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GPS-Uhren: Ich will meine Kinder gar nicht kontrollieren

Viele Eltern nutzen GPS-Uhren, um ihre Kinder zu überwachen. Doch das möchte nicht jeder.

Viele Eltern nutzen GPS-Uhren, um ihre Kinder zu überwachen. Doch das möchte nicht jeder.

Foto: Pahis / Getty Images/iStockphoto

Der Vater hat den Kindern GPS-Tracker gekauft, so kann man jeden ihrer Schritt verfolgen. Nicht gut, findet das unsere Autorin.

Berlin. Meine Kinder tragen seit vergangener Woche GPS-Uhren. Solche, mit denen Eltern den Schulweg ihres Nachwuchs tracken können. Und jederzeit ihren Aufenthaltsort. Ihr Vater hat sie ihnen gekauft. Ich kann also theoretisch im Büro sitzen und auf meinem Handy nachsehen, wo mein Sohn oder meine Tochter gerade sind. Ich traue mich allerdings nicht, die Funktion auszuprobieren.

Weil es mich tatsächlich etwas gruselt. Angenommen, ich schaue nach und die GPS-Uhr zeigt den Standort meiner Kinder falsch oder sehr ungenau an. So wie mich meine Taxi-App oder Google-Maps schon tausend Mal im Stich gelassen haben.

Die Konsequenz wäre, dass ich sofort bei der Schule anrufen müsste, um zu sehen, ob meine Kinder auch im Unterricht sind. Nach der Schule würde ich unsere Au-Pair mit diesen Uhren kontrollieren können, ob sie sich mit den beiden denn nun auch wirklich pünktlich auf den Heimweg macht. All das will ich aber gar nicht. Auch will ich meinen Kindern tagsüber keine Sprachnachrichten senden.

Tracker: GPS-Uhren sind nur für den Notfall – aber was ist ein Notfall?

Mich nervt es ehrlich gesagt schon, wenn ihr Vater es tut. Dann antworten die beiden mit einer Sprachnachricht oder einem Emoji. Oder sie schicken sich aus Spaß selbst welche zu. Ich sehe dann meiner Fünfjährigen und meinem Achtjährigen zu, wie sie wie kleine Erwachsene über ihrer Apple-Watch hängen. Es sieht nicht okay aus, es fühlt sich auch nicht so an.

Während der vergangenen Ferien nahmen meine Kinder an einem Sport-Camp teil. Sie können sich dort tagsüber frei auf dem Gelände bewegen, eigentlich ein idealer Einsatzort für die Uhren. Bevor es Montagmorgen losging, erklärte ich ihnen die Regeln. Gab ihnen den Zettel mit meiner Telefonnummer.

„Wenn sich irgendwas verschiebt und ich euch nicht pünktlich abholen kann, dann geht ihr zur Trainerin und die ruft mich an. Okay?“

„Oder wir drücken den Notfallknopf der Uhr“, rief mein Sohn.

„Nein, ihr wartet oder wenn es wirklich lange dauert und ihr fertig seid, dann lasst ihr anrufen.“

„Aber die Uhr geht doch auch“, befand mein Sohn.

Ich schüttelte den Kopf.

„Nein. Die soll wirklich nur für Notfälle sein.“

Und da liegt eben das Problem. Wann ist dieser Notfall? Natürlich sprechen wir dann von Fremden, mit denen kein Kind mitgehen darf. Dass man, wenn man sich verlaufen hat, am besten in ein Geschäft geht und nach dem Weg fragt. Zuhause anrufen lässt. Kinder sind mit Technik einfach noch überfordert. Was ist, wenn der Akku der Zauberuhr leer geht, was, wenn sie eine Fehlermeldung zeigt, nicht reagiert?

Technik verschleiert die Sinne von Kindern und macht sie nicht aufmerksam dafür, was in ihrer unmittelbaren Umgebung passiert. Dass sie mit Menschen reden müssen, um ein Problem zu lösen. Dass sie bitte auf die Straße schauen sollen und nicht auf die Uhr – nicht einmal Erwachsene bekommen es hin, im Straßenverkehr nicht auf ihr Handy zu gucken.

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Ich will nicht, dass mein Sohn mich ständig erreichen kann. Er soll mich vergessen, wenn er in der Schule ist. Und seine Schwester auch. Nur so können die beiden selbstständig werden. Ich glaube nicht an GPS-Uhren, ich glaube an meine Kinder. Das klingt superkitschig, aber ich vermute, dass viele Eltern so denken.

Und ein Glück, vergangene Woche lag die Uhr bereits am Donnerstag unaufgeladen in einer Ecke des Kinderzimmers.

„Oh“, sagte mein Sohn. „Habe ich wohl vergessen.“

Und ich zuckte mit den Schultern.

„Nicht schlimm.“

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