Naturgewalt

Vulkanausbruch Neuseeland: Weiteres Opfer stirbt in Klinik

Nach Vulkaneruption: Taucher suchen weiter nach Vermissten

Die neuseeländische Regierungschefin Ardern hat für Montag eine Gedenkminute für die Opfer angekündigt. Sie soll um 14:11 Uhr stattfinden.

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Nach dem Vulkanausbruch auf White Island wurden sechs Leichen geborgen. Taucher suchen weiter. In der Klinik stirbt ein weiteres Opfer.

Wellington. Nach dem Vulkanausbruch auf der neuseeländischen Insel White Island ist ein weiteres Opfer im Krankenhaus an seinen schweren Brandverletzungen gestorben. Das teilten die neuseeländischen Behörden am Samstag mit. Damit steigt die Zahl der Toten auf offiziell 15.

Zwei Menschen gelten derweil noch als vermisst. Die Rettungskräfte gehen aber davon aus, dass sie tot sind. Seit Samstagmorgen suchen Taucher von Polizei und Marine in den Gewässern rund um White Island nach den beiden Opfern.

Die Leichen von sechs Opfern waren am Freitag gefunden und geborgen worden. Sie wurden nach Auckland geflogen, um identifiziert zu werden. An der vierstündigen Bergungsaktion am Freitag waren sechs Männer und zwei Frauen beteiligt, wie der Oberst der neuseeländischen Verteidigungsstreitkräfte, Rian McKinstry, erklärte.

Vulkanausbruch in Neuseeland – Das Wichtigste in Kürze:

  • Am Montag ist es zu einem Vulkanausbruch in Neuseeland gekommen
  • Auf der Insel White Island starben mindestens 16 Menschen, Dutzende wurden verletzt, darunter auch Deutsche
  • Die Insel wurde zur Todeszone erklärt und komplett gesperrt
  • Am Freitag bargen Einsatzkräfte auf White Island sechs Leichen, zwei Menschen werden noch vermisst
  • Das Auswärtige Amt hat bislang keine Informationen über mögliche Todesopfer aus Deutschland

Wegen der Gefahr einer weiteren Eruption war die Bergungsaktion ein Risiko für die Beteiligten. Das Geoforschungszentrum GNS hatte das Risiko eines neuen Ausbruchs auf mehr als 50 Prozent beziffert. Angehörige der Opfer hatten in den vergangenen Tagen den Druck erhöht, die Toten von der Insel zu holen. Rettungskräfte hatten die Insel zwischenzeitlich nicht betreten dürfen. Erst am Freitag konnte nach tagelanger Pause die Suche nach den Leichen der Opfer wieder aufgenommen werden.

Vulkanausbruch auf White Island: Mindestens 16 Tote

Mindestens sechzehn Menschen sind bei dem verheerenden Vulkanausbruch am Montag gestorben, Dutzende wurden verletzt. Acht Todesopfer wurden auf der Insel vermutet. Die anderen acht Opfer sind Touristen und Führer, die sich auf einer Sightseeingtour bei White Island befanden. Sie waren bereits Anfang der Woche als tot bestätigt worden.

Noch immer werden 17 Verletzte in vier Krankenhäusern in Neuseeland behandelt, 13 australische Patienten wurden in Kliniken nach Sydney und Melbourne gebracht. Einige der Opfer erlitten schwerste Verbrennungen. Bei 27 Patienten seien mehr als 30 Prozent der Hautoberfläche verbrannt, bei einigen sogar 90 bis 95 Prozent.

Auch Deutsche unter den Verletzten

Die meisten müssten wegen Lungenschäden durch die eingeatmeten heißen Dämpfe auch künstlich beatmet werden. Sie werden in einer Spezialklinik behandelt. Unter den Verletzten sind auch vier Deutsche. Zu Berichten, wonach auch ein deutsches Ehepaar auf der Insel noch vermisst werde, hieß es aus dem Auswärtigen Amt: „Wir haben derzeit keine Erkenntnisse, nach denen Deutsche zu Tode gekommen sind.“

Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern zufolge kommen die Toten und Verletzten aus Neuseeland, Australien, den USA, China, Malaysia und Deutschland.

Polizei leitete Ermittlungen ein

Die Polizei hat derweil Ermittlungen eingeleitet, um zu klären, ob die Todesfälle und Verletzungen hätten vermieden werden können. Trotz der erhöhten Vulkanaktivität fuhren immer wieder Boote mit Ausflüglern zur Insel. White Island ist seit 80 Jahren in Privatbesitz. Der Zutritt war nur mit ausgebildeten Führern erlaubt, aber in den Tagen vor dem Ausbruch eben nicht verboten.

