Coronavirus

Corona-Glossar: Die wichtigsten Begriffe rund um das Virus

Coronavirus-Glossar: Begriffe, die Sie jetzt kennen sollten

Epidemie oder Pandemie? COVID-19 oder SARS-CoV-2? Infektionsketten oder Herdenimmunität? Im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus kommen wir schonmal mit Begriffen durcheinander.

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Sars-CoV-2, Pandemie, Letalität: In unserem Corona-Glossar lesen Sie, was alle wichtigen Begriffe zum Coronavirus bedeuten.

Berlin. Von Sars-CoV-2 bis zur Latenzzeit: Wer die Nachrichten verfolgt, hört rund um das Coronavirus viele verschiedene Fachbegriffe. Aber wie unterscheiden sich Pandemie und Epidemie? Warum heißt das Coronavirus eigentlich Coronavirus? Und was sind Letalität und Mortalität? Damit Sie die Berichterstattung in Zeiten der Pandemie einfach nachvollziehen können, haben wir die wichtigsten Begriffe in unserem Corona- Glossar aufgelistet.

Coronavirus

So wird das Virus in der breiten Öffentlichkeit genannt. Weil Coronaviren kugelförmig sind und ihre Oberflächen kleinen Kronen ähneln, heißt das Virus Corona, was der lateinische Begriff für Krone ist. Weil es verschiedene Coronaviren gibt, wird das, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst, oft auch das „neuartige“ Coronavirus genannt.

Covid-19

So nennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit dem 11. Februar 2020 die Erkrankung, die durch das neuartige Coronavirus verursacht wird. Der Name Covid-19 setzt sich aus „Co“ für Corona, „vi“ für Virus und „d“ für Disease (deutsch: Krankheit) sowie „19“ für das Jahr 2019 (der Entdeckung des Coronavirus) zusammen.

Dunkelziffer

Es infizieren sich deutlich mehr Menschen während einer Epidemie mit einem Erreger, als es bestätigte Infektionsfälle gibt. Die offiziell angegebenen Zahlen spiegeln in der Coronavirus-Pandemie die Realität nicht wider – weil nicht jeder Fall bekannt ist. Daher gibt es die sogenannte Dunkelziffer.

Die Zahl der tatsächlichen Infektionen lässt sich schwer schätzen. Das liegt zum einen daran, dass viele Menschen keine oder nur sehr milde Symptome einer Erkrankung zeigen und zum anderen daran, dass die Testkapazitäten oftmals nicht ausreichen, um alle Verdachtsfälle und Kontaktpersonen zu testen.

Epidemie

Die Bezeichnung Epidemie ist wissenschaftlich gesehen ein Synonym für Ausbruch, wird also für den Ausbruch einer Krankheit benutzt. Da der Begriff aber im allgemeinen Sprachgebrauch mit einer gewissen Dramatik assoziiert wird, verwenden ihn auch viele Wissenschaftler nur für größere Ausbrüche.

Exponenzielles Wachstum

Bei der Zunahme der Infektions-Zahlen sprechen Experten immer wieder von einem exponentiellen Wachstum. Dabei geht es um eine Vermehrung, die sich ständig selbst beschleunigt. Beim exponentiellen Wachstum findet in einem festen Zeitraum jeweils eine Verdopplung der Fallzahl statt. Exponentielles Wachstum ist gefährlich, weil man es am Anfang leicht unterschätzt. Denn zu Beginn läuft die Kurve gemächlich vor sich hin. Dann wird sie immer steiler und schießt bald nahezu senkrecht nach oben.

Wer die Nachrichten zu Corona verfolgt, wird mit vielen Modellrechnungen und Fachbegriffen konfrontiert. Wer die Coronavirus-Zahlen verstehen will, findet hier die Bedeutung der Statistiken.

Herdenimmunität

Immer öfter taucht in der Diskussion zur Corona-Krise in Deutschland die Theorie der Herdenimmunität auf. Sie bezeichnet eine indirekte Form des Schutzes vor einer ansteckenden Krankheit, die auftritt, wenn ein hoher Prozentsatz einer Population immun wurde – sei es durch Infektion oder durch Impfung. Dadurch entsteht ein erhöhter Schutz auch für die nicht-immunen Personen, denn wer immun ist, kann eine Krankheit in der Regel auch nicht übertragen.

