Preisverleihung

Emmys: Wie Laudator John Turturro den ganzen Abend versaute

Der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor John Turturro war der erste Laudator des Abends bei den Emmy-Verleihungen – und zerstörte jegliche Spannung.

Der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor John Turturro war der erste Laudator des Abends bei den Emmy-Verleihungen – und zerstörte jegliche Spannung.

Foto: Dia Dipasupil / Getty Images

Als Höhepunkt bei den Emmys gilt die Kategorie „Beste Dramaserie“. Doch schon der erste Laudator des Abends zerstörte die Spannung.

New York. Der Emmy Award ist der bedeutendste Fernsehpreis der USA. Fernsehproduktionen aus aller Welt werden mit ihm ausgezeichnet. Mit größter Spannung wird bei seiner Verleihung traditionell auf die Bekanntgabe des Preisträgers in der Kategorie „Beste Dramaserie“ erwartet – der Höhepunkt am Ende des Abends. Doch in diesem Jahr hat eine peinliche Panne das gesamte Programm durcheinander geworfen.

Im Hilton-Ballsaal im Zentrum Manhattans hatten sich Frauen in Ballkleider und Männer mit gut sitzenden Anzügen und Fliegen versammelt, um die Verleihung des US-Branchenpreises zu verfolgen. Der erste Laudator des Abends, der Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor John Turturro, betritt die Bühne, um den Preisträger in der Kategorie „Beste Miniserie“ zu verkünden. Turturro öffnet den Umschlag – und ruft: „McMafia!“

Panne bei Emmy-Verleihung: Laudator hat falschen Umschlag dabei

Die Irritation im Saal hätte kaum größer sein können. Die britische Reihe über das weltweite organisierte Verbrechen war in dieser Kategorie gar nicht nominiert. Schnell war klar: Turturro hatte den falschen Umschlag dabei – und stahl so dem vermeintlichen Höhepunkt des Abends den Zauber.

Die Spannung für den Rest des Abends? Dahin! Und auch die angereisten Deutschen wussten nun, dass sie nicht gewinnen würden. Denn die ZDF-Reihe „Bad Banks“ war in der Kategorie „Beste Dramaserie“ nominiert. Die Hoffnung der Macher, die Auszeichnung der wichtigsten Kategorie zum zweiten Mal nach „Deutschland 83“ nach Deutschland zu bringen, wurde in den ersten Minuten der Veranstaltung zerstört.

„Das war schon ein kleiner Downer – eigentlich eher ein großer“, sagte Regisseur Christian Schwochow den deutschen Journalisten, als er nach der Verleihung aus dem Ballsaal trat. Die Enttäuschung überwiege gerade noch ein wenig, meinte er. „Obwohl sich ja am Ergebnis nichts ändert.“ Andererseits sei er ohnehin schon froh über die vielen internationalen Auszeichnungen der Thriller-Serie über die fragwürdigen Auswüchse der Finanzwelt.

Der Erfolg der Reihe gibt ihm recht, eine zweite Staffel ist in Arbeit. „Bad Banks“ war unter anderem bereits mit dem Grimme Preis ausgezeichnet worden. Beim Deutschen Fernsehpreis 2019 zählte das Fernsehdrama zu den Gewinnern. Und auch bei der 70. Bambi-Verleihung in Berlin war die Serie unter den Preisträgern.

„Von jetzt an nur noch PriceWaterhouseCoopers“, frotzelte Moderator und Comedian Ronny Chieng unter dem Gelächter des Publikums nach der Panne, die an die Oscar-Verleihung 2017 erinnert. Damals wurde statt des korrekten Siegers für den besten Film des Abends („Moonlight“) versehentlich der Inhalt des Umschlags zur besten Hauptdarstellerin („La La Land“ mit Emma Stone) verlesen. In Hollywood waren damals die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers verantwortlich, am Montag in New York war es die Konkurrenz von Ernst Young.

Emmy: Kleiner Trostpreis aus deutscher Sicht

Aus deutscher Sicht war die Enttäuschung zu Beginn der Show auch aus einem anderen Grund groß, denn der Krefelder Schauspieler Jannis Niewöhner (27) musste sich in der Kategorie „Beste Leistung eines Hauptdarstellers“ ebenfalls einem Konkurrenten geschlagen geben – dem türkischen Schauspieler Haluk Bilginer für seine Rolle im Alzheimer-Drama „Sahsiyet“.

Neben zwei Sonderauszeichnungen für Reporterin Christiane Amanpour und die Macher der Fantasy-Serie „Game of Thrones“ wurden die Preise in den elf Wettbewerbskategorien international breit gestreut. Unter anderem gingen zwei von ihnen nach Brasilien und in die Niederlande, ein Double gelang keinem Land.

Aus deutscher Sicht blieb am Ende des Abends dennoch ein kleiner Trost. In der Kategorie „Beste nicht-englischsprachige Produktion im US-Fernsehprogramm“ gewann „Falco“ – eine spanischsprachige Adaption der Sat.1-Serie „Der letzte Bulle“. (jkali/dpa)