und ich nach dem Abitur gucken musste, ob ich nicht mal was wage, was nicht in den Lehrbüchern steht.

Welche Fächer hatten Sie in der Abiprüfung?

Englisch, Geschichte, Deutsch und Mathematik. Danach bin ich sofort in den Zivildienst eingestiegen, der zu dieser Zeit noch 15 Monate betrug. Ich wollte das schnell hinter mich bringen. Ich habe in der Uni-Klinik Bonn auf einem Fahrrad Blutkonserven zum Einsatz gefahren. Ein verantwortungsvoller Job, aber die Klinik hat uns nicht genug Ausrüstung zur Verfügung gestellt, wir mussten improvisieren. Ich erinnere mich, dass auf meiner Kühltasche für das Blut „Pumuckl“ stand. Also war ich die Pfeife vom Revier, und so sollte es ja auch weitergehen.

Der Film handelt von drei Freunden, die sich 25 Jahre nach dem Abitur wiedertreffen. Sie wollen ein Konzert ihrer damaligen Lieblingsband Madness besuchen. Für welche Band würden Sie das tun?

„Our House“ von Madness gehört neben „Sweet Dreams“ von den Eurythmics zu den ersten Popsongs, an die ich mich überhaupt erinnern kann. Es gibt aber ehrlich gesagt keine Band, für die ich meilenweit reisen würde.

Haben Sie noch Kontakt zu alten Schulfreunden?

Wir waren damals mit über 100 Personen ein sehr unübersichtlicher Jahrgang, aber mit rund 15 von ihnen habe ich noch intensiven Kontakt. Und selbst wenn ich jemanden jahrelang aus den Augen verloren habe: Kaum sieht man sich wieder, verständigt man sich sofort auf das Vokabular des 18-Jährigen, der man mal war, und auf die Späße aus der Abizeit. Meist brüllen wir uns Scherze aus „Die Ritter der Kokosnuss“ und Ähnliches zu.

Der Comedian Bernhard Hoëcker besuchte so wie Sie das Clara-Schumann-Gymnasium in Bonn. War er bei Ihnen in der Klasse?

Nein, Bernhard ist zwei Jahre älter als ich und war zwei Klassen über mir. Wir begegneten uns aber zwangsläufig, weil wir in unseren jeweiligen Klassen Randfiguren waren.

Wie das? Standen Sie mit Ihrem komischen Talent nicht schon als Schüler im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit?

Ich werde oft gefragt, ob ich damals der Klassenclown war, aber so war es nicht. Ich habe 1991 ein sehr durchschnittliches Abi gemacht, das hat mich auch arg verstimmt, denn ich war eingangs ein recht guter Schüler. Ich habe mich dann aber auf meinen Lorbeeren ausgeruht und nicht erkannt, dass es nicht reicht, im Unterricht vielleicht die originellste, aber nur selten die richtige Antwort parat zu haben.

Wie ging es dann mit Ihrer Karriere los?

Bernhard und ich waren in den frühen 90ern Teil eines Comedyquartetts. Wir waren nicht so richtig toll, muss man sagen. Der zentrale Unterschied zwischen Hoëcker und mir war: Bernhard ging nach einem schwachen Auftritt von der Bühne runter und sagte: Ja, ist nicht so toll gelaufen, aber egal, wir trinken einen. Ich dagegen bin nach Hause gefahren und habe eine Woche mit niemandem gesprochen.

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Aber inzwischen sind Sie einer der beliebtesten Entertainer Deutschlands. Ihre Träume haben sich ja also letztlich erfüllt.

Herzlichen Dank für das Lob, aber ich bleibe skeptisch. Auch der Beruf des Entertainers ist ein sehr wechselhafter. Man weiß nicht immer, was als Nächstes kommt und was richtig ist, und es sagt dir auch keiner.