Gedichtband

Kritiker wirft Rammstein-Sänger Vergewaltigungsfantasien vor

Immer wieder Skandale um Rammstein

Wer an Rammstein denkt, der denkt an Provokation, Leder-Outfits und Pyrotechnik. Immer wieder provoziert die Band um Frontmann Till Lindemann mit sexuellen Andeutungen und rechter Ästhetik.

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Ein Gedicht von Rammstein-Sänger Till Lindemann wird scharf kritisiert. Ein Kritiker sieht darin sogar eine „Vergewaltigungsfantasie“.

Berlin. Der Sänger der Rockband Rammstein, Till Lindemann, steht wegen einer Passage seines neuen Gedichtbands „100 Gedichte“ in der Kritik. In den sozialen Medien wird ein Kurzgedicht des Sängers mit dem Titel „Wenn du schläfst“ kontrovers diskutiert – einige Nutzer werfen dem 57-Jährigen die Verbreitung von Vergewaltigungsfantasien vor.

Auch Lindemanns Verlag, das Unternehmen Kiepenheuer & Witsch, steht in der Kritik. Der Konzern hatte Lindemanns Gedichtsammlung als eine Auswahl von „kurzen, pointierten Gedichten“, die den Leser „überraschen und erschüttern”, angekündigt. Das Buch war bereits Anfang März erschienen.

Gedicht von Rammstein-Sänger Lindemann: „Noch Lyrik oder schon strafbar?“

Nachdem am Donnerstag der SWR2-Redakteur Carsten Otte einen Kommentar unter dem Titel „Ist das noch Lyrik oder schon strafbar?“ veröffentlicht hatte, nahm die Debatte rund um Lindemanns Gedichtband an Fahrt auf.

Lindemanns Gedicht „Wenn du schläfst“ lautet wortwörtlich:

“Ich schlafe gerne mit dir, wenn du schläfst. Wenn du dich überhaupt nicht regst. Mund ist offen, Augen zu. Der ganze Körper ist in Ruhe. Kann dich überall anfassen. Schlaf gerne mit dir, wenn du träumst. Und genau so soll das sein (so soll das sein so macht es Spaß). Etwas Rohypnol im Wein (etwas Rohypnol ins Glas). Kannst dich gar nicht mehr bewegen. Und du schläfst, es ist ein Segen.”

In seinem Kommentar erklärte Otte diese Zeilen zu einer „Vergewaltigungsfantasie, wie sie im Buche steht“. In ein ähnliches Horn stießen auch viele Nutzer auf Twitter. „Wie kann ein Verlag sowas bringen?“ oder auch „so widerwärtig“ heißt es in den Kommentaren.

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Streit bei Twitter wegen Gedicht von Rammstein-Sänger Lindemann

Zugleich erhält der Rammstein-Sänger auch prominente literarische Unterstützung: Die Autorin Sibylle Berg, deren Bücher ebenfalls bei Kiepenheuer & Witsch erscheinen, zeigte sich mit Blick auf die Empörung ironisch. Sie schrieb unter anderem: „Ich habe Bücher mit Tonnen Toter – ist das Aufruf zum Mord?“ und „Geht Kritik auch ohne Shitstormklickempörungskanone?“

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch hatte sich auf Anfrage unserer Zeitung am Freitagmittag zu der Kritik geäußert. Helge Malchow, Editor-at-Large des Verlages und Lektor des umstrittenen Gedichtbands, verteidigte die Aufnahme des Gedichts in den Lyrikband: „Die moralische Empörung über den Text dieses Gedichts basiert auf einer Verwechslung des fiktionalen Sprechers, dem sogenannten „lyrischen Ich“ mit dem Autor Till Lindemann.“ Die im Gedicht dargestellte Tat sei, so Malchow, „unter moralischen Gesichtspunkten zutiefst verwerflich“ – entspreche aber eben nicht Lindemanns persönlichen Ansichten.