Wer eine Infektionskrankheit durchgemacht hat, bildet in der Regel Immunzellen aus, die sich an den Erreger erinnern und ihn bei der nächsten Begegnung effektiv bekämpfen. Nicht für alle viralen oder bakteriellen Infektionen gilt das lebenslang, ein Schutz besteht aber immer für eine ganze Weile.

Immunsystem

Tag und Nacht versuchen Infektions-Erreger, in den menschlichen Körper einzudringen – fast immer vergeblich. Denn oft arbeitet die körpereigene Abwehr des Menschen so effektiv, dass Infektionen unbemerkt vorüberziehen.

Das Immunsystem reagiert auf Eindringlinge meist nach demselben Muster. Infizieren wir uns mit einem Erreger, rücken zunächst Zellen des angeborenen Immunsystems an, um die Angreifer zu zerstören. Zu ihm gehören Makrophagen und andere sogenannte Fresszellen, die Krankheitserreger regelrecht verspeisen. Hinzu kommen natürliche Killerzellen, die befallene Zellen abtöten können, sowie Mastzellen, die entzündungsfördernde Botenstoffe ausschütten.

Reicht das nicht aus, wird die erworbene Immunabwehr aktiviert, dabei handelt es sich um T- und B-Lymphozyten, die Erreger noch ziel­sicherer vernichten. Bis sie richtig aktiv sind, dauert es allerdings einige Tage, je nachdem ob die Keime schon bekannt sind oder nicht. Bei diesem Abwehrkampf werden Stoffe ausgeschüttet, die beispielsweise Schwellungen oder Fieber auslösen.

Infektionsschutzgesetz

Das deutsche Infektionsschutzgesetz (IfSG) regelt seit dem 1. Januar 2001 die gesetzlichen Pflichten zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen. Zweck des Gesetzes ist es, übertragbaren Krankheiten vorzubeugen, Infektionen frühzeitig zu erkennen und ihre Weiterverbreitung zu verhindern.

Das IfSG regelt, welche Krankheiten bei Verdacht, Erkrankung oder Tod und welche labordiagnostischen Nachweise von Erregern meldepflichtig sind. Weiterhin legt das Gesetz fest, welche Angaben von den Meldepflichtigen gemacht werden und welche dieser Angaben vom Gesundheitsamt weiter übermittelt werden.

Inkubationszeit

Der Begriff aus der Infektiologie beschreibt die Zeitspanne zwischen Infizierung und sichtbarem Ausbruch einer Krankheit, also dem Erscheinen von ersten Symptomen. Die Inkubationszeit ist für viele Infektionskrankheiten eine wichtige Größe. Sie kann zwischen einigen Stunden oder einigen Jahren liegen. Bei der Grippe spricht man von ein bis vier Tagen Inkubationszeit, beim Coronavirus von bis zu 14 Tagen, im Mittel aber fünf Tagen.

Kontaktinfektion oder Schmierinfektion

Aber auch eine Kontaktinfektion, die man früher Schmierinfektion nannte, mit dem neuartigen Coronavirus ist denkbar. Dabei gelangen Erreger, die sich auf den Händen befinden, an die Schleimhäute von Nase, Mund oder Augen, wo sie zu einer Infektion führen können. An die Hände könnten die Coronaviren auch über Gegenstände kommen. Denn laut Forschern kann das Coronavirus eine ganze Zeit lang auch auf verschiedenen Oberflächen überleben.

Latenzzeit

Während der Latenzzeit kann ein infizierter Mensch andere noch nicht anstecken. Die Latenzzeit ist aber nicht zwangsläufig identisch mit der Inkubationszeit. Wie lange sie im Falle einer Sars-CoV-2-Infektion dauert, ist noch nicht bekannt.

Letalität

Wie tödlich eine Erkrankung ist, lässt sich mithilfe der Letalitätsrate berechnen. Dabei wird die Anzahl der bereits an einer Krankheit Verstorbenen zur Anzahl neuer Erkrankungen in Relation gesetzt.

