Corona-Pandemie

Nach Ende der Reisewarnung – so ist Urlaub wieder möglich

Strände auf Mallorca sind wieder geöffnet

Nach monatelangem Warten sind die Strände auf Mallorca wieder offen. Schrittweise lockert Spanien seine Corona-Maßnahmen - ab Juli sollen auch ausländische Touristen davon profitieren können.

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Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für viele Länder aufgehoben. Wie groß das Risiko noch ist – und wie Urlauber geschützt werden.

Berlin. Den Sommerurlaub am Mittelmeer oder am Atlantik haben viele für dieses Jahr schon abgeschrieben und gedanklich die Koffer für Nord- und Ostsee gepackt. Doch der Erfolg der harten Corona-Maßnahmen in vielen europäischen Ländern sorgt jetzt dafür, dass Auslandsreisen in den Bereich des Möglichen rücken. Wir erklären, wo man bald wieder Urlaub machen kann und zu welchen Bedingungen

Wann wird die weltweite Reisewarnung aufgehoben?

Die weltweite Reisewarnung, die das Außenministerium am 13. März ausgesprochen hat, ist seit dem 15. Juni aufgehoben. Und zwar für folgende Länder:

  • für die 26 Partnerländer Deutschlands in der Europäischen Union
  • Großbritannien
  • Island
  • Schweiz
  • Liechtenstein

In der Tourismusbranche stieß die Ankündigung auf ein hoffnungsvolles Echo. „Dies gibt nicht nur den Unternehmen der Reisewirtschaft eine Perspektive, sondern auch den vielen Deutschen, die sich auf ihren Urlaub zum Beispiel am Mittelmeer freuen“, sagte der Präsident des Reiseverbandes DRV, Norbert Fiebig. Das Sommergeschäft mit Auslandsreisen ist normalerweise die umsatzstärkste Saison.

In diese Länder kann man noch nicht sofort einreisen:

  • Spanien
  • Norwegen
  • Finnland
  • Schweden

Die Länder müssen erst noch ihre Einreisesperre für Ausländer aufheben. In Spanien ist das für den 1. Juli geplant, in Finnland gilt die Einreisesperre bis zum 14. Juli. In Norwegen ist die Einreisesperre unbefristet. In Schweden ist die Zahl der Neuinfektionen noch zu hoch für die Aufhebung der Reisewarnung.

Was ist der Unterschied zwischen Reisewarnung und Reisehinweis?

Die Herabstufung von einer generellen Reisewarnung zu individuellen Reisehinweisen für einzelne Länder signalisiert eine deutliche Entspannung. „Reisewarnungen werden ausgesprochen, wenn davon ausgegangen werden muss, dass jedem Reisenden eine konkrete Gefahr für Leib und Leben droht“, erklärt das Auswärtige Amt. Reisehinweise dienen dagegen vor allem der Information, zum Beispiel über Zölle und Infrastruktur im Land. Lesen Sie auch: Corona: Eng, voll und ungelüftet – Gefahrenorte der Pandemie

Gibt es bei den Reisehinweisen bestimmte Abstufungen?

Es kann sein, dass für einzelne Länder von einer Reise abgeraten wird. Das soll zum Beispiel für Großbritannien der Fall sein, weil dort eine zweiwöchige Quarantäne für Einreisende gilt.

Werden weitere Urlaubsziele folgen?

Die Rückkehr zu Reisen innerhalb der EU sei ein erster Schritt, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Wie es mit Reisen in andere Länder aussieht, werde dann in einem zweiten entschieden. Die Bundesregierung sei in Kontakt zu den Reiseveranstaltern und den Regierungen von Tourismusdestinationen, zum Beispiel der Türkei.

Wann kann ich wieder in die USA reisen?

Der Koordinator der Bundesregierung für die transatlantischen Beziehungen, Peter Beyer, hofft darauf, dass die Entwicklung der Corona-Pandemie in absehbarer Zeit wieder Reiseverkehr zwischen Deutschland und den USA zulässt. „Im Zuge der Lockerungen der Reisewarnungen ist perspektivisch auch ein Abkommen mit den USA wünschenswert“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Der transatlantische Austausch lebt vom persönlichen Miteinander, ganz zu schweigen von den vielen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Kontakten.“

Darf ich wieder in die Türkei reisen?

Die Türkei hat die Einreisebeschränkungen weitgehend aufgehoben und den Flugverkehr – auch nach Deutschland – wieder aufgenommen. Die türkische Regierung sagt, dass an Urlaubsorten am Mittelmeer wie Antalya und Bodrum für alle Corona-Sicherheitsvorkehrungen gesorgt sei und fordert eindringlich die Aufhebung der deutschen Reisewarnung, die bis zum 31. August gilt.

Darf ich wieder nach Ägypten?

Ägypten hat einige seiner Urlaubsorte seit dem 1. Juli für Touristen aus dem Ausland geöffnet.

Hotels sind für einheimische Urlauber bei 50 Prozent Belegung inzwischen offen. Die Betreiber müssen unter anderem Desinfektionsmittel am Eingang bereitstellen und das Gepäck der Gäste bei Ankunft und Abreise desinfizieren.

