Feuer

Buschbrände: Warum Australien zum Schutz Kamele töten will

Fahrradfahrer retten Koala vor dem Verdursten

Die extreme Hitzewelle im Süden Australiens macht offenbar auch den Tieren zu schaffen. In den Adelaide Hills erlebte eine Radgruppe eine seltene Szene.

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Die Folgen der Brände in Australien sind katastrophal für die Tierwelt. Laut dem WWF sind bereits 1,25 Milliarden Tiere gestorben.

Canberra. 

  • Laut WWF sind in Australien rund 1,25 Milliarden Tiere umgekommen
  • Die Feuer könnten ein Aussterben der Koalas beschleunigen
  • In den vergangenen Monaten sind 5,5 Millionen Hektar Land niedergebrannt
  • Bis zum Abklingen der Feuer ist das volle Ausmaß der Schäden unbekannt

Schon seit Monaten toben die Feuer in Australien – mit Folgen für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Vögel stürzen von der Hitze erschöpft zu Boden. Koalas verbrennen auf den Bäumen. Kängurus hüpfen durch Rauchschwaden. Bilder von verkohlten Kängurus treffen die Menschen ins Mark.

Nun haben die australischen Behörden zudem mit der Zwangstötung von bis zu 10.000 Kamelen begonnen. Entlegene Ortschaften der Ureinwohner seien gefährdet, da riesige Kamelherden auf der Suche nach Wasser und Nahrung bis in die Gemeinden vordrängen, das Trinkwasser verschmutzten und die knappen Lebensmittelvorräte plünderten, teilten die Behörden im Bundesstaat South Australia am Mittwoch mit.

Die Kamele werden den Angaben zufolge von Hubschraubern aus von Scharfschützen abgeschossen. Die Tötung erfolge nach höchsten Tierwohl-Standards, betonte das Umweltministerium des Bundesstaates. Die Keulung ist die erste dieser Art in dem Bundesstaat und findet in Anangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara (APY) statt, einem Verwaltungsbezirk, in dem etwa 2300 Ureinwohner leben.

Buschbrände: Kamele gelten in Australien als Plage

Die Tötung diene nicht nur dem Schutz der Menschen, sondern auch dem Wohl der Herden, erklärte das Ministerium. Es seien bereits Tiere verdurstet oder hätten sich gegenseitig totgetrampelt.

Kamele gelten in Australien als Plage, da sie Quellen verseuchen und bei der Futtersuche die natürliche Flora zertrampeln. Grundbesitzer in der APY-Region fangen seit Jahren Kamele ein und verkaufen sie. In jüngster Zeit seien sie der großen Zahl von Tieren, die wegen der Dürre in das Gebiet strömten, jedoch nicht mehr Herr geworden, teilte das Umweltministerium mit.

Kamele wurden in Australien erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts aus Indien eingeführt, um sie für die Erschließung des riesigen Binnenlandes zu nutzen. Heute leben in der australischen Wüste vermutlich so viele wilde Kamele wie nirgendwo sonst auf der Welt. Schätzungen gehen von mehr als einer Million Tiere aus.

Brände in Australien: 1,25 Milliarden Tiere durch Feuer getötet

Bislang seien nach Schätzungen des WWF Australien etwa 1,25 Milliarden Tiere direkt oder indirekt durch die Feuer getötet worden, teilte die Umweltorganisation in Berlin mit. Die Zahl sei mithilfe einer Methodik berechnet worden, die die Auswirkungen der Rodung von Landflächen auf die australische Tierwelt schätzt.

Die Hochrechnung basiert laut WWF auf einer Studie von Chris Dickmann von der Universität Sydney. Bis zum Abklingen der Brände werde das volle Ausmaß der Schäden aber unbekannt bleiben, hieß es weiter.

Geschichten von geretteten Tieren sind da Balsam: So wie die eines kleinen Koalas, der gerade in einem Lastwagen Unterschlupf fand. Oder Geschichten davon, dass Feuerwehrleute die Tiere bergen und ihnen Wasser geben.

Koalas können nicht wie Kängurus oder Wallabys weghüpfen. Die Beutelsäuger rollen sich während der Brände in den Bäumen zusammen, was verheerend ist.

Buschbrände in Australien: Keine Nahrung mehr für überlebende Tiere

Der für Naturschutz zuständige Vorstand von WWF Deutschland, Christoph Heinrich, erklärte, seine Organisation sei „entsetzt über das Ausmaß der Zerstörung“.