Mortalität

Die Mortalitätsrate – auch Sterberate – bezeichnet die Anzahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum bezogen auf 1000 Individuen einer Population. Als Zeitraum wird in der Regel ein Jahr definiert. Die Sterblichkeitsrate bei einer Infektion mit dem Coronavirus liegt laut WHO bei bis zu drei Prozent (Vergleich Grippe < 1 Prozent).

Pandemie

Dehnt sich die Epidemie auf mehrere Kontinente aus, spricht man von einer Pandemie. Allerdings gibt es keine allgemeingültige Definition, wie viele Kontinente wie stark betroffen sein müssen. Früher galt es als starkes Warnsignal, wenn die WHO offiziell die Pandemie ausrief. Mittlerweile hat die WHO eine neue Regelung eingeführt. Sie ruft nun eine „Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite“ aus.

Quarantäne

Eine Quarantäne ist die Absonderung von Personen, die an bestimmten Infektionskrankheiten leiden oder bei denen Infektionsverdacht besteht. Diese Maßnahme soll die Ausbreitung der Krankheit verhindern. Coronavirus-Infizierte und deren Kontaktpersonen müssen sich in häusliche Quarantäne begeben.

Eine Quarantäne wird zurzeit behördlich angeordnet, wenn ein hohes Risiko besteht, dass man sich mit dem Coronavirus angesteckt hat – beispielsweise wenn man innerhalb der vorhergehenden zwei Wochen engen Kontakt zu einem Erkrankten mit einer laborbestätigten Covid-19-Diagnose hatte. Ein enger Kontakt bedeutet entweder, dass man mindestens 15 Minuten mit dem Erkrankten gesprochen oder angehustet oder angeniest worden ist, während dieser ansteckend gewesen ist.

Auch wird allgemein von jedem Bürger eine weitgehende Selbstisolierung in Form des berüchtigten sogenannten Social Distancing verlangt.

Reproduktionszahl (R0)

Die Reproduktionszahl R0 gibt vereinfacht gesagt an, wie viele Menschen eine bereits erkrankte Person im Durchschnitt infiziert. Es wird dabei davon ausgegangen, dass die betroffene Bevölkerung weder geimpft noch anderweitig vor der Übertragung geschützt wird. Bei einer Reproduktionszahl von 2 würde jeder Infizierte zwei weitere Menschen anstecken, die dann ihrerseits jeweils zwei weitere Menschen anstecken.

Um eine Epidemie einzudämmen, muss die Reproduktionszahl auf einen Wert unter 1 gesenkt werden. Je näher der Wert gegen 0 geht, desto erfolgreicher ist die Bekämpfung.

Die Reproduktionszahl (auch R-Wert oder Reproduktionsrate) allein reicht allerdings zur Beurteilung der Dynamik einer Pandemie nicht aus – zumal es sich um einen groben, mit einer gewissen statistischen Unschärfe versehenen Durchschnitt handelt.

Risikogruppe

Meint ältere oder vorerkrankte Menschen, bei denen ein schwerer Infektionsverlauf besonders wahrscheinlich ist. Das Risiko steigt ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren stetig an. Grunderkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden verstärken es ebenfalls.

Mehr dazu hier: Coronavirus-Risikogruppen: Wer besonders gefährdet ist

Sars-CoV-2

„Severe Acute Respiratory Syndrome“-Coronavirus-2, kurz SARS-CoV-2, so heißt das neuartige Virus aus der Familie der Coronaviren in der Wissenschaft offiziell. Zuerst wurde es im Januar 2020 in der chinesischen Stadt Wuhan, Provinz Hubei, identifiziert.

Systemrelevanz

So wird die Priorisierung von Branchen oder Unternehmen hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Aufrechterhaltung von gesellschaftlichen Grundfunktionen in Krisenzeiten genannt. Systemrelevante Betriebe und deren Beschäftigte in den „kritischen Infrastrukturen“ sind von allgemeinen Beschränkungen ausgenommen und sollen weiterarbeiten – die Liste reicht vom Lebensmittelhandel bis hin zur Justiz.

