Ermittlungen

Grünes Gewölbe: Mit diesem Auto flüchteten die Einbrecher

Mit diesem Auto flohen die Einbrecher des Grünen Gewölbes

Ermittler haben erste Hinweise auf die Täter, die Schmuckstücke aus dem Dresdner Museum gestohlen haben. Die Polizei veröffentlichte ein Fahndungsfoto, das das Fluchtauto zeigt.

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Die Staatsanwaltschaft hofft auf weitere Hinweise und Aufnahmen aus der Bevölkerung. Ermittler fahnden in „Aktenzeichen XY… ungelöst“.

Dresden/Berlin. Nach dem Einbruch und Diebstahl im Historischen Grünen Gewölbe in Dresden hat die Staatsanwaltschaft ein Foto des Fluchtwagens veröffentlicht. Darauf zu sehen ist ein heller Audi A6 (Baujahr 2016) mit dunklem Dach. Die Behörden hoffen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung. Zusätzlich werden die Ermittler am Mittwochabend, 11. Dezember, um 20.15 Uhr in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ neue Fahndungsansätze präsentieren.

Dringend gesucht wird unter anderem der Fahrer eines schwarzen Transporters, der am Tag des Einbruchs, dem 25. November, kurz vor der Tat nahe des Grünen Gewölbes auf der Sophienstraße unterwegs war. Für jegliche Hinweise hat die Polizei Sachsen im Internet ein Hinweisportal eingerichtet, auf dem auch Dateien hochgeladen werden können.

Einbruch in Grünes Gewölbe – Polizei hofft auf weitere Fotos und Videos

Die Ermittler gehen davon aus, dass dem Juwelen-Diebstahl eine längere Planung vorausging. „Diese umschließt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Ausspähen des Tatobjektes“, teilte die Polizei mit. Daher seien Fotos wie Videoaufnahmen ab dem 1. Oktober bis zum Tag des Einbruchs möglicherweise relevant für die Aufklärung. Der Aufruf richte sich „inbesondere“ auch an Touristen, so die Ermittler.

Nach dem Diebstahl fuhren die Täter den Fluchtwagen in eine Tiefgarage an der Kötzschenbroder Straße in Dresden. Dort setzten sie ihn in Brand. Seither gingen nach Angaben der Staatsanwaltschaft mehr als 500 Hinweise ein. Die Polizei hat nach wie vor eine Belohnung von einer halben Million Euro ausgesetzt. Die gestohlenen Juwelen sind nach Angabe der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlung Dresden, Marion Ackermann, von unschätzbarem Wert.Schatzkammer- So prachtvoll ist das Grüne Gewölbe

Sonderkommission „Epaulette“ geht von vier Tätern aus

„Wir werden nichts unversucht lassen, diesen Fall zu lösen“, erklärten Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar und der Leitende Oberstaatsanwalt Klaus Rövekamp. Der Leiter der Sonderkommission „Epaulette“, Kriminalrat Olaf Richter, sagte: „Insgesamt sprechen die Umstände für eine zielgerichtete und vorbereitete Tat.“ Die Polizei ging zunächst von vier Tätern aus.

Insgesamt gehörten zu den drei vom Diebstahl betroffenen Schmuckgarnituren fast 100 Einzelstücke. Am Tatort waren sogar noch mehr Schmuckstücke vorhanden als zuvor angenommen. Die Kunstobjekte enthalten Diamanten in verschiedenen Schliffformen, die zum allergrößten Teil von August dem Starken und August III. erworben worden sind. Ihre Fassungen erhielten sie der Staatlichen Kunstsammlung zufolge größtenteils zwischen 1782 und 1789.

Wieder alle Museen zugänglich

Elf prominente Stücke, Teile von zwei weiteren Objekten sowie eine Gruppe von Rockknöpfen mit Brillanten und Diamanten fehlen aus der kostbaren Sammlung, wie die Staatlichen Kunstsammlungen bekannt gaben.

Mit Ausnahme der rekonstruierten barocken Schatzkammer waren bereits zwei Tage nach dem brachialen Einbruch wieder alle Museen zugänglich, auch der moderne Teil des Grünen Gewölbes über den von Kurfürst-König August der Starke (1670-1733) einst für die Präsentation seiner Pretiosen prachtvoll eingerichteten Räumen.

