Flugverkehr

Keine Corona-Kontrollen an Flughäfen? Neue Regeln geplant

Airport in Frankfurt wird zum Flugzeug-Parkplatz

Auf dem Frankfurter Flughafen reiht sich derzeit Flugzeug an Flugzeug. Kein Wunder: Ein Großteil der Flüge wurde wegen der Coronavirus-Pandemie gestrichen.

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Keine Fragen, kein Fiebermessen: Viele Einreisende aus Drittstaaten wurden an Airports durchgewunken. Jetzt sollen neue Regeln her.

Berlin. Wolfgang Büchner war baff erstaunt. Ankunft in Frankfurt mit mit LH403 aus New York. „Keine Fragen, keine Kontrollen, kein Fiebermessen, kein Infoblatt für Hunderte Einreisende, keine Plakate – gar nichts! Was ist hier los?“, twittert der Journalist. Gute Frage. Wir sind ihr nachgegangen. Die Abkürzung zum Rechercheergebnis: Es war keine Panne. Das Problem ist real. Und es hat Methode. Wir haben die Kette der Fahrlässigkeit zurückverfolgt.

Montag: Anruf bei der Bundespolizei. Nicht zuständig. „Problem der zuständigen Gesundheitsämter.“ Die Polizeibeamten am Flughafen überprüfen die Reisepapiere. Wenn den Beamten ein Passagier mit Erkältungssymptomen auffällt, wird das Gesundheitsamt eingeschaltet. Aber nur dann. Es gilt das Gebot des Inaugenscheinnahme.

Nur bei Flügen aus Risikogebieten wie China, Japan, Südkorea, Iran oder Italien müssen die Passagiere „Aussteigerkarten“ ausfüllen, damit die Behörden im Ansteckungsfall Weg, Adresse und Kontakte zurückverfolgen können. New York, inzwischen ein Corona-Hotspot und vom Robert-Koch-Institut als Risikogebiet eingestuft, gehört bisher nicht dazu.

Coronavirus-Kontrollen an Flughäfen? Nicht ohne Meldung des Piloten

Nächste Stelle, Gesundheitsamt Frankfurt, vertraute Antwort: nicht zuständig. Wir klopfen beim hessischen Gesundheitsministerium an, das seinerseits auf eine Anordnung aus Berlin verweist: Piloten müssen vor der Landung dem Tower eine sogenannte Clearmeldung abgeben: Meldet der Pilot einen oder mehrere Erkrankte im Flieger, wird schon bisher das Gesundheitsamt informiert und untersucht die Passagiere. Und meldet der Pilot keine Erkrankten im Flieger? Antwort: „Können die Passagiere normal von Bord gehen.“

Wenn ein Kranker auffällt, ist das Gesundheitsamt Frankfurt zur Stelle. Dann kommt ein Arzt an Bord und untersucht ihn. In Notfällen wird der Passagier umgehend ins Krankenhaus verlegt oder geht noch im Airport in Quarantäne, in Frankfurt in einer alten Turnhalle, wo auch die Rückkehrer aus dem chinesischen Wuhan in Empfang genommen worden waren.

Der Betreiber des Frankfurter Flughafens bittet um Verständnis, „wir können jetzt nicht anfangen, Fieber zu messen.“ Und: „Wir setzen alle Empfehlungen der zuständigen Gesundheitsbehörden um.“

Flughafen Frankfurt reduziert Bus-Transporte

Alle zehn Minuten werde per Terminaldurchsagen auf die Hygiene- und Abstandsregel n hingewiesen. Verhaltenshinweise sind über Poster und digitale Bildschirme in den Terminals sichtbar. Darauf weisen an den Sicherheitskontrollen auch Bodenmarkierungen. „Wir versuchen außerdem, Passagiertransporte in Bussen zu reduzieren.“ Die Busse halten nacheinander an, die Fahrer sind angehalten, Passagiere nur in kleinen Gruppen aussteigen zu lassen. Eine Doppelbelegung an den Gepäckbändern wird vermieden. Nur ein Flug pro Gepäckausgabeband.

Frankfurt ist ein sogenannter IGV-Flughafen, IGV steht für Internationale Gesundheitsvorschriften, das gilt auch für die Airports in München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin. In den Internationalen Gesundheitsvorschriften ist das Verfahren klar und einheitlich für alle IGV-Flughäfen festgelegt und verpflichtet die Piloten, vor der Landung mögliche Erkrankte zu melden. Die Verantwortung bleibt beim Piloten hängen.

Bundesregierung dringt auf schärfere Auflagen für den Luftverkehr

Das Krisenkabinett der Bundesregierung dringt nach Informationen unsrer Redaktion nun auf schärfere Auflagen für den Luftverkehr. Passagiere aus Drittstatten außerhalb der EU, die an den internationalen Flughäfen München, Frankfurt am Main, Düsseldorf, Hamburg und Berlin ankommen, sollen nach den Vorstellungen des Bundes umgehend in eine 14-tägige Quarantäne gehen, um das Corona-Ansteckungsrisiko zu reduzieren. Eine Entscheidung wird für diesen Donnerstag erwartet

Die Verhängung von Quarantäne liegt allein in der Zuständigkeit der Länder, letztlich der Gesundheitsämter vor Ort. Das Bundesgesundheitsministerium soll mit den Ländern über bundesweit einheitliche Quarantäne-Auflagen erzielen. Die Bundespolizei hat dem Vernehmen nach ihre Amtshilfe angeboten.

Falls die Gesundheitsämter für die Reisenden Quarantäne verfügen, würden Beamte der Bundespolizei die „Aussteigerkarten“ einsammeln und die Passagiere darüber informieren, dass sie in die (häusliche) Quarantäne gehen müssen. Unklar ist noch, wie die Bundesregierung mit den Menschen verfahren will, die dem Zug oder dem Schiff einreisen.

Wer sagt es dem Krisenstab in Berlin? Wie viel Zeit muss noch vergehen, bis die Schutzmaßnahmen auf alle Einreisenden ausgedehnt werden?

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