Retro-Trend

Paris Hilton und Co.: Warum die Nullerjahre zurückkommen

It-Girl und Pop-Prinzessin: Paris Hilton (l.) und Britney Spears bei den MTV Awards 2008 in Las Vegas.

It-Girl und Pop-Prinzessin: Paris Hilton (l.) und Britney Spears bei den MTV Awards 2008 in Las Vegas.

Foto: Christopher Polk / FilmMagic

Die Zeit zwischen 2000 und 2009 wird in Mode und Pop nostalgisch verklärt. Was reizt an der Ära von Klingeltönen und Britney Spears?

Berlin. Aber das war doch alles gerade erst! Ältere sind überrascht, dass Pop und Mode sich derzeit bei den Nullerjahren bedienen. Für die heute 20- bis 35-Jährigen jedoch bedeutet die Ära von Klapphandys, Hüftjeans, It-Girls wie Paris Hilton (39) und selbst gebrannten Mix-CDs die Zeit von Kindheit und Teenagerjahren – und die wird gerade wild zitiert und nostalgisch verklärt.

Jennifer Lopez in Versace-Kleid von 2000 auf dem Laufsteg

Donatella Versace hatte vergangenes Jahr im September die ausschlaggebende Idee und schickte Jennifer Lopez in exakt dem Dschungelkleid über den Laufsteg, mit dem sie im Jahr 2000 bei der Grammy-Verleihung für Furore gesorgt hat“, erklärt Expertin Annette Weber, die damals das Modemagazin „InStyle“ leitete. „Jetzt sind die Nullerjahre wieder da. Britney-Spears-Gedächtnislooks haben Konjunktur. Kurze Tops, unbedingt bauchfrei, mit viel Glitzer. Schwarze Lackhosen, Jeansstoff, Cowboystiefel, sogar pinkfarbene Jogginganzüge.“

Kendall Jenner mit Von-Dutch-Basecap und Kim Kardashian mit Schlaghose

Instagram-Stars wie Kendall Jenner (24) zeigen sich mit zu der Zeit unvermeidlichen Basecap von Von Dutch, Kim Kardashian (39) trägt Schnürhosen mit Schlag.

Pop-Star Dua Lipa (24) tanzt in ihren Videos durch Cyberräume, wie sie in den Clips um 2000 Pflicht waren, und die alten Songs der Pop-Ikone des Jahrzehnts, Britney Spears (38), erobern wieder die iTunes-Charts. Genau 20 Jahre ist es her, dass ihr legendäres Album „Oops! … I Did It Again“ erschien, der Soundtrack zu den damals allgegenwärtigen Klingeltönen.

Debütsingle von Britney Spears „ein Pop-Manifest“

Jetzt adelte das Musikmagazin „Rolling Stone“ ihre erste Single „… Baby One More Time“ zur besten Debütsingle der Pop-Geschichte: „Eines jener Pop-Manifeste, die einen neuen Klang, eine neue Ära, ein neues Jahrhundert ankündigen. Aber vor allem einen neuen Star“, heißt es.

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Fantasywelten à la „Harry Potter“

Das Dschungelkleid von Jennifer Lopez (50) markierte eine Revolution im Internet: Der Konzern Google wurde sich anhand der Suchanfragen über die Wucht der Bilder bewusst und erfand die Google-Bildersuche. Überhaupt das Internet: Facebook löste MySpace ab, Youtube wurde zum Giganten, das Vertrauen in die Segen des World Wide Web war noch grenzenlos.

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Virtuelle Ersatzwelten

„Die Menschen schufen sich ihre virtuelle Ersatzwelt“, erklärt der Trendforscher Peter Wippermann. „Denn die westlichen Gesellschaften waren erschüttert von zwei Traumata: dem 11. September 2001 und der Bankenkrise 2007.“ So habe statt Rebellion wie etwa in den 70er-Jahren Eskapismus vorgeherrscht: „Das zeigt auch der Boom an Fantasywelten wie bei ‚Harry Potter‘ und ‚Herr der Ringe‘ und in den übersteigerten Outfits von Tokio Hotel oder Lady Gaga. Reality- und Castingshows lockten mit der Verheißung, jeder könne ein Star werden.“

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Party, Mode und Konsum bei „Sex and the City“

Ein Zeichen der Verdrängung: Die Serie „Sex and the City“ spielt in New York, doch der 11. September kommt nicht vor. Stattdessen: Party, Mode, Konsum. Und Frauen, die offen über Sex redeten.

Es ist wohl dieser funkelnde Eskapismus der Nullerjahre, der in Corona-Zeiten wieder fasziniert.