In Australien sei mehr Land verbrannt als bei den Bränden im brasilianischen Amazonasgebiet und im US-Bundesstaat Kalifornien zusammen. „Die Klimakrise verursacht keine Buschfeuer, aber sie macht sie viel verheerender“, hob Heinrich hervor. Die Lage in Australien verdeutliche, „dass Klimakrise und Artensterben zusammen gedacht werden müssen“: „Ohne eine intakte Natur sind ambitionierte Klimaziele nicht zu erreichen. Wenn die Erderhitzung nicht begrenzt wird, werden mehr Tierarten ihren Lebensraum verlieren.“ Brandgebiete liegt.

In Australien sind in den vergangenen Monaten 5,5 Millionen Hektar Land niedergebrannt – das entspricht der Fläche der Insel Irland. Die Universität von Sydney hatte am Freitag eine Studie veröffentlicht, wonach seit September allein im besonders stark betroffenen Bundesstaat New South Wales 480 Millionen Tiere wegen der Feuer verendeten.

Dabei handele es sich um eine „sehr zurückhaltende“ Kalkulation, erklärten die Autoren. Andrew Beattie von der Macquarie-Universität nahe Sydney erklärte, er gehe davon aus, dass landesweit bereits Milliarden von Tieren durch die Feuer ums Leben gekommen seien. Unter anderem zehntausende Koalas, aber auch zahlreiche andere Beuteltiere verendeten.

Die Feuer könnten ein Aussterben der Koalas in den nächsten Jahrzehnten beschleunigen, warnt der WWF. Die Tiere leiden demnach ohnehin unter der übermäßiger Abholzung von Wäldern zur Gewinnung von landwirtschaftlichen Flächen und Bauland.

In Australien trifft es aber auch Tiere, von denen viele Menschen in Deutschland noch nie gehört haben: etwa die Schmalfußbeutelmaus oder das Kaninchenkänguru. Der Ökologie-Professor Euan Ritchie von der Deakin Universität sagte, es sei zu früh, um zu bilanzieren, welche Folgen die Brände für die einzelnen Tierarten haben. „Wir sorgen uns sehr um viele Regenwald-Arten, die typischerweise keine Feuer erleben und deswegen nicht besonders widerstandsfähig sind.“

Buschfeuer in Australien: Viele freiwillige Retter im Einsatz

In Kampf gegen die verheerenden Buschbrände in Australien waren auch tausende Reservisten im Einsatz. Sie wurden am Montag in drei Bundesstaaten im Osten des Landes geschickt, wo die Feuer besonders heftig lodern.

Die Regierung setzte erstmals in der Geschichte das eigentlich nur für Auslandseinsätze vorgesehene Notfall-Spezialteam des Landes auch im Inland ein, zudem versprach sie ein gut eine Milliarde Euro schweres Wiederaufbauprogramm.

Die 3000 Reservisten der Armee waren am Wochenende einberufen worden, es ist die größte Zwangseinberufung in der Geschichte des Landes. Sie sollen vor allem helfen, die Stromversorgung wiederherzustellen und die Menschen in den Katastrophengebieten mit Lebensmitteln, Wasser und Treibstoff zu versorgen. Inzwischen sind landesweit rund acht Millionen Hektar Land den Bränden zum Opfer gefallen, das entspricht nahezu der Fläche der Insel Irland. In den Flammen starben 24 Menschen.

Die wegen ihres Umgangs mit der Krise stark in der Kritik stehende Zentralregierung kündigte derweil ein Hilfspaket von umgerechnet rund 1,25 Milliarden Euro für den Wiederaufbau der von den Bränden betroffenen Gebiete an. „Es liegt ein langer Weg vor uns und wir werden diese Gemeinden bei jedem Schritt unterstützen“, erklärte Premierminister Scott Morrison.

Zugleich schickte die Regierung erstmals in der Geschichte Australiens Nothilfeteam der Regierung auf einen Inlandseinsatz. Das Team, das eigentlich für Soforthilfen bei Naturkatastrophen in anderen Ländern eingesetzt wird, soll nun in den Brandgebieten bei Evakuierungen helfen.

Aus verschiedenen Ländern kommen Hilfsangebote.

