Bau-Debakel

BER: Flughafen Berlin soll am 31. Oktober 2020 eröffnen

BER: Chronologie eines Pannenflughafens

Der Hauptstadtflughafen ist längst zum Witz verkommen. Wir fassen die Pleiten und Pannen der letzten Jahre zusammen.

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Wann öffnet der Hauptstadtflughafen BER endlich? Zum ersten Mal seit der geplatzten Eröffnung 2012 gibt es wieder ein konkretes Datum.

Berlin. Fast unglaublich, aber wahr: Der neue Hauptstadtflughafen BER soll am 31. Oktober 2020 eröffnen. Diesen Termin nannte der Berliner Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup den Aufsichtsräten bei einer Sitzung am Freitag.

„Nach menschlichem Ermessen“ könnte der Termin gehalten werden: „Der BER wird fliegen.“ Und auch die Kontrolleure halten dieses Zieldatum für plausibel. „Wir glauben, wir schaffen das“, sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider zuversichtlich.

Damit gibt es nun erstmals seit dem vor gut sieben Jahren geplatzten Eröffnungstermin 3. Juni 2012 wieder ein konkretes Datum, an dem die ersten Passagiere am neuen Terminal abgefertigt werden sollen. Zwischenzeitlich wurde der Eröffnungstermin des BER wegen Planungsfehlern, Technikproblemen und Baumängeln insbesondere beim Brandschutz sechs Mal verschoben.

BER Flughafen soll 2020 eröffnen – Kosten offenbar über sieben Milliarden

Planer und Manager mussten deshalb zwischenzeitlich viel Spott ertragen. Die Baukosten sind unterdessen kräftig gestiegen. Zuletzt war von über sieben Milliarden Euro für den Flughafen die Rede. Erste Planungen waren 1995 von gut einer Milliarde Euro ausgegangen.

Der 31. Oktober 2020 ist ein Samstag, viele werden Halloween feiern. Die Herbstferien sind vorbei, der Wechsel zum Winterflugplan steht noch bevor. In Brandenburg ist wegen des Reformationstages Feiertag. Auch das dürfte für die Auswahl des Starttermins eine Rolle gespielt haben. Denn den logistischen Kraftakt eines Umzugs großer Teile der Materialien und Mannschaften von Tegel zum BER zu bewerkstelligen, dürfte leichter fallen, wenn der Berufsverkehr weitgehend ausfällt.

Flughafenchef: Es gibt überall Fortschritte

Noch in dieser Woche war ein Bericht des TÜV vom September bekannt geworden, in dem die Prüfer rund 2000 Mängel vor allem in den Kabeltrassen aufführten und eine längere Prüfung in Aussicht stellten. Kabel seien nicht richtig verlegt, Starkstrom liege neben normalen Leitungen, zudem fehle in vielen Fällen die nötige Bezeichnung für die Kabel.

TÜV-Vertreter waren am Freitag auch in der Aufsichtsratssitzung, um den Kontrolleuren die aktuelle Lage zu schildern. Die Situation habe sich in den vergangenen Wochen gebessert. Nun seien die Hälfte der 98 Verteilerbereiche abschließend untersucht, bis zum 20. Februar wolle der TÜV durch sein. „Die Bilanz ist positiv“, so der Flughafenchef. Es gebe überall Fortschritte, hieß es aus der Flughafengesellschaft, aber man sei „noch nicht durch“. Gleichwohl sei der Eröffnungstermin des Flughafens, dessen erster Spatenstich im Jahr 2006 erfolgte, zu schaffen.

Easyjet-Maschine soll als erstes Flugzeug nach BER-Eröffnung abheben

Eine Easyjet-Maschine soll am 31. Oktober 2020 das erste Flugzeug sein, das am neuen Hauptstadtflughafen BER abhebt. Der britische Billigflieger, größter Kunde der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg, soll im ersten Schritt von Tegel an den neuen BER-Airport in Schönefeld umziehen. Die zweite Welle mit weiteren Airlines folgt am 4. November – am 8. November werde der Tegeler Flughafen geschlossen.

Am TXL wird dann, wenn die Pläne des Flughafenchefs Lütke Daldrup und des Aufsichtsrates aufgehen, die Zeit der kommerziellen Luftfahrt zu Ende sein. Zwar müsse die Flughafengesellschaft die Infrastruktur noch ein halbes Jahr erhalten. Aber Fluglotsen und Feuerwehr und anderes Personal sind dann abgezogen und werden am BER eingesetzt.

Für den Umzug hat Lütke Daldrup die Zeit nach den verkehrsreichen Herbstferien ausgesucht. In den drei Schritten sei es auch möglich, die Mitarbeiter der Flughafengesellschaft und der Dienstleister so einzusetzen, dass sie das Arbeitspensum des Umzugs mit zeitweisem Doppelbetrieb in Tegel und am BER auch bewältigen können.

Ein Vorteil sei, dass man anders als bei der geplatzten Eröffnung 2012 am alten Terminal in Schönefeld 13 Millionen Passagiere im Jahr abfertige und somit über eine sehr erfahrene Mannschaft verfüge. Der Flughafenchef geht davon aus, dass der zur Erweiterung des Hauptterminals entstehende Terminal 2 für sechs Millionen Passagiere pro Jahr mit dem Start des BER betriebsbereit sein wird. Das sei zwar nicht zu garantieren, aber sehr wahrscheinlich.