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Kristen Stewart: „Beim Wählen fühle ich mich stark“

Schauspielerin Kristen Stewart

Schauspielerin Kristen Stewart

Foto: dpa Picture-Alliance / Ian West / picture alliance / empics

Mit dem Remake von „Drei Engel für Charlie“ versucht sich Schauspielerin Kristen Stewart nach langem wieder mal als Hollywood-Heldin.

Berlin. Mit dem Remake von „Drei Engel für Charlie“ versucht sich Kristen Stewart nach langem wieder einmal als Hollywood-Heldin. Doch die 29-Jährige bleibt in ihrem Denken immer noch zu unkonventionell für die Maschinerie der Traumfabrik, deren Mechanismen sie sehr wohl durchschaut.

Sie hatten seit der „Twilight“-Serie keine wirklich kommerziellen Filme mehr gedreht. Wie kam es dazu, dass Sie bei „Drei Engel für Charlie“ mitmachen wollen?

Kristen Stewart: Weil das ein Film über weibliche Solidarität ist. Wir haben da auch ein neues Konzept. Und das heißt: Es gibt viele von diesen Engeln auf der ganzen Welt, wir arbeiten alle in einem Netzwerk zusammen, und deshalb kann uns niemand unterkriegen. Es fühlt sich so wunderbar an, wenn Frauen nicht miteinander wetteifern, sondern an einem Strang ziehen.

Aber das ist effektiv ein Actionfilm. Haben Sie eine geheime Schwäche für dieses Genre?

Das kann man nicht pauschalisieren. Der Punkt bei „Drei Engel für Charlie ist“: Das ist kein Actionfilm, wo Frauen einfach Männer nachahmen. Wir sind auch keine Superheldinnen. Wir zeigen hier weibliche Stärke, und das ist etwas, was ich mag.

Können Sie weibliche Stärke definieren?

Hier geht es nicht darum, wer der stärkste und der lauteste ist. Starke Frauen handeln überlegt und mit Maß und Ziel. Sie sind elegant, leichtfüßig. Ich finde so etwas viel schöner.

Dieser Film passt auch zu der Ära von „MeToo“, in der wir uns bewegen. Wie nehmen Sie diese Änderungen wahr?

Es freut mich so sehr, dass es endlich soweit ist. Es ist ja eigentlich verrückt, dass es so lange gedauert hat. Aber bin mir zutiefst bewusst, wie glücklich ich mich schätzen darf, in so einer Zeit zu leben.

Wann fühlen Sie sich eigentlich persönlich stark?

Ganz konkret: Wenn ich wählen gehe. Und allgemein wenn ich mich mit jemand zusammentue, der genauso tickt wie ich. Du wirst in eine bestimmte soziale Gruppe hineingeboren, aber wenn du älter wirst, begreifst du, du kannst dir die Leute aussuchen, mit denen du abhängst. Und wenn ihr eure Energie kombiniert, dann seid ihr stark. Das alles potenziert sich.

Jetzt, wo Sie so viel selbstsicherer sind, wie gehen Sie mit Ihrem Dasein als Star um? Früher waren Sie ja vom öffentlichen Interesse an Ihrer Person nicht so begeistert...

Das hängt davon ab, was Sie unter ‚Stardasein’ verstehen. Es gibt Kollegen, die werden zu richtigen Marken. Die halten sich für so interessant, dass sie für sich eine Persönlichkeit erfinden, und mit der verkaufen sie sich dann an die Öffentlichkeit. Und die Leute halten das auch noch für glaubhaft. Ich werde nie so etwas tun. Ich möchte, dass mich die Menschen als authentisch empfinden. Es ist wirklich schlimm für mich, wenn man mich nicht versteht oder falsch interpretiert. Ich will, dass klar rüberkommt, was ich meine und wer ich bin.

Und was tun Sie dafür?

Ich spreche mit den Leuten. Ich möchte ihnen mein authentisches Ich vermitteln, und wenn ich dafür bis zur absoluten Erschöpfung auf jemand einreden muss.

Gibt es Momente, wo Sie selbst sich als besonders authentisch empfinden?

Ich habe Mittel und Wege, um mich zu erden und lebendig zu fühlen. Die einfachste Methode ist schwitzen. Wenn du Panikattacken kriegst oder einfach nur Distanz brauchst, dann ist meine Devise: ‚Hey, geh laufen. Dein Körper ist stärker als dein Geist. Wenn du physisch wieder Energie hast, dann fühlt sich das genial an.’ Das ist nicht besonders einfallsreich, aber es hilft total.

Eine Zeit lang schien es so, als würden Sie sich auf Ihrer Suche nach Europa begeben. Sie bekamen sogar einen César – aber mit „Drei Engel für Charlie“ machten Sie nun doch wieder Hollywood-Kino.

Ich suche nicht nach Ländern, sondern nach Menschen. Ich will mit Leuten arbeiten, die mich auf Trab bringen und mit denen ich in der Zusammenarbeit eine gute Energie verspüre, egal wo das ist. Und die den Geschichten treu bleiben, die sie erzählen wollen. So habe ich in Europa Regisseure für mich gefunden, mit denen ich wieder arbeiten werde. Denn hier gibt es ein bisschen mehr Freiraum für wirklich kreative Menschen, die nicht auf Geld fixiert sind. Aber auch in Amerika entstehen ständig tolle Filme.

Sie sind inzwischen auch selbst unter die Regisseure gegangen. Was für ein Ziel verfolgen Sie damit?

Ich mochte es immer, ein Teil von jemands Vision zu sein. Aber ich habe auch selbst meinen eigenen Standpunkt, den ich vermitteln möchte. Ich weiß, dass ich Menschen dafür gewinnen kann und zusammen werden wir etwas Schönes daraus machen. Wie schon gesagt: Nichts gibt mir mehr Power, als mit Gleichgesinnten an einem gemeinsamen Strang zu ziehen.