So bot EU-Ratspräsident Charles Michel aus Belgien im Kampf gegen die Buschfeuer mehr Unterstützung an. „Die EU und ihre Mitgliedsstaaten sind bereit, mehr zu tun“, schrieb der Belgier am Dienstag auf Twitter.

Das Angebot richtete sich an den australischen Premierminister Scott Morrison. Die EU hat nach Michels Worten bisher mit Landkarten dabei geholfen, die Rettungsmaßnahmen zu erleichtern.

Zuvor hatte bereits US-Präsident Donald Trump nach Angaben des Weißen Hauses im Gespräch mit Australiens Regierungschef seine Sorge und sein Beileid ausgedrückt – und die Unterstützung der USA angeboten.

Auch Prominente kündigten Unterstützung an: Pop-Superstar Elton John etwa wollte laut Medienberichten eine Million Dollar für die Opfer der Brände spenden. Und der Schauspieler Chris Hemsworth („Thor“) stellte nach eigenen Angaben eine Million australische Dollar (620.000 Euro) bereit.

Brände in Australien – Auch Menschen ums Leben gekommen

Seit Beginn der großen Brände sind in Australien 25 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 2000 Häuser sind zerstört. Mehr als zehn Millionen Hektar brannten nieder – das entspricht ungefähr der Größe von Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Hunderte Millionen Tiere sind nach vorsichtigen Schätzungen von Wissenschaftlern allein im Bundesstaat New South Wales an der Südostküste getötet worden.

Unterdessen machen zwar ein wenig Regen und kühlere Temperaturen die Arbeit der Feuerwehrleute bei den Bränden etwas leichter. Aber auch in dieser Woche soll es wieder teilweise 40 Grad und heißer werden.

Angesicht der dramatischen Auswirkungen der Brände will die australische Tourismusbehörde laut Medienberichten auch ihre aufwendige Werbekampagne mit Popsängerin Kylie Minogue („Can’t Get You Out Of My Head“) überarbeiten. In dem Musikvideo „Matesong“ räkelt sich die 51-Jährige Australierin unter anderem am Strand und tanzt unter blauem Himmel vor Eukalyptuswäldern – Rauchschwaden und zerstörte Landstriche tauchen nicht auf.

Spenden von Prominenten – Auch britisches Königshaus ruft zu Hilfe auf

Was Australien derzeit erlebt, bewegt auch das britische Königshaus. Königin Elisabeth, qua Verfassung Staatsoberhaupt des Landes, äußerte sich entsetzt: „Ich bin zutiefst betroffen über die Berichte von den anhaltenden Buschbränden und ihren zerstörerischen Folgen in vielen Teilen Australiens.“ Ihr Dank gelte allen Helfern, die ihr Leben aufs Spiel setzten, um sich den Flammen entgegenzustellen.

Prinz Harry und seine Frau Meghan drückten bei Instagram ihr Mitgefühl aus und warben um Spenden. Sie sehen die Katastrophe im globalen Umweltkontext: Neben dem Bild eines Koalas im Arm eines Feuerwehrmannes verwiesen sie auf andere Brände, wie in Kalifornien und in Afrika, sowie auf die Zerstörung des Amazonas.

Viele Prominente nehmen Anteil an den Bränden. Hollywoodschauspielerin Nicole Kidman erklärte auf Instagram, ihre Familie habe 500.000 Dollar (rund 448.000 Euro) an die Feuerwehr gespendet. Auch die US-Sängerin Pink kündigte eine solche Spende an. Sie sei beim Anblick der Bilder von den schrecklichen Bränden „völlig verzweifelt“, schrieb Pink auf Twitter. Die Spende solle den Feuerwehrleuten, die „an vorderster Front so schwere Arbeit leisten“, zufließen.

Eine australische Komikerin, Celeste Barber, sammelte in einer Benefizaktion sage und schreibe 16 Millionen US-Dollar ein.

Wer direkt spenden möchte, kann das zum Beispiel bei australischen Roten Kreuz machen oder auch bei der australischen Heilsarmee, die Geld sammelt, um Feuerwehrleute und Evakuierte zu unterstützen.

Während die Brände weiter wüten, gibt es auch schon Ansätze zur Untersuchung der Ursachen. So stellen Beobachter die Frage, ob das Wetter oder der Klimawandel für das Feuer in Australien verantwortlich sind. (jb/mbr/dpa)

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