Der Chef des Tourveranstalters White Island Tours, Paul Quinn, sagte im Rundfunksender Radio New Zealand, es habe keine Warnung gegeben, die Insel nicht mehr zu besuchen.

Experte zum Vulkanausbruch auf Neuseeland: „Auf Katastrophe konnte man warten“

Premierministerin Ardern sagte zur Diskussion, ob die Katastrophe nicht hätte vermieden werden können: „Wir wissen, dass es größere Fragen geben wird. Diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden.“ Der Vulkanologe Raymond Cas sagte: „Auf diese Katastrophe konnte man warten.“

Loyc Vanderkluysen, ebenfalls Vulkan-Wissenschaftler, zeigte sich überrascht, dass zum Zeitpunkt des Ausbruchs am Montag überhaupt Touristen auf der Insel waren. Wissenschaftlern sei bewusst gewesen, dass der Vulkan in eine Phase erhöhter Aktivität übergehe.

Vulkanausbruch: Augenzeugen filmte Aschewolke mit Handy

Der Vulkan war am 9. Dezember gegen 14.20 Uhr Ortszeit ausgebrochen. Auf Bildern einer Beobachtungskamera ist zu sehen, dass sich kurz zuvor eine Gruppe von Wanderern in unmittelbarer Nähe des Vulkankraters aufhielt. Dann wird die Kamera schwarz.

Der US-Amerikaner Michael Schade, der White Island gerade verlassen hatte, filmte den Ausbruch vom Boot aus mit seinem Handy. Zu sehen ist, wie die Aschewolke viele Hundert Meter hoch in den Himmel steigt. Schade sagte: „Ich war einfach nur geschockt. Dann hat das Boot kehrtgemacht, und wir haben einige Leute aufgenommen, die an der Pier standen.“

Mit Flugzeugen und Hubschraubern wurde zunächst aus der Luft nach Überlebenden gesucht. Nach Einbruch der Dunkelheit musste die Suche jedoch unterbrochen werden. Ein Polizeisprecher sagte: „An keinem Ort sind Lebenszeichen gesichtet worden. Auf Grundlage der vorliegenden Informationen glauben wir nicht, dass sich auf der Insel noch Überlebende befinden.“

Neuseeland: Erdbeben einen Tag nach dem Vulkanausbruch

Am Tag nach der Katastrophe wurde Neuseeland zusätzlich von einem Erdbeben getroffen: Das Beben der Stärke 5,3 traf die Nordinsel des Pazifikstaats am Dienstag um 13 Uhr Ortszeit (1 Uhr MEZ). Zunächst gab es jedoch keine Hinweise auf Verletzte.

White Island liegt etwa 50 Kilometer von der Küste von Neuseelands Nordinsel entfernt. Mehrere Unternehmen bieten dorthin Tagestouren mit dem Boot an. Die Insel wird pro Jahr von etwa 10.000 Ausflüglern besucht.

Eine Google-Maps-Karte zeigt die genaue Lage von White Island.

Der Vulkan ragt 321 Meter in die Höhe, der weitaus größte Teil ist unter Wasser. Der letzte größere Ausbruch war 2016. Die Maori, die Ureinwohner der Region, nennen die Insel „Te Puia o Whakaari“, was „der dramatische Vulkan“ bedeutet.

Neuseeland liegt auf Pazifischem Feuerring

Der erste Europäer, der die Insel entdeckte, war 1769 der britische Seefahrer James Cook. Er gab ihr auch den Namen „Weiße Insel“ – weil sie ständig in einer Wolke von weißem Dampf und Rauch erschien. Cook ahnte jedoch offenbar nicht, dass sich dahinter ein Vulkan verbirgt.

Neuseeland liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Auch Erdbeben sind dort keine Seltenheit. In der Stadt Christchurch kamen bei einem Beben im Februar 2011 mehr als 180 Menschen ums Leben.

Vulkanausbruch – Mehr zum Thema

Im Juli war der Vulkan Stromboli in Italien ausgebrochen und hatte Touristen in Panik versetzt. Auf Hawaii war im Mai ein Mann in einen Vulkan gestürzt und hatte das Unglück überlebt. Dass Vulkane mitunter eine tödliche Gefahr sein können, nehmen Menschen auf der Suche nach spektakulären Fotomotiven billigend in Kauf. Sie sind auf der Jagd nach einem Selfie am Abgrund – Warum Urlauber für Fotos alles riskieren, lesen Sie hier. (dpa/moi/jkali)