Die mächtige Eisentür zu dem begehbaren Tresor jedoch, wo Kunstwerke aus Gold, Silber, Edelsteinen, Elfenbein, Bernstein oder Bergkristall meist frei auf Konsolen oder Tischen vor verspiegelten Wänden stehen, öffnet nur für Polizisten, Kriminaltechniker und Kunstexperten.

Der Andrang der Besucher hielt sich jedoch in Grenzen: „Es sind weniger als normal nach dem regulären Schließtag“, sagte eine Mitarbeiterin an der Kasse im Kleinen Schlosshof. „Wir sind wegen der Paraderäume hier“, sagte ein Tourist aus Strausberg bei Berlin. „Es ist kein Katastrophentourismus.“ Der Einbruch sei betrüblich, aber habe mit dem Besuch nichts zu tun. Dass so viele Schätze verloren gegangen sind, drücke auf die Stimmung.

Dresden: Diebstahl aus Grünem Gewölbe – Das Wichtigste in Kürze:

  • Im Grünen Gewölbe in Dresden wurde eingebrochen
  • Die Polizei geht von vier Tätern aus, die insgesamt drei Juwelengarnituren entwendeten
  • Ein Video zeigt die Täter bei dem Einbruch
  • Mit Äxten schlugen die beiden auf die Vitrinen ein
  • Der Schaden ist kaum zu schätzen, weil „eine Art Weltkulturerbe“ verloren gegangen sei, wie der Direktor sagte
  • Eine Spur der Ermittler führt nach Berlin
  • Inzwischen ist das Ausmaß der Beute klar
  • Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte ein Foto des Fluchtautos

Von den Tätern fehlt weiterhin jede Spur. Während auf einem Video einer Überwachungskamera zwei Täter zu sehen waren, gehen die Ermittler dennoch von vier Dieben aus. Die zwei weiteren Täter sollen sich außerhalb des Gebäudes aufgehalten haben, wie die Polizeidirektion Dresden erklärte.

Die Ermittler sind sicher, dass der nahe der Autobahn in einer Tiefgarage in Brand gesetzte Wagen das Fluchtfahrzeug war. Im Wrack waren Spuren vom Tatort gefunden worden. Auch das Feuer in einem Stromverteilerkasten in der Nähe des Museums stehe mit dem Einbruch in Verbindung. Er sei vorsätzlich angezündet worden, worauf die Straßenbeleuchtung in der Umgebung ausgefallen war.

Dresden: Wert des Diebesgutes noch nicht klar

Von den rund 100 Einzelobjekten fehlen elf Stücke, zwei weitere und eine Gruppe Rockknöpfen sind unvollständig, so die Staatlichen Kunstsammlungen.

Juwelendiebstahl: Das wurde alles gestohlen

Zu den größten Verlusten zählen:

  • ein Degen,
  • das Kleinod des Polnischen Weißen Adler-Ordens,
  • Hutschmuck und Schuhschnallen der Diamantrosengarnitur des 18. Jahrhunderts,
  • das Achselband mit dem „Sächsischen Weißen“ und
  • der Bruststern des Polnischen Weißen Adler-Ordens und Hutschmuck aus der Brillantgarnitur.
  • Die große Brustschleife der Königin Amalie Auguste mit mehr als 600 Brillanten ist weg,
  • wie Teile ihres Brillantkolliers und
  • eines Schulterstücks der Diamantrosengarnitur.

Das Brillantkollier der Königin Amalie Auguste ist ebenfalls unvollständig und ihre große Brustschleife mit über 600 Brillanten genauso gestohlen wie das Achselband mit dem „Sächsischen Weißen“ Brillanten.

Einbruch in Grünes Gewölbe in Dresden – Soko prüft 91 Hinweise

Polizei prüft Verbindungen ins Clan-Milieu in Berlin

Ein erster Hinweis führt nach Berlin. Die Landeskriminalämter in Berlin und Sachsen stehen in regem Austausch. Ein Polizeisprecher bestätigte der „Berliner Morgenpost“ Gespräche, wollte sich aber nicht näher äußern. Ein Grund des Austausches sind Art und Weise des Einbruchs ins Grüne Gewölbe, die an ähnliche Taten aus der Hauptstadt erinnern.

