Frauengold-Kolumne

Hilfe, ich brauch’ nichts: Corona tötet meine Einkaufslust

Ratgeber: So klappt's mit dem Home Office in Corona-Zeiten

Wegen der Cornavirus-Pandemie lassen immer mehr Betriebe ihre Mitarbeiter die Arbeit zu Hause erledigen. Wer ein paar Tipps beherzigt, dem wird die Umstellung nicht schwer fallen.

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Die Pandemie verändert uns. Aus: „Hilfe, ich habe nichts zum Anziehen!“ wird: „Shoppen – wozu?“ Dabei kommt jetzt die Corona-Mode.

Berlin. Was ist da eigentlich los? Wochenlang beschränkten sich unsere Shopping-Highlights auf das Waschmittelregal im Drogeriemarkt oder die Gemüseabteilung im Bioladen, da sollten wir doch eigentlich mit dem Startschuss Ladenöffnung sofort losgelaufen sein um Sommerkleider zu kaufen, Bikinis, Sandalen und so etwas.

Und was ist? Eine große Unlust macht sich breit, zumindest bei mir, und wenn ich dem Jammern der Einzelhändler glauben schenken darf, steh’ ich mit meinen Gefühlen nicht allein da. Dabei war es in den vergangenen Tagen fast die einzige Möglichkeit, in der Freizeit etwas zu unternehmen – schließlich regnete es viel, Kinos, und Theater sind noch zu, Restaurants erst seit Freitag zögerlich geöffnet.

Corona-Krise – nun sind wir so bescheiden

Die Wahrheit ist: Ich brauche nichts – das schreit mir mein Kleiderschrank förmlich entgegen. Schließlich habe ich ihn in der Krise nach Dringlichkeit durchorganisiert:

  • Stufe eins: Redaktion Derzeit sind mit mir nur ein paar unermüdliche Kollegen an Bord, um die Produktion der Zeitungsinhalte zu steuern. Wir haben einen unausgesprochenen Corona-Dresscode: Jeans, Turnschuhe, Bluse und Hemd. Schließlich meiden wir Bus und S-Bahn, wir sind Fußgänger und Radfahrer.
  • Stufe zwei: Homeoffice Damit wir nicht zu viele in der Redaktion sind, arbeite ich auch zu Hause – mit vielen Video-Konferenzen. Die Chefs präsentieren sich leger im Hoodie und so, ich habe zwei dünne Pullis, die ich abwechselnd trage, dazu die alte Jeans, die am Fußende ausfranst und Beulen an den Knien wirft, was sie herrlich bequem macht. Schuhe – na ja, was man so zu Hause trägt. Bei mir sind es Socken.
  • Stufe drei: Outdoor und Sport Jetzt, da es wärmer wird, brauche ich nur zwei kurze Laufhosen und zwei Shirts. Zum Spaziergang tut es: die Jeans aus dem Homeoffice. Die Laufschuhe sind in Dauerbenutzung.
  • Stufe vier: Lounge zu Hause Also Hoodie, T-Shirt, alte Jeans (ausgefranst, ausgebeult), Socken.

Ich kann das Ganze auch gekürzt aufschreiben, Dringlichkeit hin oder her. Ich brauche meine Jeans, meine Laufschuhe, T-Shirts und ein paar Blusen. Der ganze andere Plunder – Frühlings- und Sommerkleider, Sandaletten und so, bleibt im Schrank. Wozu soll ich dann shoppen?

Corona-Mode: Wenn Outdoor mit dem Büro verschwimmt

Ich bin mir ohnehin sicher, wir werden eine spezielle Art von Corona-Mode bekommen. Shirts, die vor dem Bildschirm im Homeoffice ordentlich aussehen, aber nicht steif sind. Niemand will zu Hause Krawatten anziehen oder Seidenblusen. Wir werden noch öfter Sneaker tragen und Birkenstocks.

Outdoor-, Büro- und Lounge-Kleidung werden verschwimmen. Wir brauchen keine Haute-Couture, weil es die Events dazu auf nicht absehbare Zeit nicht gibt. Und auch keine Dirndl, weil das Oktoberfest ausfällt.

Ich bin wirklich gespannt, was sich die Kreativen einfallen lassen. Ob wir nun ein wenig in den Urlaub fahren oder nicht: Der Spaziergang, das Picknick zu zweit, das Familien-Abendessen auf dem Balkon werden noch eine Weile unsere Highlights bleiben.

Die Pandemie-Hose – eine für jede Gelegenheit

Die Jogginghose für jede Gelegenheit wird bereits bei Facebook beworben. Angeblich sitzt sie wie eine zweite Haut, ist bequem wie Leggings und sieht mit Blazer kombiniert aus wie eine Anzugshose. Ich habe auch schon ein Shirt, das als Bluse durchgeht.

Dieser Trend war schon vor Corona da. CEOs zeigen sich ihrer Belegschaft immer öfter mit offenem Kragen. Geschäftsführer kommen freitags mit Jeans. Weiße Turnschuhe sind das Markenzeichen der Start-up-Gründer.

Wenn wir künftig nur noch ein paar Klamotten brauchen, dann sind auch Ankleidezimmer überflüssig. Schrankwände gefüllt mit Schuhen, Blusen, Kleidern verschwinden genauso wie zuvor Bücherregale, Stereoanlagen, CD-Sammlungen.

Die Corona-Krise verstärkt den Trend zur Reduzierung

Meine Prognose: Corona wird nicht nur die Digitalisierung verstärken, sondern auch den damit verbundenen Trend zur Reduzierung, zur Nachhaltigkeit, zur Distanz. Kleiner wohnen, bewusster reisen. Weniger vollballern. Mehr allein sein.

Schließlich war es es exzessive Leben, das die Pandemie nach Europa geholt hat. Der Ballermann Österreichs, haben wir gelernt, heißt Ischgl. Dazu der Karneval, erst in Venedig, dann in Heinsberg. In Berlin waren es zwei Clubs. Kann sein, dass nun die Pandemie eben dieses Exzessive mitnimmt, wenn wir sie besiegen. Schluss mit Ballermann.

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Wenn wir die Wohnung verlassen, greifen wir so selbstverständlich nach der Maske wie nach dem Schlüsselbund. Keine Ahnung, ob das gut ist für die Gesellschaft. Oder ob wir uns an die Distanz gewöhnen, das Begrüßen mit dem Ellenbogen, die Angst vor Nähe im Supermarkt oder einen Sitznachbarn im ICE.

Die Pandemie ist ein Vierteljahr alt – mir kommt es wie eine Ewigkeit vor

Ich bin wirklich gespannt, wie lange es dauert, bis wir uns wieder mit Küsschen begrüßen, eng in Restaurants beieinander sitzen, hustend den Konzertabend stören und uns im Hochsommer durch die Gassen von Florenz schieben.

Wir haben erst seit drei Monaten Pandemie – schon jetzt kommt es mir vor, als sei es ewig nicht anders gewesen. Gestern war ich zum ersten Mal in einem Restaurant, der Kellner trug Mundschutz und ich Absatz. Es fühlte sich fast ein wenig verboten an.

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