Beziehung

Wie eine Affäre eine Chance für die Beziehung sein kann

Kann eine Affäre eine Beziehung neu beleben?

Kann eine Affäre eine Beziehung neu beleben?

Foto: istocK

Eine Affäre sorgt für Misstrauen. Aber Untreue muss nicht das Ende einer Liebe bedeuten. Eine Affäre kann die Beziehung auch beleben.

Berlin. Die Corona-Krise bedeutete für Logopädin Clara M. (40) qualvolle Wochen. Sicher, das Homeoffice mit Ehemann und drei kleinen Söhnen war herausfordernd. Aber was sehr viel schlimmer an ihr zehrte: Sie konnte Peter nicht sehen. Vor Monaten hatte sie den geschiedenen Vater einer Tochter ausgerechnet bei einem verhassten Elternsprechtag kennengelernt und eine „völlig verantwortungslose Affäre“ mit ihm begonnen.

Für sie ist klar: Niemals würde sie ihren Mann für ihn verlassen, zumal Peter auch gar keine feste Beziehung anstrebt. Für sie steht aber auch fest: Sie wird die Affäre weiterführen – vorerst, trotz Schuldgefühlen und innerer Zerrissenheit. „In der Ehe sind wir ein gut abgestimmtes Team. Mit Peter aber erlebe ich Verrücktheiten. Zu Beginn der Affäre habe ich unbewusst meinem Mann dafür die Schuld gegeben. Doch wie soll er all diese verschiedenen Rollen erfüllen – Familienvater, Freund, Liebhaber? Unmöglich.“

Fremdgehen: Frauen sind häufiger untreu

Fast allen Deutschen ist Treue in der Beziehung sehr wichtig. In einer repräsentativen Umfrage von Elitepartner gaben jedoch 31 Prozent der Frauen an, schon einmal ihren Partner betrogen zu haben, bei Frauen in den 30ern waren es sogar 39 Prozent.

Erstaunlich: Männer liegen mit 27 Prozent dahinter zurück. Beim Thema Monogamie klaffen also das romantische Ausschließlichkeitsideal und die Wirklichkeit auseinander.

Affäre: Klischees über Motive stimmen nicht

Frauen gehen fremd, weil sie sich vernachlässigt fühlen, Männer folgen ihrem Trieb – so das Klischee. Doch auch Frauen sind geleitet durch Lust und Leichtsinn, auch Männer suchen Extra-Zuwendung. „Bei manchen Frauen ist es ein Unfall, bei anderen ein Konzept,“ sagt Michèle Binswanger, Bloggerin und Bestsellerautorin („Fremdgehen – ein Handbuch für Frauen“).

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„Manchmal wollen sie bloß Sex, aber oft geht es um Gefühle, Gefallsucht, Narzissmus oder das Bedürfnis, sich selber zu spüren. Manchmal wollen sie dem Partner durch das Fremdgehen etwas mitteilen, weil sie den Mut zu einem offenen Gespräch nicht aufbringen.“

Die Krise kann Dinge in Bewegung bringen

Soll man nun den Seitensprung beichten? „Nicht, wenn das Geständnis nur dazu dient, sein Gewissen zu erleichtern“, warnt der Paartherapeut Wieland Stolzenburg. Autorin Binswanger sagt dazu: „Fragt einer der Partner direkt, ist es besser, bei der Wahrheit zu bleiben. Weil die Lüge viel mehr kaputt macht als der eigentliche Seitensprung.“

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Eine Affäre fordert jedenfalls, wenn sie auffliegt, einen hohen Preis. „Es gibt fast keinen größeren Vertrauensverlust als Untreue“, sagt Therapeut Stolzenburg. Dennoch: Bis dass der Seitensprung uns scheidet – das gelte nicht mehr. Manch ein Paar gehe sogar gestärkt aus der Krise hervor.

Seitensprung: Volle Verantwortung übernehmen

„Eine Affäre kann verkrustete Beziehungsprobleme aufbrechen, Dinge in Bewegung bringen, die vorher unverrückbar schienen, und neue Perspektiven auf sich selbst, das Leben und die Liebe eröffnen“, sagt auch Binswanger. „Paradoxerweise haben viele Fremdgeherinnen auch wieder vermehrt Lust auf ihren Partner, weil sie sich wieder begehrenswert fühlen. Oder weil der Partner, aufgeschreckt von Verlustängsten, endlich auf ihre Bedürfnisse eingeht.“

Die Grundlage für ein Zusammenraufen sei immer, dass der Fremdgänger die volle Verantwortung für die Affäre übernimmt, erklärt Stolzenburg. Begründungen wie „Du hast mir ja nie zugehört“ seien fehl am Platz: „Nicht der Partner hat einen schließlich ins fremde Bett gelegt.“ Dann erst ließen sich die Ursachen für die Affäre beleuchten und Herausforderungen gemeinsam angehen.