Zudem soll es weitere, nicht näher benannte Hinweise in das Umfeld Berliner Clans geben, denen die Behörden nachgehen.

  • Auch bei Einbrüchen in das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) im Dezember 2014 und Januar 2017 schlugen die Täter mit Äxten auf die Vitrinen eines Edeljuweliers ein.
  • Im März 2017 stiegen Einbrecher über ein Seitenfenster ins Bodemuseum ein und erbeuteten eine 100-Kilogramm-Goldmünze. Der Diebstahl der Goldmünze gelang damals wohl erst in mehreren Anläufen.

Das sind die wertvollsten Schätze Deutschlands

In allen Fällen führten die Spuren ins Berliner Clanmilieu. Auch nach dem Einbruch ins Bode-Museum veröffentlichte die Polizei ein Video der Tatverdächtigen. Die drei Hauptverdächtigen kommen alle aus dem Umfeld der Familie R. Auf deren Schliche waren die Ermittler auch durch die Auswertung von Videomaterial gekommen, weil die darauf zu sehenden Menschen einen sehr speziellen Gang hatten. Auch im aktuellen Fall aus Dresden sind die Aufnahmen markant. So sind die Täter beispielsweise auffällig klein.

„Aus der einen Vitrine mit drei Garnituren sind noch relativ viele Werke verblieben“, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, im ZDF. „Die Täter konnten nicht alles mitnehmen, weil alle Objekte auch einzeln befestigt waren, sie waren mit Stichen vernäht mit dem Untergrund.“

Direktorin des Grünen Gewölbes: „Sehr komplexes“ Sicherheitssystem

Ackermann sprach von einem „sehr komplexen“ Sicherheitssystem im Residenzschloss. „Es sind mehrere Alarme ausgelöst worden, beim Einbruch selbst, durch die Bewegungsmelder im Raum, beim Aufbrechen der Vitrine und die Polizei ist beim ersten Alarm informiert worden“, sagte die Museumschefin. Das Sicherheitskonzept werde nun erneut gecheckt. „Es muss sicher geprüft werden, wie die Sicherheit noch gesteigert werden kann.“

So kamen die Täter ins Grüne Gewölbe

Die Täter waren über ein Fenster in das Gebäude eingestiegen. Eigentlich haben diese eine Vergitterung – die die Diebe durchtrennen konnten. Auch die Fensterscheibe aus Sicherheitsglas konnten die Diebe brechen. Im Grünen Gewölbe seien sie anschließend „gezielt auf eine Vitrine“ zugegangen, hätten diese zertrümmert und daraus die Objekte entwendet, rekonstruierte der Leiter der Kriminalpolizei, Volker Lange, der nicht ausschließt, dass noch weitere Täter beteiligt waren.

Die Einbrecher hätten das Residenzschloss schließlich auf dem selben Weg wieder verlassen, so die Ermittler.

Einbruch in Dresdens Schatzkammer

Der nächtliche Sicherheitsdienst, bestehend aus mehreren Personen, hatte den Einbruch in einer Sicherheitszentrale über Monitore mitbekommen. Statt selbst einzugreifen, riefen die Nachtwächter die Polizei, die fünf Minuten später, kurz nach 5 Uhr, am Grünen Gewölbe eintraf. Da waren die Täter bereits verschwunden.

Historische Sammlung in Dresden besteht seit 1723 – Objekte von hohem Wert

In der barocken Schatzkammer von August dem Starken, der die Sammlung zwischen 1723 und 1730 anlegte, befindet sich auch der größte grüne Diamant, der jemals gefunden wurde. Dieser hat 41 Karat und ist – glücklicherweise – derzeit an das Metropolitan Museum of Art in New York ausgeliehen.

Alleine im betroffenen historischen Teil werden rund 3000 Objekte präsentiert. Diese stehen frei in den fast 300 Jahre alten Räumen.

Diebstahl in Berlin: Münze wurde wohl eingeschmolzen

Die Berliner Polizei nimmt an, dass die 2017 in der Hauptstadt gestohlene Goldmünze eingeschmolzen wurde. Für die Juwelengarnituren wäre dies oder ein Verkauf auf dem Schwarzmarkt eine Katastrophe.