Zehnteiler

Thriller-Serie „Arctic Circle“ – Darum lohnt der Zehnteiler

Nina Kautsalo (Iina Kuustonen) und ihr Kollege Niilo Aikio (Janne Kataja) suchen das Versteck der russischen Schleuser.

Nina Kautsalo (Iina Kuustonen) und ihr Kollege Niilo Aikio (Janne Kataja) suchen das Versteck der russischen Schleuser.

Foto: Foto: Hannele Majaniemi / ZDF

Mit „Arctic Circle“ präsentiert das ZDF eine hochkarätige Serie, die man inzwischen eher bei Netflix oder Amazon Prime vermuten würde.

Essen. Nina Kautsalo (Iina Kuustonen) und ihr Kollege Niilo Aikio (Janne Kataja) von der Polizei in Ivalo durchstreifen mit ihren Snow-Mobilen die verschneite Wald- und Moorlandschaft im finnischen Lappland, als sich die Zentrale meldet. Ein anonymer Anruf hat Schüsse in Grenznähe zu Russland gemeldet.

Auf der Suche nach möglichen Wilderern stoßen die beiden auf ein einsames Gehöft und finden dort eine komatöse junge Russin, die in einem Kellerverlies gefangen gehalten wird. In der gleichen Nacht noch entdecken die Beamten in der Nähe die verscharrten Leichen von zwei russischen Prostituierten.

„Arctic Circle“: Bedrückend aktuell durch Corona

Der Prolog des Zehnteilers „Arctic Circle“ beginnt zwar geheimnisvoll, aber noch ziemlich unspektakulär. Doch bereits der Vorspann deutet die Entwicklung an, und alle der sonntags zuerst ausgestrahlten Folgen sind nicht ohne Grund erst ab 16 Jahren freigegeben.

Aus weiß-grauer Naturkulisse wachsen, computergeneriert, Bäume, die sich – in bedrohliches Purpur-Licht getaucht – immer mehr verästeln und verzweigen, bis sie an das menschliche Blutsystem erinnern. Ein fürchterliches Virus breitet sich aus.

Wie in einem Netzwerk feinster Äderchen, die disparat erscheinen und doch zu einem einzigen großen Organismus gehören, entfaltet sich nun unter der Regie des renommierten Regisseurs Hannu Salonen ein internationaler Thriller der absoluten Spitzenklasse, der Fiktion und (angesichts der aktuellen Corona-Epidemie) Realität oder jedenfalls denkbare Realität auf beängstigende Weise vereint. Und der ruhige, der offenen Landschaft entsprechende Erzählfluss übt einen unwiderstehlichen Sog aus.

Weil die Ausstattung in Ivalo nicht ausreicht, um das Blut der Komapatientin zu untersuchen, landen die Proben in Helsinki. Am dortigen Europäischen Zentrum zur Kontrolle von Krankheiten findet der deutsche Virologe Thomas Lorenz (Maximilian Brückner) einen seltenen Erreger, der nur bei infizierten schwangeren Frauen ausbricht und zu Fehlgeburten, Missbildungen und schließlich zum Tod führt.

Gedreht für Streaming-Plattform

Lorenz fährt nach Lappland, um die Situation im Ort zu beurteilen und mit Nina mögliche weitere Infizierte zu ermitteln. Doch längst hat sich die KRP, finnische Variante des BKA, eingeschaltet. Russland ist mehr als interessiert.

In Amsterdam schickt der Chef eines Pharmakonzerns einen Mitarbeiter nach Ivalo. Und nach wie vor läuft die Fahndung nach dem Besitzer des Gehöfts, der vermutlich mehr über die entführte Frau und deren Infizierung erzählen kann. Als sich dieser Raunola überraschend stellt, ergibt sich eine völlig neue Situation.

Hochkarätige Mehrteiler wie „Arctic Circle“, den das ZDF im Wochenrhythmus zeigt, würde man inzwischen eher bei Netflix oder Amazon Prime vermuten. Und tatsächlich entstand diese deutsch-finnische Koproduktion zwischen der Bavaria und dem ambitionierten nordischen Independent-Produzenten Yellow Film zuerst als Originalserie für die finnische Streaming-Plattform „Elisa Viihde“. Man kann den Mainzern nur zu den Senderechten gratulieren.