Verurteilung

Mann tötet Hund durch Wurf in den Fluss – Haftstrafe

Kurz nach dem Tod des Hundes hatten Passanten eine Trauerstelle auf der Schloßbrücke in Mülheim eingerichtet (Archivfoto).

Kurz nach dem Tod des Hundes hatten Passanten eine Trauerstelle auf der Schloßbrücke in Mülheim eingerichtet (Archivfoto).

Foto: Martin Möller / Martin Möller / Funke Foto Services (Archiv)

Ein Mann hat einen Hund in die kalte Ruhr in Mülheim geworfen – der Hund starb. Der Mann landete vor Gericht. Wie das Urteil ausfiel.

Mülheim an der Ruhr. Wie alt „Sammy“ wurde, das ließ sich selbst vor Gericht nicht mehr einwandfrei klären. Mindestens 21-jährig soll die Mischlingshündin gewesen sein, als sie ein Mann Ende des vergangenen Jahres von der Schloßbrücke in Mülheim in die Ruhr warf. Das Tier starb daran. Rein rechtlich ist das ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz in Tateinheit mit Sachbeschädigung. Das Mülheimer Amtsgericht hat einen 58-Jährigen dafür am Donnerstag verurteilt - zu sechs Monaten Haft. Der Mann soll ins Gefängnis. Zur Bewährung ausgesetzt wird die Freiheitsstrafe nicht.

Der Angeklagte G. hat die Tat wie in seinem Vernehmungen bei der Polizei auch in der Verhandlung eingeräumt. Aus „Mitleid“ mit der so betagten wie kranken Hündin, die offiziell seinem Lebensgefährten gehörte, habe er gehandelt, so seine bisherigen Erklärungsversuche.

In der Verhandlung spricht der 58-Jährige aber auch von Alkoholproblemen und von einem „Kurzschluss im Vollrausch“ am Tattag: Bevor er die Hündin in das eiskalte Wasser warf, habe er tagsüber 18 Flaschen Bier getrunken. „Eigentlich bin ich tierlieb.“

Hund in Mülheim getötet: Tier starb durch Leberriss

Einen Tierarzt hatte „Sammy“ allerdings schon seit längerer Zeit nicht mehr gesehen. Trotz diverser, auch altersbedingter Erkrankungen. Die Hündin, so das Ergebnis der Obduktion, starb letztlich durch einen durch den Sturz ins Wasser verursachten Leberriss. Für Alternativen, also etwa eine Einschläferung und anschließende Einäscherung habe dem Paar das Geld gefehlt, rechtfertigt sich der Angeklagte vor Gericht. Das Paar hatte noch ein weiteres Tier, da waren sie diesen Weg noch gegangen. Schäferhund „Julius“ wurde eingeschläfert.

Als der Angeklagte vor Beginn der Verhandlung von Pressevertretern fotografiert wird, zieht er seine Kapuze über Kopf. Vor dem Einzelrichter sitzt eine verkrachte menschliche Existenz: aufgewachsen in der DDR, Schulende nach der achten Klasse, nach der Wende beginnt er sich in Deutschland herumzutreiben und durchzuschlagen, „über Nacht die Koffer gepackt und ab in den Westen“, erzählt er. Jahre später lernt er im Internet seinen Lebensgefährten kennen, den Halter der Hündin. Die beiden Männer ziehen aus Kaiserslautern nach Mülheim zusammen. Lange sind sie arbeitslos. Der 58-Jährige durchlief zuletzt bis zu dessen Einstellung ein Förderprogramm bei der Diakonie, arbeitete bei der Tafel.

Der Angeklagte G. steht seit Jahren mit dem Gesetz in Konflikt. Seit 1991 ist der Mann laut Bundeszentralregisterauszug schon 18 mal zu Geld- oder Freiheitsstrafen verurteilt worden, darunter Fahren ohne Führerschein, Schwarzfahren und Urkundenfälschung, vor allem aber Vermögensdelikte wie Betrug. Auch als er die Hündin in die Ruhr warf, stand er wegen einer anderen Tat noch unter Bewährungsauflagen. Einen „Bewährungsversager“ nennt ihn sein eigener Verteidiger. Auch Richter Mark Schneider wird später in seiner mündlichen Urteilsbegründung sagen: „Eine günstige Sozialprognose sehe ich nicht.“

Dass G. am Tattag die Hündin überhaupt ausführte, war offenbar eher zufällig, erzählt sein Lebensgefährte als Zeuge. Überraschend habe ihn seine auf der Straße lebende Tochter besucht und er für diese kochen wollen, sagt der 57-Jährige. Später sei sein Freund zurückgekommen „und der Hund war nicht mehr da“. G. habe erzählt, dass er die Hündin einer älteren Frau gegeben habe, die sich um „Sammy“ kümmern wollte. Was wirklich passiert war, so der Lebensgefährte, „erfuhr ich, als die Polizei kam“. Dass „Sammy“ so „todkrank“ gewesen sei, wie der Angeklagte es schildert, bestätigt er nicht.

Seit neun Monaten in einem Männerwohnheim untergekommen

Weder Verteidigung noch Anklage gehen in ihren Schlussworten darauf ein, dass der Halter der Hündin seinen Lebensgefährten in der Verhandlung selbst belastet hat. „Der mochte die nicht“, hat der 57-Jährige über seinen Damals- oder Noch-Freund gesagt. G. war nach dem Vorfall bei seinem Partner ausgezogen und seit neun Monaten in einem Männerwohnheim in Köln untergekommen.

Beide sagen, sie hätten sich getrennt, bis „die Sache abgeschlossen sei“. G. behauptet in der Verhandlung, mit dem 57-Jährigen verlobt zu sein. Der antwortet auf die Frage des Richters, ob er heiraten wolle: „Wenn der Richtige kommt...“ Als die Verhandlung vorbei ist, marschieren beide einträchtig zu Fuß in Richtung Innenstadt. Noch ist „die Sache“ nicht abgeschlossen.

Dieser Text erschien zuerst auf www.waz.de.