Triage

In einigen Ländern wie zum Beispiel Italien müssen Ärzte sogenannte Triage-Entscheidungen treffen, um Menschenleben zu retten. Der aus dem französischen Sanitätsdienst übernommene Begriff der Triage, was aus dem Französischen übersetzt Auswahl oder Einteilung bedeutet, ist aus der Militärmedizin lange bekannt. Es geht darum, jene Patienten zuerst zu behandeln, bei denen die Erfolgsaussichten am größten sind. Beim Militär bedeutete dies, dass Ärzte zunächst mittelschwere Fälle versorgten.

In Zeiten der Corona-Pandemie wird dieses ansonsten nur in Kriegen oder bei Katastrophen verwendete Konzept nun aktuell. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin hat mit anderen Fachverbänden und Medizinethikern Empfehlungen herausgegeben: „Entscheidungen über die Zuteilung von Ressourcen in der Notfall- und der Intensivmedizin im Kontext der Covid-19-Pandemie“.

Es geht in dem Papier darum, welche Patienten bei schwerem Verlauf auf die Intensivstation können und welche nicht – für den Fall, dass die Kapazität des Gesundheitswesens nicht ausreicht. Demnach soll abgewogen werden, ob es „realistische klinische Erfolgsaussichten einer Intensivtherapie zum aktuellen Zeitpunkt“ gibt.

Tröpfcheninfektion

Der wichtigste Übertragungsweg von Coronaviren ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die sogenannte Tröpfcheninfektion. Die Coronaviren werden hierbei von infizierten Menschen über winzige Tröpfchen, etwa beim Husten, Niesen oder Sprechen, in die Luft abgegeben und anschließend von anderen eingeatmet, oder sie gelangen über die Schleimhäute in Mund und Nase in den Körper.

Vor allem Viren, aber auch manche Bakterien werden durch eine Tröpfcheninfektion übertragen. Sars-CoV-2 vermehrt sich besonders gut im Rachen und gelangt dadurch auch leicht wieder in die Luft. Tröpfchen sinken in der Luft jedoch rasch ab. Abstand halten ist also sinnvoll, um sich nicht anzustecken.

Laut BfR ist es aber auch möglich, dass die Coronaviren als Aerosol, also winzige Partikel, länger in der Luft bleiben. Deshalb stellen sich auch viele Menschen die Frage, ob sie sich beim Joggen mit dem Coronavirus infizieren können.

Übersterblichkeit

Mit Übersterblichkeit bezeichnen Experten die Differenz zwischen der beobachteten Gesamtmortalität während einer bestimmten Zeitspanne – beispielsweise während einer Epidemie, einer Kälte- oder Hitzewelle – und der Mortalität, die in der gleichen Zeitspanne normalerweise zu erwarten gewesen wäre.

Die ermittelte Übersterblichkeit lässt zum Beispiel Rückschlüsse auf die Letalität eines Virus zu, der grassiert – weil auch Todesfälle in die Statistik einfließen, bei denen die Erkrankung gar nicht bekannt war, im Fall von Covid-19 etwa bei Menschen, die in Seniorenheimen sterben. Denn wer das Ausmaß der Pandemie mit der Zahl der bestätigten Infizierten oder der als Covid-19-Tote Klassifizierten ermitteln will, steht stets vor dem Problem, dass eine Dunkelziffer bleibt, die die Hochrechnungen verzerrt.

Übersterblichkeit kann aber auch durch andere Gründe verursacht sein, zum Beispiel weil kranke Menschen aus Furcht vor dem Virus Krankenhausbesuche vermeiden oder aufschieben.

Verdopplungszahl

Ein Fachbegriff aus der Epidemiologie, der aussagt, wie schnell sich die Zahl der Infektionen im Zuge einer Epidemie verdoppelt. Er gilt als zentraler Maßstab bei der Bewertung der Dramatik der Lage in der Pandemie. Mit ihm kamen auch andere Begriffe aus dem wissenschaftlichen-mathematischen Bereich in den Sprachgebrauch – etwa die Basisreproduktionszahl oder das exponenzielle Wachstum.

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(bef/afp)