Kindesmissbrauch

Missbrauchsfälle in NRW: Achter Verdächtiger festgenommen

Ein Ortseingangsschild in Bergisch Gladbach. In dem Ort sollen mehrere Väter ihre Kinder und Stiefkinder missbraucht haben.

Ein Ortseingangsschild in Bergisch Gladbach. In dem Ort sollen mehrere Väter ihre Kinder und Stiefkinder missbraucht haben.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Der Missbrauchsfall von Bergisch Gladbach weitet sich aus. Ermittler müssen Unmengen von belastenden Fotos und Videos sichten.

Köln/Krefeld/Bergisch Gladbach. Die Fälle von Kindesmissbrauch in Bergisch Gladbach ziehen immer weitere Kreise. Im Zuge der Ermittlungen ist ein achter Verdächtiger festgenommen worden. Ein 47 Jahre alter Mann aus aus Lünen sei festgenommen worden und sitze bereits in Untersuchungshaft, sagte der Kölner Staatsanwalt Ulrich Bremer am Montag.

Es bestehe auch bei diesem Verdächtigen der Verdacht auf sexuellen Missbrauch. In diesem Fall soll der Mann allerdings nicht seine eigenen Kinder missbraucht haben, sondern nicht mit ihm verwandte Opfer.

Am vergangenen Freitag war ein 57 Jahre alten Mann aus Alsdorf bei Aachen wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern am festgenommen worden. Sein Haus wurde durchsucht. Insgesamt haben die Ermittler damit acht namentlich bekannte Tatverdächtige identifiziert und zwölf Opfer – das jüngste nicht mal ein Jahr alt, das älteste elf Jahre alt. Die Kinder sollen zum Großteil von ihren eigenen Vätern missbraucht worden sein.

Kindesmissbrauch in NRW – Verdächtige teilten Bilder in riesigen Chat-Gruppen

Unmengen von belastenden Fotos und Videos sind im Zuge der Ermittlungen sichergestellt worden – rund zehn Terabyte Daten, heißt es. Die Polizei ist derzeit damit mit rund 250 Ermittlern beschäftigt, die Daten auszuwerten. Die Verdächtigen sollen die Bilder und Videos nach ihren Taten in Chat-Gruppen mit bis zu 1800 Mitgliedern geteilt haben.

Für einen Experten allerdings könnte das alles aber nur die „Spitze des Eisbergs“ sein. „Ich habe mich nicht gewundert“, sagte Polizei-Seelsorger Dietrich Bredt-Dehnen zum angewachsenen Ausmaß der Missbrauchsfälle. „Wir wissen aus vergangenen Ermittlungen, dass solche Verfahren sich wie eine Krake in weite Bereiche hineinziehen.“ Bredt-Dehnen ist Leiter der evangelischen Seelsorge am Landeskriminalamt (LKA) NRW und betreut seit neun Jahren Beamte, die im Bereich Kinderpornografie ermitteln und mit schwerer sexualisierter Gewalt an Kindern konfrontiert sind.

Nicht nur im Darknet, sondern auch im frei zugänglichen Internet gebe es viele Foren, die auf den ersten Blick gar nichts mit Kinderpornografie zu tun hätten, sondern etwa harmlose Bilder von Kindern beim Turnen oder Schwimmwettbewerben zeigten. Mit entsprechenden Formulierungen verständige und vernetze sich die Szene. „Wir haben es mit einem massenhaften Problem zu tun, das alle Milieus unserer Gesellschaft betrifft“, sagte der Bredt-Dehnen. „Und wir haben noch nicht genügend technische Möglichkeiten, das wirklich in den Griff zu bekommen.“

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Missbrauch in und um Bergisch Gladbach – Zehn Wohnungen durchsucht

Insgesamt zehn Wohnungen in der Region um Bergisch Gladbach sind bislang durchsucht worden. Laut der Kölner Staatsanwaltschaft hatten Ermittler dabei „beweiserhebliches, kinderpornografisches Material“ sicherstellen können.

Missbrauch in Lüdge: 16-Jähriger wird freigesprochen

In diesem Jahr war bereits hundertfacher Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde bekannt geworden. Mindestens 32 Kinder wurden jahrelang sexuell missbraucht. Gegen die Angeklagten wurden Anfang September hohe Haftstrafen verhängt und anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet.

Am 31. Oktober musste sich einer der Jugendlichen selbst vor dem Landgericht Paderborn verantworten, weil er vom Opfer zum Täter geworden sein soll. Der Prozess endete mit einem Freispruch.

(dpa/gem/br)