Gutachter prüfen diese Zustände und stellen ein Zertifikat aus, um das sich bisher rund 170 Hotels bewarben. Am Flughafen in Kairo sollen neue Wärmebildkameras außerdem prüfen, ob Reisende Fieber haben. Für Urlauber aus dem Ausland sind die Grenzen aber nach wie vor dicht.

Werden Urlauber notfalls von der Regierung ausgeflogen?

Als die erste Welle des Virus weltweit rollte, startete die Bundesregierung eine beispiellose Rückholaktion für Deutsche, die im Ausland gestrandet waren. Wer im Sommer ins Ausland reist, sollte sich allerdings nicht auf eine Wiederholung verlassen – das hat Außenminister Heiko Maas (SPD) im Interview mit unserer Redaktion klargemacht.

Unabhängig vom Bestehen einer Reisewarnung stehe aber ein weltweites Netz von Auslandsvertretungen bereit, um Deutsche in Notlagen konsularisch zu unterstützen und im Einzelfall Lösungen für eine Rückkehr nach Deutschland zu finden, heißt es aus dem Auswärtigen Amt.

Wie muss man sich am Flughafen verhalten?

Passagiere müssen vor dem Boarding bestätigen, dass sie keine gesundheitlichen Einschränkungen haben. An Flughäfen besteht Mund-Nasen-Masken- sowie Abstandspflicht. Es gibt Bodenmarkierungen und Floorwalker, die auf die Einhaltung der Abstände hinweisen.

Das Boarding wird künftig vor allem über Fluggastbrücken erfolgen. Nur in Ausnahmen erfolgt die Beförderung zum Flugzeug per Bus. Und wenn, werden mehr Busse eingesetzt, um Gedränge zu vermeiden. Es wird empfohlen, das Gepäck einzuchecken und maximal ein Handgepäck mit an Bord zu nehmen.

Wie funktioniert der Schutz an Bord der Flugzeuge?

Beim Fliegen ändert sich nur wenig. Das Wesentliche: Alle Passagiere müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und den reservierten Sitzplatz einnehmen. Darauf haben sich die Luftfahrtunternehmen und Reiseverbände mit dem Bundesverkehrsministerium verständigt. Je nach Auslastung der Flieger können zwischen den Passagieren Plätze frei bleiben. Es können aber auch alle Sitzplätze belegt werden.

Als größter Infektionsschutz dient in Flugzeugen die Klimaanlage mit Hepa-Filtern, erläutert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), Matthias von Randow. Die Luft wird durch Hochleistungsfilter gereinigt, die Viren, Bakterien, Pilze und Staub entfernen.

Zudem wird die Luft dadurch vertikal – von oben nach unten – alle drei Minuten in der Kabine komplett ausgetauscht – derzeit auch in der Parkposition. Damit sitzen die Passagiere in einer komplett gereinigten Luft, so der BDL-Chef.

Allerdings werden keine offenen Getränke und Speisen während des Flugs serviert. Bislang ist dem BDL kein Fall bekannt, bei dem sich jemand im Flugzeug angesteckt habe. Im Notfall könnten Infektionsketten durch die Passagierlisten nachvollzogen werden.

In welchen Ländern muss man gleich nach Ankunft in Quarantäne?

Welche Bestimmungen im Sommer wo gelten, lässt sich jetzt noch nicht mit Sicherheit sagen – auch, weil vieles davon abhängt, wie sich die Infektionszahlen in den einzelnen Ländern entwickeln. Lesen Sie dazu: Wegen Corona: Grenzen von Polen wieder geöffnet

Verbraucherschützer beklagen, dass eine Aufhebung der Reisewarnung keine Sicherheit und Klarheit für Urlauber biete. „Hygieneregeln sollten möglichst europäisch einheitlich sein“, forderte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzen­trale Bundesverbands (vzbv).

In welchen Fällen müssen Reisende nach der Rückkehr in Quarantäne?

Grundsätzlich gilt: Wer aus einem der 31 Staaten einreist, für die die Reisewarnung gefallen sind, der muss nicht in Quarantäne. Das erklärte das Innenministerium auf Anfrage. Wer dagegen aus einem Drittstaat kommt, für den bestehe nach einem Beschluss von Bund und Ländern Quarantänepflicht.

Allerdings können Ausnahmen gemacht werden, wenn das Infektionsgeschehen in dem Land, aus dem die Person einreist, „auf niedrigem Niveau ist“. Für welche Staaten das gilt, erklärt das Robert Koch-Institut auf seiner Webseite.

Auch für EU- und Schengenstaaten kann Qua­rantäne angeordnet werden, wenn in dem betreffenden Staat in den letzten sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner registriert wurden.

Kann ich meinen Urlaub für Juli oder August noch kostenfrei stornieren?

Rechtlich sieht es so aus: Kostenfrei kann eine Pauschalreise nur abgesagt werden, wenn zur Urlaubszeit etwa im Juli und August am Urlaubsort außergewöhnliche Umstände herrschen oder die Reise erheblich erschwert ist. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn Urlauber sich nach ihrer Ankunft in Quarantäne begeben müssten.

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